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Wirbel um Werbeaktion zum neuen Jahr

Stadtmitte Wirbel um Werbeaktion zum neuen Jahr

Verbraucherschützer kritisieren Rabatt-Aktion bei Saturn / Kundin fühlt sich getäuscht

Stadtmitte. Angelika Schwanz aus Reutershagen ist sauer: „Ich habe 30 Jahre im Handel gearbeitet, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Sie fühlt sich als Kundin betrogen – und zwar vom Elektrofachmarkt Saturn. „Überall wurde damit geworben, dass zum Jahresanfang die Mehrwertsteuer wegfällt, und dann heben sie die Preise davor einfach an“, behauptet die 70-Jährige aufgebracht. Doch Saturn bestreitet diesen Vorwurf.

Eigentlich wollte Angelika Schwanz sich vor Weihnachten nur einen Herd kaufen. Durch die angekündigte Sonderaktion schob sie den Kauf noch auf. Geworben hatte Saturn damit, am 2. und 3. Januar den Kunden die Mehrwertsteuer zu „schenken“. „Ich habe die Verkaufsschilder mit Preis am 27. Dezember abfotografiert.“ So wollte sie die Geräte in der engeren Wahl schnell wiederfinden. „Doch während der Aktion war es auf einmal deutlich teurer“, erzählt die Reutershägerin, die erneut die Schilder fotografierte (Fotos liegen der Redaktion vor). Ein Herd, der vorher 579 Euro kostete, sollte am 2. Januar 625 Euro kosten. Für einen weiteren hätte sie plötzlich 531 Euro ausgeben müssen, der zwischen Weihnachten und Neujahr 484 Euro kostete. Immerhin jeweils ein Preisanstieg um fast zehn Prozent. „Saturn hat mich als Kundin jedenfalls verloren, das Geschäft werde ich nicht mehr betreten“, sagt Angelika Schwanz bestimmt.

„Wenn es so abgelaufen ist, wie sie den Fall schildert, darf sie sich zurecht getäuscht fühlen“, erklärt Matthias Wins von der Verbraucherzentrale MV. Er will den Vorfall an die Bundeszentrale zur formalen Prüfung weiterleiten. „Sie sollen herausfinden, ob etwas an den Vorwürfen dran ist“, so Wins. Nun komme es darauf an, wie viele Tage vor der Aktion der Preis erhöht wurde und ob zwei Beispiele ausreichen würden. „Als Verbraucherin kann sie zunächst nichts machen. Sie hat keine Rechtsansprüche, den Artikel zu dem vorherigen Preis zu bekommen.“ Doch der Verbraucherschützer hat noch einen Tipp. „Es gibt heutzutage die schöne Möglichkeit, Preise zu vergleichen, die sollte man auch wahrnehmen.“

Er vermutet, dass sich Saturn während der Aktion an den Listenpreisen orientiert habe – die sogenannte „unverbindliche Preisempfehlung“. Das sei jedoch nicht der Maßstab für Verbraucher, sondern der sogenannte „Straßenpreis“ im Geschäft. Dieser kann frei von den Unternehmen gestaltet werden. „Vor der Aktion hat es sich um ein normales Preisschild gehandelt, das nicht als Sonderpreis oder Straßenpreis ausgewiesen war.“ Die Rostockerin hätte also davon ausgehen können, dass die Rabattaktion auch auf die Herde gilt. „Wenn die Unternehmen das nicht ausreichend beschildern, müssen sie sich gefallen lassen, dass Verbraucher sich getäuscht fühlen“, sagt Wins.

Bei solchen Aktionen kämen dem Rechtsanwalt Peter BreunGoerke von der Zentrale zur „Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs“ stets Bedenken. „Aber die Werbung sagt nur aus, dass es genau an diesen Tagen einen Rabatt auf den aktuellen Preis gibt“, sagt Breun-Goerke. Dass es sich hier um eine Irreführung handle, müsste erst bewiesen werden. „Wir sind letztlich auf die Informationen angewiesen, die uns ein Verbraucher oder Mitbewerber geben kann.“

Eine Sprecherin des Unternehmens Saturn betont: „Den Vorwurf, wir hätten in den vergangenen Tagen im Saturn-Onlineshop die Preise hochgezeichnet, können wir nur zurückweisen.“ Sie spricht von „normalen Preisschwankungen“. „Das hätte so auch eine Woche früher oder später geschehen können.“ Sie weiß, dass es leider Kunden gebe, die während der Aktion ein teureres Produkt erwischt hätten.

„Das ist ärgerlich. Manche Kunden denken dann aber, wir machen das mit Absicht, das ist nicht der Fall.“ Die Preise würden fast täglich an das Preisumfeld angepasst werden. „Gerade größere Elektronik-Geräte haben hohe Preisschwankungen.“

Dass die Preise „ratzfatz“ springen, sei gerade nach den Feiertagen nichts Ungewöhnliches, weiß Wins von der Verbraucherzentrale. „Nach Weihnachten wird es nicht unbedingt günstiger. Da ist Bewegung im Markt.“

Johanna Hegermann

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