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Wirtschaftskrimi in Hausbau-Branche

Kröpeliner-Tor-Vorstadt Wirtschaftskrimi in Hausbau-Branche

Wirtschaftskrimi am Amtsgericht Rostock: Gestern hat der Prozess gegen Geschäftsführer Bernd M. und drei Mitarbeiter des Baudienstleisters Artrium Haus GmbH begonnen.

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Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe. Anfang April wird die Verhandlung fortgesetzt.

Quelle: Ove Arscholl

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Wirtschaftskrimi am Amtsgericht Rostock: Gestern hat der Prozess gegen Geschäftsführer Bernd M. und drei Mitarbeiter des Baudienstleisters Artrium Haus GmbH begonnen. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Die vier Angeklagten sollen sich von einer Konkurrentin, der Argon Haus GmbH, Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse unbefugt verschafft, gesichert und verwertet haben. Zum eigenen Vorteil. Und vielleicht auch zum Schaden von Argon. Denn die etablierte Hausbaufirma musste im November 2013 Insolvenz anmelden, Nachfolgerin ist inzwischen eine neue Firma mit nahezu gleichlautendem Namen: die Argon Hausbau GmbH & Co. KG.

Das gleiche Geschäftsmodell

2der vier Angeklagten sollen laut Staatsanwaltschaft im März 2010 die Artrium Haus GmbH gegründet haben, die das gleiche Geschäftsmodell wie die Argon Haus GmbH verfolge. Dort waren die Beschuldigten zuvor als feste und freie Mitarbeiter tätig.

Alle Angeschuldigten sollen bei der Argon Haus GmbH gearbeitet haben. Bernd M. (51) als Bauleiter, Yvonne B. (38) als Buchhalterin, Thomas G. (44) und Frank S. (44) als freie Mitarbeiter. Yvonne B.

war sogar Ehefrau des Nebenklägers und früheren Argon-Geschäftsführers Andre B.. Laut Staatsanwaltschaft hätten zwei der Angeschuldigten dann im März 2010 zusammen die Artrium Haus GmbH gegründet, die das gleiche Geschäftsmodell wie die Argon Haus GmbH habe. G. und M. seien bei Artrium zunächst zusammen Geschäftsführer gewesen. B. habe sich um die Buchhaltung gekümmert. S. sei im Verkauf tätig gewesen. „Die Angeschuldigten waren sich darüber einig, die ihnen aufgrund ihrer langjährigen Tätigkeit bei der Argon Haus GmbH verfügbaren Geschäftsunterlagen und Dateien unerlaubt mitzunehmen beziehungsweise zu vervielfältigen und das darin befindliche Wissen für die neu gegründete Artrium Haus GmbH und deren Bauprojekte gewerblich nutzbar zu machen, obwohl sie wussten, dass sie dazu nicht befugt waren“, heißt es in der Anklage. Zu den mitgenommenen Unterlagen und Dateien gehörten laut Staatsanwaltschaft Kundendatenbanken, Kalkulationen mit Preislisten, Häuseraufstellungen, Bauverträge und interne Haushinweise zum Umgang mit Kunden.

Unter anderem sollen die Beschuldigten bei den Musterhausunterlagen zum Einfamilienhaus aus der Serie „Starlight“ das Firmenlogo von Argon durch das von Artrium ausgetauscht und im Geschäftsverkehr genutzt haben. „Die Angeschuldigten wussten auch dabei, dass sie dazu nicht befugt waren“, so die Staatsanwaltschaft.

Die Angeklagten äußerten sich gestern im Prozess nicht zu den Vorwürfen. Vor Verlesen der Anklage waren Versuche gescheitert, sich auf einen Vergleich zu einigen. Der Richter mahnte: „Da die Prozessbeteiligten bekanntlich ein schwieriges Verhältnis zueinander haben, wäre es vielleicht besser zu sagen, wir bezahlen einen Betrag X und sehen uns nie wieder. Dann sind wir hier in einer halben Stunde durch. So kann es ein langer Prozess werden — mit offenem Ausgang.“ Artrium und Argon führten bereits mehrere rechtliche Auseinandersetzungen gegeneinander.

Die Beschuldigten boten in der Tat 28000 Euro, um das Verfahren einzustellen. Doch aus Sicht der beiden Nebenkläger zu wenig. Der Insolvenzverwalter der Argon Haus GmbH und auch der frühere Geschäftsführer Andre B. forderten mindestens 80000 Euro. Der entstandene Gesamtschaden belaufe sich laut Gutachtern immerhin auf eine sechsstellige Höhe, so die Nebenkläger.

Die Angeschuldigten weisen die Vorwürfe der Anklage in einer Mitteilung an die OZ zurück. Ja, sie seien in führenden Positionen im technischen und kaufmännischen Bereich für die Argon Haus GmbH tätig gewesen. „Als wir uns vor fünf Jahren von Argon verabschiedeten und anfingen, mit der Artrium Haus GmbH zusammenzuarbeiten, erstattete Herr Andre B., der ehemalige Geschäftsführer der insolventen Argon Haus GmbH, eine Strafanzeige gegen uns als ehemalige Geschäftspartner. Wir hätten angeblich Hausbauunterlagen mitgenommen“, schreibt Frank S. in der Erklärung. Der Staatsanwalt habe daraufhin Anklage beim Amtsgericht erhoben. „Die in der Anklage erhobenen Vorwürfe sind unzutreffend und basieren auf fehlerhaften Angaben des ehemaligen Argon-Geschäftsführers, Andre B.“, so S.

weiter. Gericht und Staatsanwaltschaft hätten bereits einer Verfahrenseinstellung zugestimmt. Die Angeklagten hingegen wollen ein Urteil: im „Sinne der Gerechtigkeit“, so S.. In der Stellungnahme, hätten sie eine Verfahrenseinstellung vorerst abgelehnt, da ihre Unschuld festgestellt werden soll. Laut S. sei dies die Sicht aller vier Angeklagten.

Andre B. spricht von einer Schutzbehauptung der Angeklagten. „Sie verdrehen die Tatsachen. Die Beweise sind erdrückend. Die vier Beschuldigten haben das Know-How unserer Firma gestohlen, sonst hätten sie ihr Unternehmen nicht so schnell aus dem Boden stampfen können.“ Der nächste Prozesstermin ist am 1. April.

Von André Wornowski

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