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Wohnungssuche für Obdachlose wird immer schwieriger

Toitenwinkel Wohnungssuche für Obdachlose wird immer schwieriger

Seit 20 Jahren arbeitet der Verein Obdachlosenhilfe in der Albert- Schweitzer-Straße in Toitenwinkel / Seitdem wurden mehr als 1200 Menschen betreut

Toitenwinkel. An den Winter 2009/10 erinnert sich Hans-Joachim Wapsa (58) nur allzu gut. „Das war so kalt draußen.“ Seine Frau trennte sich von ihm und Arbeit war weg, Wapsa ließ sich gehen und landete auf der Straße. Ein Jahr lebte er dort, dann hörte der Rostocker von der Obdachlosenhilfe und hat seit sechs Jahren wieder eine eigene Wohnung. „Ohne Hilfe wäre ich da allein nie rausgekommen“, sagt Hans-Joachim Wapsa.

1264 Menschen betreute der Verein seit 1996 im Obdachlosenhaus in Toitenwinkel, 439 von ihnen konnten seitdem in eigene vier Wände gebracht werden, das wichtigste Ziel des Vereins. „Das wird aber immer schwieriger“, erzählt Beatrix Busch (48), Vorstandsmitglied und Initiatorin des Vereins. Vor einigen Jahren gab es noch große Leerstände in Rostock, heute gehörten Obdachlose eher nicht zu den von den Wohnungsgesellschaften bevorzugten Mietern. Trotzdem konnte im vergangenen Jahr für 29 Menschen eine neue Bleibe gefunden werden.

Kurz nach der Wende kam Beatrix Busch in Hamburg und Bremen als junge Frau zum ersten Mal mit dem Phänomen Obdachlosigkeit in Berührung, besuchte dort Einrichtungen und bekam den Rat: „Ihr müsst in Rostock einen Verein gründen.“ Einige Leute fanden sich zusammen. „Wir waren engagiert, wollten etwas bewegen, und wir waren naiv“, erinnert sich Beatrix Busch. „Man muss wohl ein bisschen naiv sein, um so etwas anzufangen.“ Nie hätte sie gedacht, auch 20 Jahre später noch dabei zu sein. „Es fühlt sich gut an, etwas positiv verändern zu können.“

Im Jahr 1996 bekam der Verein eine ehemalige Kita in der Albert- Schweitzer-Straße, kurz vor Weihnachten zogen dann die ersten 27 Mieter von der Straße ein. Die Einrichtung wuchs, der Verein beschäftigt heute 67 Mitarbeiter. „Wir sind kein Asyl, es gibt Nutzungsverträge mit den Bewohnern“, beschreibt Beatrix Busch das Prinzip.

Im Jahr 2000 wurde das Café Albert, eine Tagesstätte für Obdachlose und sozial Schwache eröffnet. Danach entstanden die „Oldiehäuser“, mit 21 Plätzen für altersgerechtes Wohnen (2004) und der Verein gründete den Pflegedienst „Hand und Fuß“ für Obdachlose und Suchtkranke (2009) und ein Pflegeheim in Sievershagen (2012). Die Tagespflege „Daddeldu“ kam 2015 mit 15 Plätzen dazu, die im vergangenen Jahr auf 23 Plätze erweitert wurde. „Für das Jahr 2017 haben wir uns erneut ein etwas größeres Projekt vorgenommen – die notwendige Sanierung der beiden Pflegewohnungen im Obdachlosenheim“, sagt Beatrix Busch. „Dafür brauchen wir Geld.“ Die Kosten werden auf etwa 30000 Euro geschätzt, da ist jede Spende willkommen.

Schon seit 1999 existiert bei der Obdachlosenhilfe das Projekt Straßenarbeit. Regelmäßig fährt Streetworker Erik Niemierski durch die Stadt, um die Menschen auf der Straße mit einer heißen Mahlzeit, einem heißen Getränk oder auch mit Hilfsangeboten zu versorgen. Rostock habe für die Obdachlosenhilfe eine recht gute Infrastruktur, sagt Niemierski. Genaue Statistiken, wie viele Menschen als Wohnungslose in der Stadt unterwegs sind, gebe es nicht. „Auch im Winter leben viele Menschen im Freien.“ An der Toitenwinkler Allee oder zwischen Stadtautobahn und Schmarl seien sie zu finden. Viele hätten Probleme Anschluss zu finden und eines der Übernachtungsangebote in Rostock anzunehmen. Die Situation in der Hansestadt sei nicht einfacher geworden, früher gern als Schlafplatz genutzte Abrisshäuser gebe es inzwischen kaum noch. Und hinter mancher Polizeimeldung über Einbrüche in Gartenlauben stecke ein Obdachloser, der einfach im Winter ein Dach über dem Kopf sucht, weiß Erik Niemierski zu berichten.

Unterstützung bei seinen Touren bekommt Erik Niemierski übrigens von Hans-Joachim Wapsa, der im Verein Obdachenlosenhilfe zur Zeit einen Bundesfreiwilligendienst leistet. Wapsa weiß genau wovon er mit den Kunden am Straßenmobil spricht. Empfehlen kann er ihnen nur eines der Angebote für Obdachlose in Rostock anzunehmen. „Im Sommer ist es ja kein Problem im Freien zu schlafen“, aber gerade jetzt im Winter sei das besonders hart. Das hat er selbst erlebt.

Thomas Niebuhr

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