Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Zopf ab für krebskranke Kinder

Sanitz Zopf ab für krebskranke Kinder

Sanitzer Friseurinnen kürzen Haare und spenden diese zur Perückenherstellung

Voriger Artikel
Zopf ab für krebskranke Kinder
Nächster Artikel
75-Jähriger stirbt bei Unfall mit Regionalbahn

Die Sanitzer Friseurmeisterinnen Katja Klemtz (31, l.) und Nicole Zedler (39) schneiden kostenlos lange Zöpfe ab und sammeln die Haare zur Herstellung von Perücken für kranke Menschen. FOTOS (2): DORIS KESSELRING

Sanitz. Noch einmal nimmt Scady Lucht den alten Zopf in die Hand. Um 34 Zentimeter hat sie ihr Haar kürzen lassen. Für einen guten Zweck. „Die Haare sollten ab“, erzählt die 28-Jährige. Sie hatte schon einen Friseurtermin, als sie über Facebook die Aktion „Haare spenden“ und eine dazugehörige Friseurin in Sanitz entdeckte. „Warum soll ich meine dicken Haare wegschmeißen, wenn ich jemandem damit helfen kann“, sagt Scady Lucht. Also habe sie sich im Salon von Nicole Zedler angemeldet. „Und nun ist der Zopf ab“, freut sich die zweifache Mutter.

OZ-Bild

Sanitzer Friseurinnen kürzen Haare und spenden diese zur Perückenherstellung

Zur Bildergalerie

Zwei Friseurmeisterinnen, Nicole Zedler und Katja Klemtz, haben die Aktion „Haare spenden“ nach Mecklenburg-Vorpommern geholt. „Ich habe im Internet gelesen, dass Haarspenden gesucht werden, um für kranke Menschen Perücken anzufertigen“, erzählt Zedler, die im Februar dieses Jahres ihren eigenen Salon in Sanitz eröffnet hat. Sie nahm Kontakt auf zur Zweithaar-Manufaktur Rieswick im Münsterland und signalisierte ihre Bereitschaft zum Mitmachen. Seit Anfang Juni schneidet sie nun Zöpfe ab. Zusammen mit Katja Klemtz, die mit einem mobilen Salon unterwegs ist.

Die langen Haare werden kostenlos geschnitten und die Kundin bekommt zum Nulltarif eine schicke Kurzhaarfrisur. „Das kommt an, wir können helfen, und es ist eine gute Werbung für unser Handwerk“, sagt Katja Klemtz. Die beiden Friseurinnen sind selbst Mütter. „Wenn krebskranke Kinder nach einer Chemotherapie ihre Haare verlieren, ist das schlimm, das nagt an ihrem Selbstwertgefühl“, sagt Nicole Zedler. Mit maßgeschneiderten Echthaarperücken würden sie ihr natürliches Aussehen zurückbekommen.

Sieben Zöpfe haben die beiden Friseurinnen inzwischen angesammelt. Als erste hatte sich eine neunjährige Schülerin für die Aktion von ihren langen Haaren getrennt. Die Zöpfe schicken die Friseurinnen zum Perückenhersteller. „Wir bewerten jeden Zopf einzeln nach Länge, Gewicht, Farbe, Haarstruktur und -qualität“, erläutert Max Rieswick. Der Wert der Haare, bis zu 130 Euro, werde dann als Geldspende an die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Kinderkrebshilfe überwiesen. „Im vergangenen Jahr waren dies 70000 Euro“, sagt der Junior des Familienunternehmens, das seit über 100 Jahren Perücken fertigt. Die Haare werden geprüft, gereinigt, getrocknet. Sechs bis sieben Zöpfe sind für eine Perücke nötig, für die die Macher bis zu 250 Arbeitsstunden benötigen. „Niemand sieht, dass es eine Perücke ist“, erklärt Max Rieswick das Credo der Manufaktur.

Die Hersteller legen Wert auf europäisches Haar, das sich in seiner Struktur sehr vom schwarzen, dicken asiatischen und indischen Haar unterscheide. „In Europa finden wir mehr Farben, von glatt bis lockig viele Varianten“, sagt Rieswick. „Und wir wollen ja die beste Frisur, die muss zum Kunden passen.“ Doch solche Perücken sind teurer, übersteigen die Krankenkassenzuschüsse. „Deshalb stellen wir nur die Herstellungskosten in Rechnung, die Haare sind ein durchlaufender Posten. So ist es eine Doppelspende, die Kunden und Friseure leisten“, betont Rieswick.

Täglich kommen Päckchen mit Zöpfen aus ganz Deutschland im Münsterland an. Gefragt sind alle Haare, ob Natur, gefärbt, blondiert, mit einer Länge ab 25 Zentimeter. „Es ist nicht viel Arbeit, doch es macht Spaß und hat Sinn“, werben die Sanitzer Friseurinnen für die Aktion. „Vielleicht machen ja noch weitere Kollegen mit“, sagt Nicole Zedler. Weitere Kundinnen haben jedenfalls schon Interesse.

Europäisches Haar gefragt

200 000 Haare sind für eine Perücke notwendig. Die echten Haare für das Zweithaar stammen von Menschen aus verschiedenen Regionen und Ländern und haben je nach Herkunft ganz unterschiedliche Strukturen. Am häufigsten werden Haare aus China bzw. Asien verwendet, gefolgt von indischem Haar, europäischem und kaukasischem Haar. Als wertvollstes Echthaar für Echthaarperücken in Europa gilt das europäische Echthaar selbst, denn es entspricht der eigenen Haarstruktur.

Info: www.haare-spenden.de

Doris Kesselring

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Autotest
Der neue Volvo XC 60 steht in den Startlöchern. Der Geländewagen legt besonderen Wert auf Sicherheit.

Von wegen, die Wikinger sind Gesellen mit dicken Bäuchen und rauen Sitten. Mit dem neuen XC60 beweist Volvo das Gegenteil. Die Schweden stellen einen eher filigranen Geländewagen auf die Räder. Der sieht nicht nur anders aus als die Konkurrenz - er fährt auch so.

mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Benjamin Barz ? Ostsee-Zeitung Hilfe Aktion Wohltaetigkeit Teaser der den User auf die Seite "Helfen bringt Freude" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Helfen bringt Freude“ 2015-11-30 de Aktion Helfen bringt Freude Seit 27 Jahren engagieren sich unsere Leser zusammen mit der OZ für sozial schwache Familien, Kinder sowie gemeinnützige Projekte in Mecklenburg-Vorpommern. Wie Sie in diesem Jahr helfen können, erfahren Sie hier.
Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Doberaner Handballer feiern den ersten Auswärtserfolg

Johannes Spitzner trifft beim 29:27-Erfolg in Brandenburg zehnmal / Torhüter Sebastian Prothmann gibt sein Comeback