Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -1 ° Regen

Navigation:
Zu dicht, zu laut, zubetoniert: Anwohner lehnen Kita-Pläne ab

Groß Klein Zu dicht, zu laut, zubetoniert: Anwohner lehnen Kita-Pläne ab

Projektleiter des geplanten Neubaus stellen sich den Fragen und Sorgen der Anwohner / Bauantrag für die neue Kindertagesstätte wurde eingereicht

Voriger Artikel
27-Jähriger aus MV zieht im TV blank
Nächster Artikel
Erster großer Herbststurm fegt durch MV

Achim Teske kennt die Fläche der Heimstiftung seit seiner Kindheit und ist darüber besorgt, was hier entstehen soll. Fotos (3): Johanna Hegermann

Groß Klein. Klein trifft Groß, Jung trifft Alt, Kinder treffen Senioren – so lautet das einfache Prinzip des gemeinsamen Projekts der Rostocker Heimstiftung und des Instituts für Lernen und Leben (ILL). Denn auf dem Grundstück am Pflegewohnpark in Groß Klein soll nach aktuellen Plänen eine Kita entstehen. Gerade Anwohnern geht das gegen den Strich. Daher haben sie ein Treffen mit der Heimleitung und dem ILL gefordert.

„Das ist doch alles Augenwischerei“, sagt Achim Teske. Er ist der schärfste Kritiker des Projekts. „In Groß Klein gibt es so wenig Grünflächen und jetzt soll wieder eine einem Betonklotz weichen“, so der 39-Jährige. Er versichert, dass sich der Protest nicht gegen die Kinder richte. „Wir haben absolut nichts gegen Kinder, und wir wissen auch, dass Kita-Plätze benötigt werden“, beschwichtigt Teske. Doch er könne sich nicht erklären, warum dafür der Park planiert werden müsse. „Den Kleinen bringt es doch nichts, wenn sie auf Beton gucken müssen“, sagt er erbost.

Arno Wiegand, Immobilien-Experte beim ILL, versucht zu beruhigen. „Wir wollen, dass so viel Grün wie möglich erhalten bleibt“, sagt der Bereichsleiter für Zentrales Immobilienmanagement. Schließlich sei das Blätterdach ein natürlicher Sonnenschutz für die Kinder. Doch Baumfällungen seien nicht ausgeschlossen. „Wie viele Bäume weichen müssen, können wir noch nicht sagen. Es wurde noch nicht gezählt“, sagt Wiegand.

Das kann Teske so nicht stehen lassen. „Ich bin mit den Bäumen aufgewachsen und jetzt sollen sie gefällt werden“, sagt er betrübt. Das sei keine simple Grünfläche, sondern ein Park. „In Warnemünde gäbe es auch Protest, wenn man den Kurhauspark bebauen würde“, ist sich der Kritiker sicher. Die Heimstiftung sei seiner Meinung nach nur zu „faul“, den Park zu verwalten und zu pflegen.

Das sieht Dörte Holzke jedoch ganz anders. „Wir haben die Fläche so gepflegt, wie es notwendig war. Aber das gesamte Gelände hat sich entwickelt“, entgegnet die Geschäftsführerin der Rostocker Heimstiftung. Schließlich wurde der Bereich zu DDR-Zeiten ganz anders genutzt. „Das hier war ein Feierabendheim für Menschen im frühen Rentenalter“, erinnert Holzke. Für die jetzigen Heimbewohner des Pflegewohnparks sei der Bereich nur noch eingeschränkt oder gar nicht nutzbar. „Wir haben das umliegende Gelände immer mehr an ihre Bedürfnisse angepasst.“

Teske zweifelt daran, dass sich die rund 320 Bewohner des Pflegewohnparks wirklich über ihre neuen Nachbarn freuen würden. „Die werden sich bedanken, wenn da auf einmal die Kinder sind. Sie wollen doch eher ihre Ruhe“, holt Teske erneut aus. Immerhin sollen 36 Krippen- und 60 Kindergartenkinder dann in dem eingeschossigen Bau betreut werden. „Das ist für uns kein Thema. Kinderlärm ist kein Lärm“, betont Beate Arndt vom ILL.

„Es war eine aufschlussreiche Veranstaltung. Wir haben uns jetzt das erste Mal zusammengesetzt und konnten den Anwohnern einige Ängste nehmen“, resümiert Holzke zum Abschluss. Andere Anwohner hätten vor allem befürchtet, dass eine 24-Stunden-Kita entstehen würde. „Das ist nicht in unserem Sinne, und das ist auch nicht geplant“, sagt Beate Arndt. Auch dass das Gebäude nur eingeschossig gebaut werde, wurde positiv aufgenommen. Und zu den anliegenden Häusern würden, „die Bebauungsgrenzen mehr als notwendig eingehalten“, wirft Holzke erneut ein.

„Wir freuen uns nach wie vor auf das Projekt“, betont Arndt. „Auch auf die Kooperation zwischen Jung und Alt“, fügt Dörte Holzke hinzu. Jetzt sei erst einmal Warten angesagt. „Wir hoffen, dass der Bauantrag, den wir vor kurzem eingereicht haben, genehmigt wird, damit wir zeitnah beginnen können“, so Wiegand. Dann stehe nichts mehr dagegen, dass die Kita am 1. Januar 2018 offiziell eröffnet werde. Erste Anfragen von Eltern habe es bereits gegeben.

Am 1. Januar 2018 könnte die Kita eröffnet werden

96 Kita- und 15 neue Arbeitsplätze sollen in der neuen Kindertagesstätte des Instituts für Lernen und Leben (ILL) auf dem Geländer der Rostocker Heimstiftung entstehen.

Die Bauzeit wird voraussichtlich sechs bis sieben Monate dauern. Läuft alles nach Plan, soll die Kita am 1. Januar 2018 offiziell eröffnet werden.

1,65 Millionen Euro investiert das ILL in den eingeschossigen Neubau. Ein Drittel der Kosten sollen durch das Krippenausbauprogramm des Bundes gefördert werden.

Johanna Hegermann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Grevesmühlen

Polizei schlichtet Familienstreit in Grevesmühlen

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Rostock

Vor 25 Jahren wütete vor dem Sonnenblumenhaus der Mob. Vier Tage lang flogen Steine und Brandsätze gegen Flüchtlinge, Vietnamesen und Polizeibeamte. Die Anwohner applaudierten. Der Ausnahmezustand überforderte alle – Politik, Polizei und auch die Presse.

Hier finden Sie eine Multimedia-Reportage zum Thema. mehr

Benjamin Barz ? Ostsee-Zeitung Hilfe Aktion Wohltaetigkeit Teaser der den User auf die Seite "Helfen bringt Freude" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Helfen bringt Freude“ 2015-11-30 de Aktion Helfen bringt Freude Seit 27 Jahren engagieren sich unsere Leser zusammen mit der OZ für sozial schwache Familien, Kinder sowie gemeinnützige Projekte in Mecklenburg-Vorpommern. Wie Sie in diesem Jahr helfen können, erfahren Sie hier.
Verlagshaus Rostock

Richard-Wagner-Straße 1a
18055 Rostock

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
9.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Andreas Meyer
Telefon: 03 81 / 36 54 10
E-Mail: rostock@ostsee-zeitung.de

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

OZ-Bild
Doberaner Handballer feiern den ersten Auswärtserfolg

Johannes Spitzner trifft beim 29:27-Erfolg in Brandenburg zehnmal / Torhüter Sebastian Prothmann gibt sein Comeback