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Zu wenig Hebammen: Geburtenzahlen überfordern

Stadtmitte Zu wenig Hebammen: Geburtenzahlen überfordern

Mehr als 3000 Geburten bis zum Jahresende erwartet / Geburtshelfer kommen kaum hinterher / Experten empfehlen frühe Suche

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Hebamme Claudia Süpner vom Geburtshaus am Vögenteich untersucht ihre schwangere Tochter Johanna Süpner. FOTO: JOHANNA HEGERMANN

Stadtmitte. Rostocks Hebammen sind überlastet. Nicht nur steigende Versicherungskosten und andauernde Verhandlungen mit den Gesetzlichen Krankenkassen beschäftigen die Geburtshelfer, sondern auch die hohe Nachfrage in der Hansestadt. „Es ist ein sehr schöner Beruf, aber die Situation ist schwierig“, sagt Sigrid Ehle, die Vorsitzende des Landes-Hebammenverbands.

„Es ist ein schöner Beruf, aber die Situation ist schwierigSigrid Ehle Hebammenverband

22 Hebammen in Rostock sind Mitglied im Landesverband. Vier von ihnen haben eine Ausbildung zur Familienhebamme. Es gibt zwei Geburtshäuser in der Stadt.

Lediglich 22 Verbandsmitglieder gebe es in Rostock. „Vereinzelte Kollegen sind zusätzlich im Berufsverband der Freiberuflichen“, so Ehle. Doch die Zahl sei nicht hoch genug, um den Bedarf zu decken.

Das weiß auch Claudia Süpner aus dem Geburtshaus am Vögenteich. „Wir müssen jede Woche etwa fünf Frauen abweisen“, sagt die 45-Jährige. Dabei sei man jedoch stets bemüht, Ersatz zu finden. „Wir sind in der Stadt gut vernetzt“, sagt auch Hebamme Kathrin Herold.

Zahl der Geburten steigt

Doch die Geburtenzahlen in Rostock steigen. Allein bis zum 31. Oktober sind mehr als 2200 Kinder im Klinikum Südstadt zur Welt gekommen. Auch am Geburtshaus im Vögenteich gibt es Zuwachs. „In diesem Jahr waren es schon 64 Geburten. Für November sind elf geplant und für Dezember sogar 15 weitere“, sagt Claudia Süpner. Damit werden die 76 Geburten vom Vorjahr noch übertroffen. „Der derzeitige Geburtenzuwachs kann von den Hebammen in Rostock nicht abgedeckt werden“, lautet das Urteil von Kathrin Herold. „Die Suche wird schwerer und man muss immer früher anfangen und hartnäckiger sein.“ Das bestätigt auch Michaela Skott von der Eltern-Initiative „Mother Hood“: „Wir empfehlen, eine Hebamme zu suchen, sobald die Schwangerschaft festgestellt wird. Also etwa ab der 4. Woche.“ Wenn ein Frauenarzt circa in der 20. Woche die Suche nach einer Hebamme empfehle, sei es meist zu spät.

„Die Frauen nehmen immer häufiger Unterstützung in Anspruch, denn die derzeitige Generation ist bei dem Thema sehr verunsichert“, sagt Sigrid Ehle. Darauf habe jede Frau auch ein Recht. Doch auch sie muss fast jeden Monat Anfragen ablehnen. Denn es geht nicht allein um die Geburt, sondern auch um Vor- und Nachsorge. Die Aufgaben der Hebammen sind breit gefächert: Vorbereitungskurse, Beratungen bis hin zu Wochenbettbetreuungen. Einen Zusammenhang zu der hohen Nachfrage nach Hebammen sieht Ehle auch in der medizinischen Entwicklung. „Früher sind Mütter nach der Geburt rund fünf bis sieben Tage im Krankenhaus geblieben“, sagt Ehle. Da konnte die Unsicherheit der ersten Tage in der Klinik abgefangen werden. Heute seien es nur etwa drei Tage, auch bei Kaiserschnitten nicht viel länger.

Hohe Kosten, geringe Bezahlung

„Eine Zusatzbelastung sind die laufenden Verhandlungen“, sagt Sigrid Ehle. Denn der Deutsche Hebammenverband verhandelt mit dem GKV, dem Verband der Gesetzlichen Krankenversicherung, um den Leistungskatalog anzupassen. „Bezahlt werden Hebammen von der Krankenkasse“, erklärt die Schwerinerin. Momentan würden etwa zwei Drittel der Einnahmen einer Hebamme unter anderem für Haftpflichtversicherungen und Betriebsausgaben draufgehen. Von 2002 bis 2016 haben sich die Kosten für Haftpflichtversicherung mehr als verzehnfacht. Inzwischen muss eine Hebamme, die freiberuflich Geburtshilfe anbietet, mehr als 6800 Euro nur für ihre Berufshaftpflichtversicherung bezahlen. Auch Hebamme Kathrin Herold kennt einige Kollegen, die ihre Berufsfelder eingeschränkt oder ihre Arbeit eingestellt haben. Viele hätten auch versucht, ins Angestellten-Verhältnis zu wechseln.

Nachwuchs fehlt im Beruf

Die angespannte Stimmung mache sich beim Hebammen-Nachwuchs bemerkbar. „Jeden Monat gibt es deutschlandweit zehn bis zwölf Gesuche von Kliniken“, sagt Claudia Süpner. Auch im Klinikum Südstadt sei es schwieriger geworden, freie Stellen zu besetzen und ausgebildete Hebammen zu halten. „Bundesweit und auch darüber hinaus gibt es attraktive Angebote“, sagt Klinik-Sprecher Birger Birkholz. Hier arbeiten derzeit 31 Hebammen. „Wir haben in den vergangenen Jahren wegen der leicht steigenden Geburtenzahlen die Stellen immer wieder erweitert.“

Dass der Beruf irgendwann aussterbe, könne sich Hebamme Kathrin Herold nicht vorstellen. „Wir finden schon eine Lösung. Vielleicht müssen wir für die Zukunft neue Konzepte entwickeln.“

Johanna Hegermann

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