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Region Rostock Bäderregelung Ergebnis von Lobby-Arbeit?
Region Rostock Bäderregelung Ergebnis von Lobby-Arbeit?
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18:26 14.01.2019
Rainer Scholz verkauft Handschuhe im Mare Baltic. Das Geschäft erwartet Einbußen durch die neue Bäderregelung. Quelle: Johanna Hegermann
Rostock

Die neue Bäderverkaufsregelung soll voraussichtlich ab Frühjahr in Kraft treten. Doch die Kritik daran reißt nicht ab. Auch in Warnemünde ärgern sich die Händler über den Kompromiss.

Arbeitsplätze in Gefahr

Sechs Sonntage, die bisher offen für den Verkauf waren, fallen im Ostseebad nun weg. Auch Marcel Müller, Filialleiter des Bugatti-Store, findet das bitter. Gerade der Monat im Frühjahr werde den Geschäften fehlen. „Die Saison beginnt hier im März.“ An diesen Sonntagen würde viel Geld verloren gehen. „Mit den Umsatzeinbußen hätte das Ein- oder andere Unternehmen eine Teilzeitkraft finanzieren können.“ Müller ist sich sicher, dass einige Geschäfte nun beim Personal sparen müssen.

„Das wird uns noch voll auf die Füße fallen“, sagt Burkhard Rohde von Mare Baltic. Auch er sieht, dass die neue Bäderverordnung eine Gefahr für feste Arbeitsplätze ist. „Die Basis der saisonverlängernden Maßnahmen ist die Sonntagsöffnung.“ Er ist der Meinung, dass viele Vollzeitstellen, dann in Teilzeit- oder Stundenkräfte umgewandelt werden müssen.

Profitieren Großkonzerne?

„Das ist kein Kompromiss. Das ist das Resultat intensiver Lobby-Arbeit von Großbetrieben und geht gegen den kleinen, attraktiven Mittelstand“, sagt Rohde erbost. Es sei unverständlich, dass Orte wie Rövershagen in die Bäderregelung aufgenommen werden. „Nur weil dort Karls Erlebnis-Dorf und Kaufhaus Stolz stehen. Ich habe eigentlich nichts gegen große Konzerne, nur wenn sie ständig bevorteilt werden.“ Er stößt sich vor allem an der Aufhebung der Flächenbegrenzung. „Das hat bisher den Mittelstand stabil gehalten“, sagt der Unternehmer. In der bisherigen Bäderregelung durften Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von mehr als 1500 Quadratmetern nicht an Sonntagen öffnen. Nun wird diese Klausel entfernt. „Die Tagestouristen kommen doch wegen des florierenden, abwechslungsreichen Einzelhandel.“ Er befürchtet, dass nun die Tore für Einkaufszentren oder Outlet Stores geöffnet sind. „Die können die Rendite von den Sonntagen dann gleich mitnehmen.“

Den Vorwurf der Lobbyarbeit weist Robert Dahl von Karls Erlebnis-Dorf zurück. „Gilt jetzt schon jeder Brief, jede Beschwerde, jedes Telefonat, das ich geführt habe als Lobbyarbeit?“, sagt er verständnislos. Jeder Händler habe das Recht, dies zu tun – „auch in Warnemünde“. Dahl setze sich seit Jahren für die Bäderregelung ein, die in dieser Zeit mehrfach auf der Kippe stand. „Es ist ein Existenzkampf.“

Dass in Rövershagen zukünftig sonntags geöffnet werden darf, empfindet er mehr als fair. „Karls in Rövershagen ist das am stärksten frequentierte Ausflugsziel in MV. Wir haben hier mehr Besucher als auf dem Kreidefelsen auf Rügen“, sagt Dahl. Er glaubt, dass auch Warnemünde davon profitiert, wenn einige Familien extra nach MV fahren, um das Erlebnis-Dorf zu besuchen. „Wir profitieren ja auch von Warnemünde.“ Dass Bad Doberan aus der Regelung ausgeschlossen ist, findet er hingegen sehr schlimm. „Ich glaube, dass wir in MV am stärksten sind, wenn für alle diese Sonderöffnungszeiten gelten und das möglichst ausgedehnt.“

„Es ist eine Regelung, bei der jeder Federn lassen muss. Das ist nun mal ein Kompromiss“, betont Matthias Baumgart von Verdi, der an den Verhandlungen um die neue Bäderverordnung teilgenommen hat. Dass die Flächenbegrenzung getilgt wurde, sei ein herber Schlag gewesen. „Wäre es nach mir gegangen, hätten wir die Begrenzung sogar verkleinert“, sagt der Verhandlungsführer. „Es ist ein bitterer Wermutstropfen, den wir schlucken müssen. Das war nicht unser Ziel, aber jetzt sind wir einverstanden.“

Dahl will sich weiter einsetzen

Zufrieden ist auch Dahl mit dem neuen Entwurf nicht. „Ich finde es nicht gut, dass in MV nicht jeder Händler sein Geschäft aufmachen kann, wenn er es will“, kritisiert der Unternehmer. In vielen anderen Bereichen sei Sonntagsarbeit ganzjährig selbstverständlich. „Ausgerechnet Einzelhändler dürfen das nicht. Uns will man verbieten, unseren Job zu machen. Das ist nicht ok.“ Darunter würde die ganze Region leiden. „Letztendlich profitieren Onlineshops davon, wenn man woanders nicht einkaufen kann.“ Er will daher nicht ruhen und weiter versuchen, Kirchen oder Gewerkschaften von der Idee zu begeistern. Schließlich sei kein Mitarbeiter schlechter gestellt, wenn es Freizeitausgleich und Feiertagszuschlag gebe.

Kaufhaus Stolz will sich erst in den nächsten Tagen ausführlich zu dem Thema äußern.

Johanna Hegermann

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