Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Reisereporter 150 Jahre Kanada: Eisenbahnhotels als Ikonen eines Landes
Reisereporter 150 Jahre Kanada: Eisenbahnhotels als Ikonen eines Landes
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
04:58 15.08.2017
Besondere Reise: Die Fahrt mit dem „The Canadian“ von Toronto nach Vancouver dauert knapp vier Tage. Quelle: Via Rail Canada/dpa-Tmn
Banff

Es ist ein trüber Herbstmorgen irgendwo in den weiten Wäldern der kanadischen Rocky Mountains. Bärtige Männer in Anzügen und schwarzen Zylinderhüten stehen auf matschigem Boden.

Einer der Männer, der Bankier Donald A. Smith, greift zum Hammer und rammt den letzten Nagel in die Holzschwelle. Geschafft. Die transkontinentale Eisenbahn ist fertig.

Kanada

Roberto Garito erzählt die Episode mit einer Inbrunst, als hätte sie sich erst gestern zugetragen. „Der letzte Nagel war wie die Geburtsstunde unserer Nation, denn er brachte die Siedler im Westen in den Schoß der kanadischen Familie“, erklärt er.

Garito arbeitet als Gästeführer im „Banff Springs Hotel“. Das Schlosshotel im Banff Nationalpark liegt nur ein paar hundert Kilometer vom Ort des Brückenschlags entfernt und gilt als das berühmteste von mehreren Eisenbahnhotels, mit denen die Canadian Pacific Railway nach der Fertigstellung der transkanadischen Strecke neue Siedler und Touristen in das Land bringen wollte.

Garitos Touren sind gefragt, denn Kanada feiert in diesem Jahr 150. Geburtstag, und die legendären Eisenbahnhotels wie das „Banff Springs“ verkörpern die Geschichte des Landes wie nur wenige Monumente. Mehr als ein Dutzend Chalets, Resorts oder Stadthotels hatten die Bahnmanager zwischen Atlantik und Pazifik bauen lassen, um die Vision einer Nation, die von Küste zu Küste reicht, zu verwirklichen. Manche Hotels wurden geschlossen, viele aber stehen noch und gelten heute als Ikonen Kanadas.

In Québec City im Osten checkten die ersten Trans-Kanada-Reisenden einst im majestätischen „Chateau Frontenac“ ein, bevor sie sich auf ihre 5500 Kilometer lange Bahnfahrt über den Kontinent machten. Das Hotel, 1893 eröffnet, thront bis heute wie eine Trutzburg über der historischen Altstadt von Québec, die zum Weltkulturerbe gehört.

Im Hotel selbst rühmt man sich der vielen prominenten Gäste, die hier abgestiegen sind. „Hier wimmelte es nur von VIPs“, erzählt Tourguide David Mendel. Winston Churchill und Theodore Roosevelt stimmten 1943 unter dem ikonischen grünen Hoteldach ihre Strategien im Zweiten Weltkrieg ab. Alfred Hitchcock und Paul McCartney nächtigten dort.

Via Rail

In Vancouver angekommen wurden Gäste gewöhnlich von Männern wie David Reid empfangen. Reid arbeitet als Concierge im „Hotel Vancouver“, dem ältesten Stadthotel der Canadian Pacific Railway in Kanada. Eröffnet wurde es zwei Jahre nach dem historischen Brückenschlag, und nach mehreren Umzügen beherbergt es seine Gäste heute in der Innenstadt gegenüber der Vancouver Art Gallery.

Notch 8

Eisenbahnhotels in Kanada

Anreise: Lufthansa, Air Canada und Condor fliegen mehrere Ziele in Kanada direkt an, unter anderem Montréal, Toronto und Vancouver.

Einreise: Bürger aus den EU-Staaten benötigen zur Einreise nach Kanada die neue elektronische Einreisegenehmigung eTA. Sie muss vor der Reise im Reisebüro oder online beantragt werden.

Via Rail: Das Unternehmen bietet Fahrten auf Teilen der historischen Trans-Kanada-Route der Canadian Pacific Railway an. Der Zug „The Canadian“ verbindet Toronto mit Vancouver und fährt im Winter zwei Mal, im Sommer drei Mal die Woche. Die Fahrt dauert knapp vier Tage.

Fairmont Hotel & Resorts: Bahnfans können zum 150. Geburtstag Kanadas Sonderreisen mit dem „Canadian“ inklusive Übernachtungen in ehemaligen Eisenbahnhotels buchen.

Banff Springs Hotel: Führungen durch die historischen Räumlichkeiten des „Banff Springs“ finden jeden Tag um 13.00 Uhr statt und sind für Hotelgäste kostenlos. Treffpunkt ist die Heritage Hall.

Chateau Frontenac: Cicerone Tours bietet im Sommer mehrmals täglich historische Hotelführungen in Englisch oder Französisch an. Sie dauern eine Stunde und kosten 17,40 Kanadische Dollar (rund 11,70 Euro) pro Person. Treffpunkt ist die Terrasse Dufferin vor dem Hotel.

Hotel Vancouver: Im „Hotel Vancouver“ erinnert unter anderem das Restaurant „Notch 8“ an die Zeit der großen Eisenbahnreisen. Heute ist es auf Spezialitäten der Nordwestküste spezialisiert.

dpa/tmn

Mehr zum Thema

Vor 15 Jahren bricht eine Jahrhundertflut über Prag herein. Am schlimmsten trifft es den Stadtteil Karlin. Nach der Katastrophe hat sich der Bezirk verwandelt.

10.08.2017

Sonnig und sehr heiß. Die Menschen in Griechenland leiden seit Tagen unter einer Hitzewelle, bei der auch nachts die Temperaturen nicht unter 30 Grad sinken. Eine Art „Hölle im Urlaubsparadies“.

10.08.2017

Hohe Verkaufszahlen, volle Plätze: Campen mit Wohnwagen oder Reisemobil ist der neue Urlaubstrend

11.08.2017

Während der Tourismus in der östlichen Ägais im Zuge von Wirtschafts- und Flüchtlingskrise um bis zu 30 Prozent eingebrochen ist, kann sich eine kleine griechische Kykladen-Insel vor Besuchern kaum retten. Wird Paros das neue Mallorca? Ein Paradies zwischen Neuerfindung und Identitätsverlust.

19.07.2017

In der abgeschiedenen Wildnis in Schwedens Norden serviert Magnus Nilsson seine „Signature-Dishes“. Diese reichen vom Carpaccio vom rohen Rinderherz bis zum Kuchen aus Pinienrinde.

03.02.2017

Hier verrät das Topmodel seine Geheimtipps für eine der angesagtesten Reisedestinationen 2017.

02.02.2017