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Reisereporter 50 Jahre „Summer of Love“ - Hippies feiern in San Francisco
Reisereporter 50 Jahre „Summer of Love“ - Hippies feiern in San Francisco
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10:12 16.05.2017
Die Fassade des Hauses in der Haight Street ruft Erinnerungen an den Hippie-Sommer 1967 wach. Quelle: Barbara Munker/dpa
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San Francisco

Sie nennen sich Orange, Pink, Yellow und Grey: In Batikhemden und bunten T-Shirts, mit Rucksäcken, Gitarren und Hunden sitzen sie an einer Straßenecke auf der Haight Street im alten Hippie-Viertel von San Francisco.

„Wir schlafen im Golden Gate Park, machen Musik und rauchen Pot“, erzählt der 20-jährige Orange aus dem US-Staat Minnesota. „So viel Liebe wie hier haben ich nirgendwo sonst gefunden“, sagt der junge Aussteiger strahlend. „Die Leute helfen sich hier gegenseitig, wir sind alle Freunde“, pflichtet Pink (21) aus Oklahoma bei, seine Finger zum Peace-Zeichen gespreizt.

Für einige ist es immer noch der „Summer of Love“, 50 Jahre nach dem Massenansturm von Blumenkindern, die aus allen Teilen Amerikas gen Westen zogen, auf der Suche nach Frieden, Liebe, Drogen und Musik, als Protest gegen den Vietnamkrieg und die starren Normen der Gesellschaft.

Die Alt-Hippies der historischen Flower-Power-Bewegung von 1967 sind in die Jahre gekommen, aber es gibt sie noch. Ann Cohens lange weiße Haare wehen über ihr buntes Batikkleid. Mit 69 Jahren hält die Künstlerin an den Idealen von damals fest. 1966 war sie von Los Angeles in die Nähe von San Francisco gezogen. Ihren Büstenhalter habe sie auf Haight Street für immer abgelegt, erzählt Cohen mit einem verschmitzten Lächeln.

Die Hippie-Philosophien hätten ihr Leben völlig verändert. „Es war der Keim für so viele Bewegungen, für den Umweltschutz, für gesundes Leben, für Gemeinschaft und gegenseitige Hilfe“, sagt Cohen. In ihrer kleinen Wohnung in North Beach, dem alten Revier der Beatnik-Bewegung, zeigt sie stolz auf die Original-Ausgaben der „Oracle“-Untergrundzeitung. Ihr späterer Ehemann, der Dichter Allen Cohen (1940-2004), hatte die psychedelische Heftserie 1966 herausgebracht. Es war die Bibel der Hippie-Bewegung, mit Beiträgen von Schriftstellern und Denkern wie Allen Ginsberg und LSD-Guru Timothy Leary.

Sunshine „Sunny“ Powers
Veranstaltungen

Es gibt Summer-of-Love-Stadtrundfahrten in bunt angemalten alten VW-Bussen, auch der 50. Jahrestag der Hippie-Hymne „San Francisco (Be Sure to Wear Flowers in Your Hair)“ von Scott McKenzie wird zelebriert.

Ein nostalgisches „High“ zieht mit Rauchschwaden von Marihuana durch die Westküstenmetropole. Doch hinter der Fassade haben Obdachlosigkeit und Suchtprobleme die Love- und Peace-Träume längst eingeholt. Schon im Herbst 1967 hatten Hippies den „Summer of Love“ in einem symbolischen Trauerzug auf der Haight Street zu Grabe getragen. Das Szene-Viertel war hoffnungslos überlaufen, die Gegenkultur der Blumenkinder geriet durch Negativ-Schlagzeilen über Vergewaltigungen, Drogentote und Diebstähle unter Druck.

Obdachlosigkeit zählt heute zu den größten Problemen im Viertel Haight Ashbury. Mit San Franciscos Tech-Boom explodieren auch die Mietpreise in dem Alternativ-Viertel mit den verschnörkelten viktorianischen Häusern. Für eine reiche Stadt wie San Francisco sei es „extrem beschämend“, dass rund 500 junge Menschen auf der Straße lebten, lamentiert Powers. Sie ist Mitbegründerin der Hilfsorganisation „Taking it to The Streets“, die obdachlosen Jugendlichen Jobs und Unterkünfte beschafft.

Haight Ashbury Free Clinic

„Diese Nachbarschaft hat immer noch den Hippie-Geist von damals, man hilft sich eben“, meint Powers. Trotz aller Veränderungen, mit teuren Boutiquen, luxusrenovierten Häusern und Szene-Restaurants mit veganer Küche. Dazwischen finden sich weiterhin die „Smoke Shops“ mit Wasserpfeifen, Tattoo-Läden und Second-Hand-Shops.

Doch auch in Powers' Hippie-Laden „Love on Haight“ sind die Preise gestiegen. Batik-T-Shirts, die man vor 50 Jahren billig selber färbte, sind jetzt gefragte, bis zu 100 Dollar teure Designer-Ware.

Alt-Hippie Ann Cohen setzt im Jubiläumsjahr des „Summer of Love“ auf einen kostenlosen Liebesbeweis. Mit Freundinnen hat sie T-Shirts und Tücher bunt gefärbt. Damit will sie in den nächsten Monaten durch Kalifornien und Oregon reisen. „Ich teile sie dann an Menschen aus, die mit Kreide ihre Vision darauf schreiben oder malen können“, erklärt Cohen. „Es tut dieser Welt gut, wenn wir kreativ und nett zueinander sind“.

dpa

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