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Reisereporter Ausspannen in der AfD-Hochburg? Touristiker sind alarmiert
Reisereporter Ausspannen in der AfD-Hochburg? Touristiker sind alarmiert
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13:01 28.04.2016
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Magdeburg

Fast jede vierte Stimme für die rechtspopulistische AfD - das Ergebnis der Landtagswahl hat auch die Tourismuswirtschaft in Sachsen-Anhalt aufgeschreckt.

Erste besorgte Anrufe und Mails gehen ein, Gäste fragen nach Konsequenzen. Wird das „Land der Frühaufsteher“ - so ein Werbeslogan - nun von Urlaubern gemieden?

Die Anspannung ist groß. „Wir haben die Befürchtung, dass weniger Touristen nach Sachsen-Anhalt kommen, weil sie aufgrund der instabilen politischen Verhältnisse ihre Reise absagen“, sagt der Chef des Tourismusverbandes, Lars Zimmer, im MDR. Eine Familie habe angekündigt, ihren Urlaub zu stornieren, weil Ehefrau und Kinder schwarz seien - und Angst hätten, sich noch frei bewegen zu können. „Das ist eine bedenkliche Entwicklung“, sagt Zimmer.

Wernigerode Tourismus GmbH

Erfahrungen mit einem Image-Schaden? Das sächsische Dresden kennt das bereits. Dort ging vergangenes Jahr die Zahl der Gäste-Übernachtungen gegen den Trend um drei Prozent auf 4,3 Millionen zurück. Das Dresdener Stadtmarketing sprach vom „Pegida-Effekt“ und einem Imageverlust wegen der fremdenfeindlichen Parolen, die jeden Montag in der Stadt skandiert werden. Dies habe eine Markenstudie ergeben. Bekommt Sachsen-Anhalt, dass im vergangenen Jahr mehr als 7,6 Millionen Gäste-Übernachtungen zählte, jetzt einen „AfD-Effekt“?

Bauhauses in Dessau

Die wichtigste Tourismusregion in Sachsen-Anhalt ist der Harz mit seinem Vorland, der sich auch auf Niedersachsen und Thüringen erstreckt. Dort gibt man sich noch gelassen. „Wir denken nicht, dass das große Auswirkungen haben wird“, sagt die Sprecherin des Harzer Tourismusverbandes, Christin Faust, in Braunlage. Denn: „Die Gäste denken an die Reiseregion Harz und nicht an Sachsen-Anhalt.“

Der Chef des Statistischen Landesamtes, Michael Reichelt, konnte zwar gerade erst einen Übernachtungsrekord für 2015 verkünden, ist jetzt aber vorsichtig. Das Beispiel Dresden zeige, dass es durchaus Folgen geben könne. Ob und wie sich der Erfolg der AfD auf die Tourismusbilanz auswirken werde, sei unklar. Die Branche erinnert sich auch noch an die schmerzhaften Einbrüche nach dem schweren Elbe-Hochwasser 2013. Auch damals hatten viele Touristen das Land pauschal gemieden - auch Regionen, die überhaupt nicht überschwemmt worden waren.

dpa

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