Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Reisereporter Ein Stück Franken im Osten: Unterwegs im südlichen Thüringen
Reisereporter Ein Stück Franken im Osten: Unterwegs im südlichen Thüringen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:12 03.08.2017
Sonneberg von oben: Ausblick vom Panorama-Wanderweg auf die Stadt. Quelle: Felicitas Wilke/dpa-Tmn
Anzeige
Sonneberg

Nur eine Europaflagge und ein Schild erinnern am ehemaligen Grenzübergang „Gebrannte Brücke“ zwischen Neustadt bei Coburg und Sonneberg daran, dass Deutschland hier einmal geteilt war. Die Mauer in den Köpfen dürfte nirgends so eingerissen sein wie an diesem Ort.

Sonneberg

Ungefähr 100 Jahre ist es her, dass fast jedes fünfte weltweit verkaufte Spielzeug aus Sonneberg kam. Den Reichtum aus der Zeit um die Jahrhundertwende und am Anfang des 20. Jahrhunderts sieht man der Stadt noch immer an.

Im Deutschen Spielzeugmuseum können Besucher heute nicht nur die erste Babypuppe der Welt sehen und Barbies bestaunen, sondern auch selbst spielen, an einer riesigen Murmelbahn zum Beispiel.

Unmittelbar hinter Sonneberg liegt der Frankenwald, auch Rennsteig und Thüringer Wald sind nicht weit entfernt. Auf der Grenzlandtour wenige Kilometer außerhalb des Stadtzentrums lässt sich die alte innerdeutsche Grenze auf dem heutigen Grünen Band entdecken.

In den Nachbarstädten sprechen die Menschen den gleichen Dialekt, lieben ihre Bratwürste und Klöße und begehen ähnliche Bräuche – die Kirchweihfeste zum Beispiel. „Die Gegend südlich des Rennsteigs ist schon lange fränkisch geprägt“, sagt Thomas Schwämmlein, Kreisheimatpfleger des Landkreises Sonneberg.

Als Deutschland geteilt wurde, unterdrückte das SED-Regime zunehmend die fränkischen Einflüsse und Traditionen. „Man gab eher verschämt zu, dass die Mundart hier fränkisch ist“, sagt Schwämmlein. Heute ist man sich wieder nah: Sonneberg ist die einzige Stadt außerhalb Bayerns, in die man mit dem Bayernticket der Bahn gelangt.

Bundesweit erlangte Sonneberg zuletzt Bekanntheit, weil die Stadt damit drohte, das Bundesland Thüringen zu verlassen und nach Bayern zu wechseln. Denn eine geplante Gebietsreform würde der Stadt ihren Status als Kreisstadt kosten – und Erinnerungen an DDR-Zeiten wecken: Damals gehörte die Stadt zum Bezirk Suhl. Viele Sonneberger hatten das Gefühl, „dass die kleineren Städte bluten müssen, damit die Bezirkshauptstadt glänzen kann“, wie Schwämmlein sagt.

Nicht nur wegen des dynamischen Sonnebergs lohnt sich eine Reise ins südliche Thüringen. Im Sommer können Besucher am Rennsteig auf Wegen wandern, die sich über fast 170 Kilometer erstrecken.

Auch Suhl, die von den Sonnebergern wenig geliebte ehemalige DDR-Bezirkshauptstadt, hat ihren Reiz, weil sich an ihr der Wandel nach der Wende gut nachvollziehen lässt. Wer von der Autobahn abfährt, entdeckt schnell die sozialistischen Hochhäuser. In der Innenstadt wechseln sich hübsche Rokokohäuser mit den Zweckbauten ab.

Von Suhl ist es nicht mehr weit bis Meiningen, das vor allem durch seine historische Innenstadt, die vielen Parks und das Staatstheater bekannt ist. Auch Meiningen ist fränkisch geprägt, doch die Mundart klingt anders als in Sonneberg: Beim hennebergischen Dialekt lassen die Menschen wie die Nachbarn in Unterfranken schon mal die letzte Silbe wegfallen. Fränkisch ist eben nicht gleich Fränkisch. Und Franken kann genauso gut in Thüringen liegen wie in Bayern.

Das südliche Thüringen

Anreise: Sonneberg liegt in der Nähe der Autobahn A 73 (Ausfahrt Neustadt bei Coburg) und ist mit dem Zug direkt an Nürnberg angebunden. Der nächste ICE-Bahnhof Lichtenfels liegt 35 Kilometer entfernt. Suhl liegt direkt an den Autobahnen A 71 und A 73, Meiningen an der A 71 zwischen Schweinfurt und Erfurt.

Informationen: Touristinformation Sonneberg, Bahnhofsplatz 3, 96515 Sonneberg, Tel.: 03675/70 27 11, E-Mail: tourismus@stadt-son.de.

dpa/tmn

Mehr zum Thema

Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit sinkt. Das hebt die Stimmung bei Verbrauchern und lässt die Tourismusbranche nach einem schwierigen Jahr 2016 hoffen.

31.07.2017

Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit sinkt. Das hebt die Stimmung bei Verbrauchern und lässt die Tourismusbranche nach einem schwierigen Jahr 2016 hoffen.

31.07.2017

Zerfallen wie Kuba, orientalisch wie Marrakesch, Traumstrände wie auf Mauritius: Die Insel Sansibar ist aus Jahren des Stillstands erwacht. Überall in der Altstadt wird gehämmert und gebaut, Stone Town glänzt wieder. Doch nicht alle sehen den Wandel positiv.

01.08.2017

Während der Tourismus in der östlichen Ägais im Zuge von Wirtschafts- und Flüchtlingskrise um bis zu 30 Prozent eingebrochen ist, kann sich eine kleine griechische Kykladen-Insel vor Besuchern kaum retten. Wird Paros das neue Mallorca? Ein Paradies zwischen Neuerfindung und Identitätsverlust.

19.07.2017

In der abgeschiedenen Wildnis in Schwedens Norden serviert Magnus Nilsson seine „Signature-Dishes“. Diese reichen vom Carpaccio vom rohen Rinderherz bis zum Kuchen aus Pinienrinde.

03.02.2017

Hier verrät das Topmodel seine Geheimtipps für eine der angesagtesten Reisedestinationen 2017.

02.02.2017
Anzeige