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Reisereporter In Amerikas Westen auf den Spuren der Indianer
Reisereporter In Amerikas Westen auf den Spuren der Indianer
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04:19 10.10.2017
Navajo-Frau Eula sitzt zwischen Kunsthandwerk in einem traditionellen Hogan - Touristen können die Produkte kaufen. Quelle: Bernd Kubisch/dpa-Tmn
Monument Valley
Utah
USA
Monument Valley
Navajo

Die Fahrzeuge der Touristen wirbeln an diesem Morgen in Monument Valley mächtig Staub auf. Auf der gekennzeichneten Hauptstrecke dürfen sie ohne Führer zwischen Felswänden und -zacken durch die Halbwüste kurven. Der Parkeintritt mit einem Auto und bis zu vier Personen kostet 20 US-Dollar. Das beliebteste Fotomotiv: West Mitten Butte, East Mitten Butte und Merrick Butte. Im 90-Grad-Winkel erheben sich die drei Tafelberge spektakulär aus dem Sand.

Harry Nez nimmt für die gut dreistündige Tour im Geländewagen auf teils versteckten Wegen 90 Dollar. Nicht ganz günstig, aber dennoch ein unvergleichliches Erlebnis. An einer Stelle bittet der Navajo darum, sich neben ihn auf eine Steinplatte zu legen. Blick nach oben in Richtung Felsgewölbe, das aussieht wie ein Adlerkopf. Durch ein kleines Loch strahlt es himmelblau - das Auge des Adlers.

Zwei Kilometer weiter grasen Schafe vor einer steilen Felswand. Zwischen Büschen stehen ein paar flache, schlichte Häuser aus Holz und Stein. Ein paar hundert Indianer leben in Monument Valley. In einem sogenannten Hogan empfängt eine Navajo-Frau in einem langen roten Kleid mit ihrem 18 Monate alten Sohn Lonni im Schoß die Gäste. Der Kuppelbau ist fensterlos, errichtet aus Baumstämmen und Lehm, mit Sandboden, Eingang in Richtung Sonnenaufgang. Die wenigsten der Navajo leben noch in solchen traditionellen Häusern.

Eula, Ende 20, sitzt zwischen Gemälden, Fotos, Wandteppichen, Pfeilspitzen und Schmuckstücken, die auch zu kaufen sind. „Der Tourismus hilft uns. Etliche Besucher sind einfühlsam, wissen, was unseren Vorfahren angetan wurde“, sagt die junge Frau.

Nevada
Arizona
Hualapai

Die nahe, aber längst geschlossene Tankstelle erinnert an glorreiche Route-66-Zeiten. Vor dem Walapai Market trinken junge Leute Cola und Kaffee. Alkohol wird in den meisten Reservaten nicht verkauft, auch nicht in der nahen „Hualapai Lodge“. Die gehört ebenso dem Stamm wie der Grand Canyon Skywalk, eine große Touristenattraktion mit gläserner Plattform und spektakulärem Blick in den Abgrund.

Weiter im Osten, in Flagstaff, füllen auch die Native Americans kistenweise Bier und Whiskey in den Kofferraum. Getrunken wird in den eigenen vier Wänden. Vielerorts sind Arbeitslosigkeit, auch Drogen- und Alkoholsucht verbreitet. Nach langer brutaler Verfolgung erhielten die Indianer Landrechte, Autonomie, begehrte Lizenzen für Kasinos und das Recht auf eigene Polizei und Justiz. Doch wenn eine Pipeline durch heiliges Stammesgebiet geplant ist, steht das Bundesrecht über dem der Reservate. Diese bittere Erfahrung haben schon etliche Stämme gemacht.

Arizona hat viel Brachland, einsame Landstraßen, Steppe, Weiden und Farmen, die Gebiete der Ureinwohner eingeschlossen. Die Bauweise auf dem Land ist meist schlicht. Zwischen Flagstaff und der Navajo-Gemeinde Tuba City endlich ein architektonisches Highlight: Wupatki und weitere historische Ruinen. Aus flachen Sandsteinblöcken haben hier im 12. und 13. Jahrhundert Anazasi und Sinagua sogar mehrstöckige Häuser und heiligen Stätten gebaut. Ein gelbgrüner Halsbandleguan huscht über eine historische Treppe. Heute noch ragen Mauern und hohe Fassaden aus der kargen Landschaft und erinnern an die Baukunst dieser inzwischen verschwundenen Völker.

Hopi

Die drei Mesa (Tafelberge) überragen das kleine Reservat, das komplett von Navajo-Land umschlossen wird. Ein paar Häuser sind noch im traditionellen Pueblo-Stil mit zwei, drei Stockwerken gebaut. „Wir sind ein kleines Volk der großen Künstler“, sagt Marilyn Fredericks in der Galerie Hopi Fine Arts ihrer Schwester Evelyn. Ihre Familie beherrscht noch die traditionelle Sprache der Hopi. Marilyn zeichnet schlichte Eleganz aus. Sie hat lange graue Haare mit schwarzem Band und trägt ein beiges Kleid.

Pow-Wow-Feste

Gallup in New Mexico wirbt schon lange erfolgreich um Touristen. Die freuen sich über die kleine Altstadt, indianische Wandmalereien sowie viele Restaurants, Hotels und Shops mit Kunsthandwerk der Ureinwohner. Das Kasino ist ein Schmelztiegel: Man sieht Indianer, Weiße, Schwarze, Latinos und ausländische Touristen. Eine besondere Attraktion: Jeden Sommerabend tanzen Indianer verschiedener Stämme gemeinsam auf dem Courthouse Square für Touristen.

Zuni

Das kleine Reservat der Zuni, ein Volk der Schmuckmacher, Flechter und Maler, liegt eine Autostunde südlich von Gallup. Im Ort Zuni Pueblo zeugen große Gemälde in kräftigen Farben auf Wänden und Mauern von Göttern, Helden, Tieren und Riten.

Canyon de Chelly

Auf dem Highway 15 geht es von Norden kommend zurück nach Las Vegas. Statt rot glühender Sandsteinfelsen leuchten hier die bunten Neonreklamen. In der Show- und Glückspielstadt warten wieder die Vergnügungen, die sich in jedem Reiseführer finden lassen.

Rundreise auf den Spuren der Indianer

Anreise und Route: Ausgangspunkte und Ziel der Reise im Westen der USA ist Las Vegas in Nevada. Flüge ab Deutschland gibt es mit einem Zwischenstopp etwa an der US-Ostküste. Stationen mit dem Mietwagen: Hoover Dam, Route 66 mit der Hualapai-Kommune in Peach Springs, Dörfer und Galerien der Hopi, die Navajo-Highlights Wupatki, Canyon de Chelly und Monument Valley, Gallup mit Ausflügen zu Zuni und Acoma. Vom Monument Valley über Grand Canyon nach Las Vegas zurück.

Reisezeit: Am besten von Frühjahr bis Herbst. Im Winter droht Schnee und Eis auf gebirgigen Straßen.

Einreise: Deutsche Urlauber brauchen kein Visum, müssen sich unter https://esta.cbp.dhs.gov aber eine elektronische Einreiseerlaubnis (Esta) besorgen. Sie kostet 14 US-Dollar und gilt zwei Jahre lang.

Praktische Tipps: Den Mietwagen in Deutschland reservieren, ein Zimmer nahe Monument Valley früh buchen und das in Las Vegas besser zwischen Montag und Donnerstag. Die gesamte Route (gut 2500 Kilometer) kann gemütlich in 14 Tagen absolviert werden. Wer mehr Indianerstämme sehen will, fährt auch in den Süden von Arizona mit den Apachen und anderen Stämmen sowie in die Metropole Phoenix.

Informationen: Arizona Office of Tourism c/o Kaus Media Services, Luisenstr. 4, 30159 Hannover, Tel.: 0511/899890-0, E-Mail: info@kaus.net.

dpa/tmn

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