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Reisereporter Was die Niki-Pleite für Reisende bedeutet
Reisereporter Was die Niki-Pleite für Reisende bedeutet
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22:22 14.12.2017
Nach der Pleite ist es für Niki-Kunden wichtig, ihre Rückreise richtig zu organisieren. Quelle: Marcel Kusch/dpa
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Berlin

Niki ist pleite, die Flugzeuge bleiben am Boden. Zehntausende Urlauber sitzen fest. Hundertausende haben noch Tickets für die kommenden Wochen und Monate. Was nun? Die wichtigsten Fragen und Antworten für Reisende im Überblick.

Wie komme ich bei einer Pauschalreise nach Hause?

Niki-Kunden

Wie schnell ein Veranstalter eine Ersatzverbindung findet, hängt vom Einzelfall ab. Wenn die Zeit drängt, sollten Pauschalurlauber nicht vorschnell selbst einen Ersatzflug buchen, rät der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Wer eine Rückreisemöglichkeit gefunden hat, sollte den Reiseanbieter auffordern, bis zu einer bestimmten Frist dieses Angebot auf dessen Kosten zu buchen. „Diese Fristsetzung ist sehr wichtig“, sagte Degott. Erst wenn der Veranstalter dann trotzdem nicht rechtzeitig aktiv wird, rät der Jurist, die Rückreise selbst zu buchen und Schadenersatzforderungen zu stellen.

Wie komme ich als Individualreisender nach Hause?

Wer keine Pauschalreise gebucht hat, sondern nur ein Niki-Ticket, muss sich grundsätzlich selbst um die Rückreise kümmern - auf eigene Kosten. Andere Fluggesellschaften wollen laut dem Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft aber einspringen und noch verfügbare Sitzplätze zu Sonderkonditionen anbieten.

Lufthansa

Der Ferienflieger Condor will Passagiere mit Niki-Ticket nach eigenen Angaben kostenfrei nach Deutschland zurückfliegen, soweit Sitzplätze verfügbar sind. Die Reisenden sollten sich dafür direkt an die Check-in-Schalter am jeweiligen Flughafen wenden.

Was ist, wenn ich jetzt nicht rechtzeitig zur Arbeit komme?

Dann gibt es wohl weniger Gehalt - aber eher keine Abmahnung oder gar eine Kündigung. Grundsätzlich haben Arbeitnehmer zwar die Pflicht, pünktlich zur Arbeit zu erscheinen, erklärt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Tun sie das nicht, gibt es für die versäumten Tage auch kein Geld. Arbeitsrechtliche Konsequenzen hat die Verspätung aber nur bei eigenem Verschulden - das ist bei einer plötzlich insolventen Airline nicht der Fall.

Wichtig allerdings: Berufstätige müssen dem Arbeitgeber rechtzeitig Bescheid sagen. Denn ein Verstoß gegen diese Informationspflicht kann tatsächlich arbeitsrechtliche Konsequenzen haben - bis hin zur Kündigung. Und: Arbeitnehmer müssen alles Zumutbare tun, um den Ausfall zu vermeiden. Eine teure Umbuchung auf eigene Kosten gilt aber nur in Ausnahmefällen als zumutbar. Ein solcher Ausnahmefall kann zwar auch die absehbare Insolvenz einer Airline sein - nicht aber eine überraschende Pleite wie jetzt bei Niki.

Was ist mit Niki-Tickets für die kommenden Wochen und Monate?

Fast alle von der Pleite der Air-Berlin-Tochter Niki betroffenen Passagiere sollen den gezahlten Flugpreis zurück erhalten oder werden umgebucht, wie Insolvenzverwalter Lucas Flöther mitteilte. Von den 410 000 noch nicht genutzten Tickets seien 210 000 über Reiseveranstalter gebucht und würden nun umgebucht.

Die Inhaber der rund 200 000 direkt bei Niki erworbenen Tickets erhalten laut Flöther ihr Geld voraussichtlich zurück – sofern sie nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin Mitte August 2017 erworben wurden. Dies gelte für Tickets mit Reisezeitraum bis Ende Oktober 2018.

Welche Rechte haben Pauschalreisende, die jetzt umgebucht werden?

Die Veranstalter finden nicht immer einen Ersatzflug am gleichen Tag für Passagiere, die noch in einer Niki-Maschine in den Urlaub fliegen wollten. Die Flugzeiten können sich ändern. Manchmal können Urlauber dann Geld zurückverlangen. Geht durch die Umbuchung des Fluges zum Beispiel ein Urlaubstag verloren, dürfen Pauschaltouristen den Reisepreis anteilig mindern. Wer bei einer einwöchigen Reise für 700 Euro all inclusive einen Tag verliert, dem stehen 100 Euro zu. Sind die neuen Flugzeiten extrem unzumutbar, können Pauschalurlaub unter Umständen sogar vor Abreise den Reisevertrag kündigen, zeigt ein Urteil des Amtsgerichts Köln (Az.: 133 C 265/15).

Bleibe ich meinen Hotelkosten sitzen?

Viele Individualreisende mit einem Niki-Flugticket dürften schon ein Hotel am Urlaubsort gebucht und bezahlt haben. Wenn sie nun nicht reisen können, sind sie auf die Kulanz der Herberge angewiesen. „Aber einen Rechtsanspruch gibt es nicht“, sagt Degott. Auf vielen Online-Portalen können Nutzer jedoch teils noch bis zum Anreisetag kostenlos stornieren - wenn sie vorher diese Option gewählt haben.

Muss ich jetzt trotzdem meine Ferienwohnung bezahlen?

Auch hier kommt es auf die Kulanz des Anbieters an. Verlangt dieser hohe Stornokosten, ist das sein gutes Recht. Anders sieht es aus, wenn die Wohnung oder das Ferienhaus bei einem Reiseveranstalter gebucht wurde. Denn bis Mitte 2018 fallen Ferienwohnungen und -häuser noch in die Absicherung des Pauschalreiserechts.

Kann ich meine Reiserücktrittsversicherung in Anspruch nehmen?

Eine Insolvenzabsicherung für Fluggesellschaften gibt es nicht. Und auch der Reisende selbst kann sich gegen ein solches Ereignis nicht versichern. „Die Reiserücktrittsversicherung greift nicht bei der Insolvenz einer Airline“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Sie kommt nur in Fällen wie Krankheit oder Arbeitslosigkeit für die Kosten einer abgesagten Reise auf.

Service:

Nach Angaben von Niki beteiligen sich mehrere Airlines an einer „Rückholaktion“ für gestrandete Passagiere, die direkt bei Niki gebucht haben. Folgende Airlines gehören dazu:

Condor: +49/180/67 677 67

Eurowings: +49/180/6 320 320

Germania: +49/30/610818000

Lufthansa, Austrian Airlines, Swiss: +49/69 86 799 799

TUIfly: +49/180/60 00 120

dpa/tmn

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