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Lillifee wird erwachsen

Schöner wohnen in Rosa Lillifee wird erwachsen

Die Farbe Rosa befreit sich von allen Klischees und darf endlich ihren sanften, anheimelnden Charakter ausspielen – auch als dominierende Farbe der Wohnungseinrichtung.

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Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!

Rosa wird stücktragend: Im Showroom der Möbelfirma Vitra ist Rosa zurzeit mehr als nur Akzentfarbe.

Quelle: Vitra

Hannover. Die Pinkisierung der Mädchenwelt ist kein ganz taufrisches Thema mehr. Bei den einen weckt Rosa Prinzessinengefühle, mitunter weit über das Kleinmädchenalter hinaus. Die anderen berufen sich auf bröckelnde Gendergrenzen und finden Rosa so was von vorgestern, einfach ätzend, kitschig, sexistisch geradezu.

Kaum eine Farbe polarisiert derart wie Rosa – und weil sie uns so sehr beschäftigt, ist es wohl nur folgerichtig, dass sie, in stücktragender Rolle, in unsere vier Wände vorrückt. Man hätte es ahnen können, schließlich rief der Farbsystem-Entwickler Pantone die Nuance “13-1520 Rose Quartz“ schon 2016 zur Farbe des Jahres aus. Und Farben, die Pantone aufs Podest hebt, bekommen zumeist wenig später auch im Alltag einen Logenplatz.

Macht sich auch als Soltär gut

Macht sich auch als Soltär gut: Das “Poet Sofa“ von Finn Juhl setzt in Rosa einen schönen Akzent zu Grau und Holztönen.

Quelle: House of Finn Juhl

Im April gab die Farbe, die ganz unverschuldet zu ihrem zwiespältigen Image gekommen ist, dann auf der Möbelmesse Salone del Mobile in Mailand selbst bei ernst zu nehmenden Designermöbeln den Ton an. Womöglich, weil das anheimelnde, aber doch vornehm zurückhaltende Rosa ein Spiegel der Sehnsüchte unserer Zeit ist. “Rose Quartz ist ein enthusiastischer, aber dennoch sanfter Farbton, der Freundlichkeit und Gelassenheit vermittelt“, meint Leatrice Eiseman, Direktorin des Pantone Color Institute. “Der Konsument strebt nach Erfüllung und Wohlbefinden in seinem alltäglichen Leben. Deshalb stehen immer mehr einladende Farben im Vordergrund, die psychologisch gesehen die Sehnsucht nach Ruhe und Sicherheit erfüllen.“

Zeit also, Rosa auch außerhalb der Welt von Prinzessin Lillifee eine Chance zu geben. Jaime Hayon, Chef des Hayon Studios in Madrid und in Erscheinung getreten durch extravagante Möbelentwürfe für Luxuslabels wie Cassina, hat jüngst das angesagte Hotel Barceló Torre in Madrid eingerichtet – und dabei reichlich von der Akzentfarbe Rosa Gebrauch gemacht. Ein wiederkehrendes Stück ist Hayons für das dänische Label &tradition entworfener Stuhl “Catch“. Mit seinen stummelförmigen Armlehnen signalisiert das Sesselchen dem Nutzer, dass es ihn mit offenen Armen aufnehmen wird. Das bequeme Sitzmöbel mit den fließenden Linien wirkt in Rosa besonders leicht.

Der Stuhl „Catch“ von Jaime Hayon wirkt durch sein warmes Rosa besonders weich und einladend

Der Stuhl „Catch“ von Jaime Hayon wirkt durch sein warmes Rosa besonders weich und einladend.

Quelle: &tradition

Damit passt der Stuhl in jedes Boudoir, bildet aber auch einen Kontrast in einem coolen Ambiente mit Schwarz, Grau oder Weiß. “Ich vereine viele Widersprüche, ich mag das Verspielte dabei“, erklärt Hayon. “Durch den rosafarbenen Bezug wirkt “Catch“, ein schlichter Stuhl, gleich viel weniger seriös. Er fügt dem Ambiente, in dem er steht, einen gleichermaßen leichten wie eleganten Touch hinzu.“

Ein anderes Beispiel ist Konstantin Grcics Entwurf “503 Soft Props“ für Cassina. Es handelt sich um gepolsterte Sitzmodule, die sich mittels eines Rohrs in zahlreichen Varianten verbinden lassen. Das Rohr ist zwar ein dominantes Element, aber dank des rosa Stoffes wirkt das Sofa wenig technisch. Ebenfalls neu: der “Silvana Armchair“ des Designstudio Ciarmoli Queda. Dabei handelt es sich um ein rundes, nostalgisches Sesselchen in Rosé.

Klassiker in neuem Licht

Selbst Klassiker erscheinen in der Trendfarbe in neuem Licht: 1941 schuf Finn Juhl das “Poet Sofa“. Den kleinen Zweisitzer gibt es nun in einer rosa Nuance, die dem Möbel eine frische Anmutung verleiht. Der Rosarausch geht durch viele Länder.

Das niederländische Designduo Scholten & Baijings kreierte für den Hersteller Moroso eine Serie niedriger rosafarbener Sofas und Sessel namens “Ottoman“. Und das Traditionsunternehmen Vitra zeigt in seinem Flagshipstore und Museum, dem Vitrahaus in Weil am Rhein, sogar einen ganz in Rosa gehaltenen Wohntraum – mit Möbeln aus vielen Jahrzehnten, zusammengestellt von der Designerin India Mahdavi.

Den Pouf „Circus“ von Simon Legald gibt es jetzt auch in rosafarbenem Leder

Den Pouf „Circus“ von Simon Legald gibt es jetzt auch in rosafarbenem Leder.

Quelle: Normann Copenhagen Items

Das Design der nordischen Länder galt in den vergangenen Jahren als richtungsweisend – auch hier hat Rosa den puren Beige-Holz-Look abgelöst. Zwar waren Entwürfe wie die Tischleuchte “Cap“ des Designduos kaschkasch, der Pouf “Circus“ von Simon Legald oder der Kosmetikspiegel “Flip“ von Javier Moreno für das Label Normann Copenhagen im Original nicht in Rosa vorgesehen – doch in dieser Farbe wirken sie lebendig, dynamisch und durchaus ein wenig cool.

“Rosa ist flamboyant, schick und schmeichelhaft für das Auge“, schwärmt Normann-Copenhagen-Gründer Paul Madsen. Menschen, die die Reizfarbe noch durch die Kleinmädchen-Klischeebrille betrachten, mögen die Begeisterung vermutlich nicht teilen. Alle anderen können zu Hause schon einmal umdekorieren.

Von Uta Abendroth

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