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Zeig Gucci, Baby!

Luxusmode für Kinder Zeig Gucci, Baby!

Viele Luxuslabels führen inzwischen Kollektionen für Kinder. Sie richten sich nicht zwingend nach den Wünschen der Kleinsten, sondern bedienen vor allem das gestiegene Geltungsbewusstsein ihrer Eltern.

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Dior, der Kurvenstar

Wie die Eltern, so die Kinder: Nicht nur Promis statten ihre Sprösslinge heute gern mit Kinderversionen ihrer Luxusgarderobe aus.

Quelle: GETTY

Hannover. Grammy-Verleihung 2017: Die schwangere Beyoncé überstrahlte in ihrem goldenen Sonnenkönigin-Dress von Roberto Cavalli fast alles und jeden. Nur eine Person stach kleidungsmäßig mindestens genauso hervor: Töchterchen Blue Ivy. Die Fünfjährige begleitete ihre Mutter und Papa Jay Z in pinkfarbenem Smoking mit Spitzenjabot und passender Plexiglas-Handtasche. Der Prince-Gedächtnislook für rund 1700 Euro ist eine Kreation von Gucci. Wie könnte es anders sein. Denn Blue Ivy trägt selbst auf Schnappschüssen auf der Straße Gucci wie andere Kinder H&M.

Dass viele Promis ihre Sprösslinge fast ausschließlich mit Designerklamotten ausstaffieren, mag auch daran liegen, dass sie zum Teil ungefragt Gratismodelle bekommen. Ähnlich wie bei der Oscar-Verleihung setzen die Labels auf werbewirksames Zurschaustellen. Vor allem auf Selbstvermarktungsqueen Kim Kardashian ist diesbezüglich Verlass. Von Tochter North West gibt es seit der Geburt vor vier Jahren nicht ein Foto, auf dem sie nicht von Kopf bis Fuß in Luxusmode gehüllt ist, und wenn Ralph Lauren Werbung für seine Kids-Kollektion braucht, schickt er Kardashians Sohn Saint ein personalisiertes Fliegerjäckchen, was Mutter Kim umgehend über soziale Netzwerke publik macht.

 Promis wie Kim Kardashian hüllen ihren Nachwuchs gern in Luxusklamotten – und können sich darauf verlassen, dass Designer ihnen regelmäßig

Promis wie Kim Kardashian hüllen ihren Nachwuchs gern in Luxusklamotten – und können sich darauf verlassen, dass Designer ihnen regelmäßig Gratisoutfits zuschicken.

Quelle: GC Images

Mit maßgeschneiderten Aufmerksamkeiten wird die Kundschaft von morgen gesichert, die oftmals schon früh im Licht der Öffentlichkeit steht und damit Aufmerksamkeit auch aufs Outfit zieht. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie mit der Gratis-Mortadella-Scheibe für den Nachwuchs, der zum Einkaufen beim Fleischer mitkommt: Geschmack prägt sich ein. Und wer ab dem Vorschulalter immer ein bestimmtes Label getragen hat, wechselt auch als Erwachsener seltener. “Markenaffinität“ nennen Branchenxperten das Phänomen.

Gucci und Co. muss man sich freilich leisten können. Zumal, wenn die Sachen in der nächsten Saison schon nicht mehr passen. Die von Designern wie Vivienne Westwood viel gepriesene Nachhaltigkeit, lieber in wenige teure Stücke als in viel Billigmode zu investieren, ist bei einer Kundschaft, die jede Saison eine andere Konfektionsgröße braucht, kaum durchzusetzen. Das Angebot an Edeloutfits vom Säuglings- bis zum Teeangeralter wächst vielleicht gerade deshalb beständig. Mittlerweile setzen alle großen Namen von Armani über Hermès bis hin zu Versace auf eigene Linien für Mädchen und Jungen.

Bedient wird damit auch ein gesteigertes Geltungsbewusstsein der Eltern. Der seit ein paar Jahren vor allem im hochpreisigen Segment boomende Markt für Kinderwagen und Babyausstattung zeigt, wie sehr Luxus auch für Kinder gefragt ist, um sich abzugrenzen vom Mainstream. Oftmals werden extravagant und nobel ausstaffierte Kinder zu Prestigeobjekten, die ausgeführt werden, wie eine teure Handtasche. Und so haben Dior-Shirts und Burberry-Jacken in Mini-Größen längst schon Einzug in Großstadtkindergärten gehalten. Nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil es die Luxusmode auf Secondhand-Internetportalen wie etwa Videdressing, bei Ebay oder auch auf entsprechenden Basaren zum Teil weit unter hundert Euro gibt.

Mode für kleine Erwachsene

Doch sind die großen Namen auch wirklich so großartig für Kinder? Wer sich durch die Kids-Kollektionen von Gucci, Dior oder die Back-to-School-Kampagne von Dolce & Gabbana klickt, sieht vor allem brave Rüschenkleider, Collegepullover, Dufflecoats und Karomuster. Der Stil ist konservativ mit einem Hauch verklärter Großbürgertum-Romantik à la Madita und Nesthäkchen.

Gerade bei den Mädchensachen wird außerdem häufig der Mummy-and-me-Look verfolgt: Vieles, was im Kleiderschrank der Mutter dazu einlädt, sich als zeitgemäße Cinderella zu verkleiden, gibt es vom Leoprintmantel bis zum Seidenblüschen auch in Minigrößen – Mode für kleine Erwachsene. Kindgerechter und weit weniger steif wirkt da schon die Kids-Linie von Stella McCartney. Überdies kosten viele Teile, im Gegensatz zu den hochpreisigen Erwachsenenkreationen der Londonerin, unter hundert Euro – eine Ausnahme in der Welt der Luxuslabels.

Ausgewiesene Kinderbekleidungsmarken, die auf alltagstaugliche Garderobe setzen, für die eben nicht Erwachsene als Vorbild dienen, überraschen oftmals mit originellerem Style als die hochpreisigen Designer. Das israelische Label Nununu etwa trägt schon das Revoluzzer-Motto im Namen, der übersetzt “Nein, nein, nein“ bedeutet. Hier ist eher Rockertum als Romantik an der Tagesordnung. Hosen, Shirts und Röcke gibt es fast nur in Schwarz, Grau oder Weiß mit Handabdrücken oder Farbspritzern als Aufdruck.

In den Fashionzirkus hineingeboren

In den Fashionzirkus hineingeboren: David Beckham mit seiner Tochter und Vogue-Chefin Anna Wintour.

Quelle: AA

Wer es dann doch bunter mag, findet bei der belgischen Marke Simple Kids jede Menge grafische Retromuster auf Shirts und Kleidern. Überhaupt sind die Belgier mit mehr als einem Dutzend Marken nur für Kinder mittlerweile einer der Spitzenreiter unter den europäischen Kindermodedesignern. Als Branchenpionierin gilt vor allem Anne Kurris mit ihrer Mädchenlinie Melijoe, deren Kreationen die richtige Balance zwischen verträumt und cool haben.

Auch die Spanier legen viel Wert auf die Outfits ihres Nachwuchses. Namen wie Bobo Choses und Tinycottons, Babaà und Búho sind auch modaffinen Müttern in Deutschland ein Begriff und stehen für lässigen, urbanen Style ohne aufdringliche Muster oder unbequeme Schnitte. Für Comicaffine und Verkleidungsfans gibt es darüber hinaus Yporqué mit Shirts, deren Kapuzen wie Monstermasken anmuten, und Overalls, die nicht nur Superman, sondern auch Blue Ivys Prince-Gedächtnislook Konkurrenz machen würden.

Von Kerstin Hergt

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