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Sonntag Technik & Apps Schwalbe unter Strom
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20:01 08.12.2017
Bekannt aus DDR-Zeiten, neu aber nur noch mit Elektromotor erhältlich: Die Schwalbe, eine Mischung aus Roller und Moped. Quelle: Lukasz Bera
Hannover

Der Kultroller aus der DDR ist wieder da. Ausgestattet mit einem vier Kilowatt starken Elektromotor und in viel Plastik verpackt saust die neue Schwalbe neuerdings durch deutsche Innenstädte. Seit dem Sommer verkauft das Münchner Unternehmen Govecs den E-Roller im Retro-Look. Ein Sharing-Unternehmen hat bereits Hunderte E-Schwalben für Berlin und München bestellt. Govecs stößt damit in einen bisher eher kleinen Markt vor, der viel Potenzial hat.

Das Knattern des klassischen Zweitaktmotors hört man immer noch recht häufig auf der Straße. 3,5 Millionen Deutsche geben in einer Umfrage des Allensbach-Instituts an, einen Motorroller in ihrem Haushalt zu haben. Vor allem “Kleinkrafträder“ mit der Höchstgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde sind beliebt. Denn es ist erlaubt, sie mit einem normalen Pkw-Führerschein zu fahren.

Elektrische Motoroller bemerkt man hingegen kaum. Das liegt nicht nur an ihrem nahezu geräuschlosen Motor – tatsächlich gibt es in Deutschland nur wenige von ihnen. Experten schätzen ihre Zahl auf höchstens 20 000, genaue Zahlen sind nicht bekannt.

Schwalbe E-Roller Quelle: Lukasz Bera

Ganz anders sieht die Situation in China aus, wo praktisch jeder die Elektrovariante nutzt. Während Tausende Motorroller gleichzeitig durch die Innenstadt von Peking kurven, staunen Touristen aus Europa nicht schlecht über den niedrigen Geräuschpegel. “Der E-Roller ist in Asien mittlerweile ein Lifestyle-Produkt“, sagt Alexander Jung vom Berliner Thinktank Agora Verkehrswende.

Dabei war keineswegs ein Modetrend ausschlaggebend für den Boom. Vielmehr hat die Regierung in Peking benzinbetriebene Roller aus den Smog-geplagten Metropolen verbannt, um die Luftverschmutzung einzudämmen. Allein im vergangenen Jahr wurden hier mehr als 20 Millionen E-Roller verkauft. Das Gesetz behandele sie wie Fahrräder, erklärt Jung. Die Käufer bräuchten weder Versicherung noch Zulassung oder Kennzeichen.

Mit rund 400 Euro kommen die E-Roller dem Fahrrad in China auch preislich nah. In Deutschland zahlt man im Schnitt fünfmal so viel. Anders als bei den E-Autos gibt es auch keine staatliche Förderung. Batteriebetriebene Schwalbe, Vespa und Co. sollen sich selbst auf dem deutschen Markt durchsetzen.

Ideale Reichweite für die Stadt

Die Hersteller setzen hierzulande bislang vor allem auf Sharing-Projekte und Unternehmen wie Lieferdienste oder Postzusteller. Govecs verkauft bereits E-Roller an Firmen wie Vapiano oder Lieferando. Mit der E-Schwalbe bietet es erstmals ein Modell im freien Verkauf an. “Potenzielle Kunden haben häufig Berührungsängste mit dem E-Roller. Darum sind für uns Sharing-Dienste sehr wichtig“, sagt ein Sprecher von Govecs. Sie senkten die Hemmschwelle enorm, ein Elektromodell auszuprobieren.

Zurzeit gibt es Sharing-Anbieter in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart und Mannheim. Kostenpunkt: Ab 3 Euro für eine halbe Stunde Fahrt. Allein in der Hauptstadt wuchs innerhalb von nur zwei Jahren die Anzahl der Mietflitzer auf 1350 Fahrzeuge.

Die große Schwäche von Elektrofahrzeugen ist die geringe Reichweite. Beim E-Roller sei sie jedoch weniger relevant, sagt Achim Marten vom Industrieverband Motorrad (IVM). “Der E-Roller ist ein urbanes Fortbewegungsmittel. Kunden haben da gar nicht den Anspruch, mehr als 50 oder 60 Kilometer am Tag zurückzulegen.“ Ähnlich wie bei einem E-Bike lässt sich der Akku eines Rollers häufig entnehmen und zu Hause oder bei der Arbeit aufladen. Die nervige Parkplatzsuche entfällt komplett. Außerdem sollen die Elektroflitzer mit weniger Wartung auskommen als ihre ratternden Zweitakt-Verwandten.

Sauber, praktisch, keine Parkplatzsuche – doch der hohe Preis hält noch vom Erwerb eines E-Rollers ab. Quelle: Markus Roessle

Aktuell gibt es auf dem deutschen Markt über ein Dutzend Hersteller von E-Rollern. Einige von ihnen produzieren in Europa, andere in Fernost. Mit dabei sind Start-ups, Mittelständler, Importeure und nur wenige Großunternehmen. Einer der Marktführer ist der Metallverarbeiter Emco. Bevor das Unternehmen aus Lingen im Emsland 2010 seinen ersten Roller zusammenschraubte, stellte es Fußmatten und Spiegelschränke her. Der europäische Markt für E-Roller bleibt weiterhin relativ offen – jährlich kommen neue Wettbewerber hinzu. Große Fahrzeughersteller sind allerdings kaum vertreten.

Der Automobilzulieferer Bosch versorgt gleich mehrere Anbieter von kleinen E-Rollern mit Motoren und elektronischen Steuereinheiten. BMW hat einen E-Scooter mit 48 PS im Angebot, der nur mit einem Motorradführerschein genutzt werden kann. Andere warten ab: “Die Großen beobachten penibel den bisher überschaubaren Markt. Die meisten sind in Vorbereitung, um im richtigen Augenblick da zu sein“, sagt Achim Marten vom IVM.

Entscheidend für die bislang verhaltene Nachfrage nach E-Rollern könnte der Preis sein. Die E-Schwalbe etwa kostet mehr als 5000 Euro. Erst wenn die Produktionszahlen stiegen, könne es Preissenkungen geben, schätzt Merten. Und dann wird, wie in China, die Luft besser? Alexander Jung glaubt nicht, dass der E-Roller sich so stark verbreitet, dass er zur Umweltentlastung der Innenstädte beiträgt. Eher stehe der Mobilitätsgewinn im Vordergrund: “E-Roller sind eine sinnvolle Ergänzung zum Auto und dem öffentlichen Nahverkehr“, sagt der studierte Raum- und Umweltplaner. Einziger Nachteil für E-Roller-Fahrer: Sie sind besonders im Stau den Abgasen weniger umweltfreundlicher Fortbewegungsmittel ausgesetzt.

Von Alexander Salenko

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