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FC Hansa Angeklagter bietet Hansa 220 000 Euro
Sportbuzzer FC Hansa Angeklagter bietet Hansa 220 000 Euro
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00:00 25.03.2014
Hofft auf eine Bewährungstrafe: Ticket-Betrüger Guido G. auf der Anklagebank im Amtsgericht Rostock. Quelle: Frank Söllner

Mit einem überraschenden Angebot der Verteidigung ist gestern vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Rostock der zweite Verhandlungstag im Prozess um den Ticketbetrug beim FC Hansa Rostock zu Ende gegangen. Um einer Gefängnisstrafe zu entgehen, bietet der Angeklagte Guido G. (47) dem geschädigten Fußball- Drittligisten an, 220 000 Euro inklusive Zinsen zu zahlen und damit den entstandenen finanziellen Schaden wiedergutzumachen. Bis Freitag wollen die Hansa-Verantwortlichen entscheiden, ob sie auf diesen Deal mit der Verteidigung eingehen. Das Gericht ließ

bereits durchblicken, dass der Angeklagte im Falle einer Einigung mit einer Bewährungsstrafe davonkommen könnte.

„Wenn es zu einer Einigung käme, könnte sich das Gericht vorstellen, dass die verhängte Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt würde“, sagte die Vorsitzende Richterin R. und schloss mit diesen Worten den zweiten Verhandlungstag, an dessen Ende ursprünglich das Urteil gesprochen werden sollte. Das Gericht hat sich nun auf den 9. April vertagt. „Ich bin felsenfest überzeugt, dass wir die Kuh vom Eis bekommen“, meinte Guido G.‘s Anwältin Christine Habetha nach der Verhandlung. Als Gegenleistung fordert die Verteidigung die Zusage, dass Guido G. sein Einfamilienhaus im Ostseebad Nienhagen nahe Rostock „freihändig verkaufen“ kann. Hansa-Anwalt Gunnar Kempf kündigte weitere Beweisanträge an, falls der Verein das Angebot nicht akzeptieren sollte.

Guido G., bis vor gut einem Jahr stellvertretender Leiter des Ticketverkaufs bei Hansa, wird Untreue in 46 Fällen in der Zeit von 2009 bis März 2013 vorgeworfen. Der finanzielle Schaden für den Verein beträgt laut Anklage 213 922 Euro. Am ersten Verhandlungstag hatte die Verteidigung 90 300 Euro zur Schadenswiedergutmachung angeboten.

Als 13. und bislang letzter Zeuge wurde gestern Hansa-Ticketchef Roland Adam gehört, der unmittelbare Vorgesetzte von Guido G.. Von G.‘s Sonderabrechnungen wusste der frühere Hansa-Fußballer bis zum 2. März 2013 nichts. Zudem seien die bei Heimspielen im Abrechnungsraum verteilten Umschläge, in die Kassiererinnen auf G.‘s Anweisung Geld packten, „mir nicht aufgefallen“, gab Adam während seiner 92-minütigen Vernehmung zu Protokoll. Er habe mit G. 16 Jahre zusammengearbeitet und sich auf ihn verlassen. „Ich habe ihm vertraut. Das hat er grenzenlos ausgenutzt.“ Die Kassiererinnen hätten die Vorgänge ihm gegenüber zu keinem Zeitpunkt erwähnt, sagte Adam aus: „Das ist es, was ich einfach nicht verstehe.“ Der Frage, ob er sich mitverantwortlich fühle, wich der 55-Jährige aus: „Ich habe bis heute sehr darunter zu leiden. Beruflich, gesundheitlich und persönlich hat mich das aus dem Gleichgewicht gebracht“, erklärte Adam, der seit 16 Jahren Hansas Ticketabteilung leitet.

Auch Adams (Ex-)Vorgesetzten Ralf Gawlack (49), bis 2009 Chef der Ostseestadion GmbH, und der aktuelle Geschäftsführer Rainer Friedrich (50) wiesen in ihren Zeugenaussagen eine Verantwortung für das laut Verteidigung „schlampige Controlling“ zurück.



Sönke Fröbe

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