Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
FC Hansa Hansa im Herzen, die Schippe in der Hand
Sportbuzzer FC Hansa Hansa im Herzen, die Schippe in der Hand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 23.03.2013
Zwischen den Stuhlreihen hatte sich viel Schnee angesammelt. Der musste weg.
Rostock

Dicke Flocken fallen vom Himmel und bringen wieder genau das, was keiner in der DKB-Arena mehr haben will. Gut 50 Hansa-Fans haben sich gestern Nachmittag im Stadion eingefunden, um ihrem Verein zu helfen. Sie schaufeln Schnee und fegen zwischen Sitzreihen auf den Tribünen, damit ihr FC Hansa heute in der 3. Liga gegen Darmstadt 98 drei wichtige Punkte holen kann.

Der Spielfeldrand muss für Werbebanden frei sein, sagt Hans-Jürgen Meister (59). „Aber die Tribünen sind unser größtes Problem.“ Jede Menge Schnee habe sich dort zwischen den Stuhlreihen angesammelt, einige Stunden werde die ganze Aktion wohl dauern, vermutet der Technische Leiter des Stadions und verteilt Schneeschippen an alle, die helfen wollen. „Wir haben genug davon.“ Über den Zuschauertribünen sind die Männer einer Dachdeckerfirma mit dem Räumen beschäftigt, professionell gesichert. Da könne er ja keinen Fan rauflassen, sagt Meister.

Klaus Fischer (58) braucht keine Schippe vom Verein, er hat sein eigenes Arbeitsgerät aus dem Keller geholt „Das ist meine Drei-Punkte-Schaufel, wenn die nicht hilft, weiß ich auch nicht weiter...“, sagt er und spielt auf die anhaltende Erfolglosigkeit seines Vereins in den vergangenen Wochen an. 40 Jahre hält Fischer dem FC Hansa die Treue, hat Höhen und Tiefen erlebt. Diese Saison ordnet er eher als Tiefe ein.

„Wir zeigen hier auf jeden Fall mehr Leistung als die Mannschaft im Moment“, so Silke Jahn, die ursprünglich aus Schleswig-Holstein stammt, aber in Rostock schnell vom Hansa-Fieber befallen wurde.

Jahns Tochter Anna-Sophie (6) hilft auch mit und streut Salz auf den spiegelglatten Rängen. „Auf eine Gegenleistung kommt es bei uns nicht an“, sagt Mutter Silke. Die braucht der 69-Jährige Thomas Lehn auch nicht, als Vereinsmitglied und Fan. „Hansa liegt mir am Herzen.“ Solange er kann, will er sich an solchen Aktionen beteiligen. Klaus Fischer wünscht sich, dass die Mannschaft heute die gleiche Leistung wie die Fans zeigt, das wäre dann seine ganz persönliche Belohnung fürs Schneeschieben.

Schon zum vierten Mal in diesem Winter greifen die Hansa-Fans gestern zur Schaufel, einmal auf dem Trainingsplatz nun schon wieder im Stadion. Beim ersten Mal musste auch Schnee vom Spielfeld geschoben werden, erzählt einer. Das ist gestern nicht nötig. „Die Rasenheizung läuft seit einer Woche“, berichtet Hans-Jürgen Meister. Je nach Außentemperatur koste das zwischen 1400 und 2000 Euro pro Tag. Meister überlegt, die Heizung in der Nacht noch einmal aufzudrehen. Dass sich der Platz in dieser Jahreszeit in sattem Grün präsentiert, sei aber nicht zu erwarten. Er grübelt, in welchem Zustand der Rasen wohl nach der Partie sei.

Florian Starke (14) will heute unbedingt ein Fußballspiel in Rostock sehen. „Wir schaufeln alles weg“, verspricht er am Spielfeldrand. Ein Schaufelbagger fährt die Schneeberge aus dem eiskalten Stadion heraus. Falko Schubert ist zum ersten Mal bei einer solchen Hilfsaktion dabei. „Das Spiel darf nicht ausfallen“, wünscht sich der 16-Jährige. „Die letzten Male hätte ich auch geholfen“, sagt Tom Uhlmann (23).

„Die Bayern sitzen gerade in der Sonne und wir schaufeln Schnee“, hadert Andy Busecke (26) mit dem Wetter und greift beherzt zur Schaufel. Ehrensache sei es zu helfen, wenn sein FC Hansa ruft. „Wenn im Blut die Kogge schwimmt . . .“

Thomas Niebuhr und JensBarkhorn