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FC Hansa Leblos, mutlos, erfolglos: Hansa hat einen Heimkomplex
Sportbuzzer FC Hansa Leblos, mutlos, erfolglos: Hansa hat einen Heimkomplex
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00:00 24.03.2014
Sogar der Torhüter stürmte am Ende mit: Jörg Hahnel geht im gegnerischen Strafraum zum Ball. Die vierte Heimniederlage in Folge konnte aber auch er nicht abwenden. Quelle: Fishing4

Jörg Hahnel konnte nicht mehr an sich halten. Ein paar Minuten, nachdem er in der Nachspielzeit erst vorn mitgestürmt war und dann das zweite Gegentor verhindert hatte, platzte dem Hansa-Torhüter in den Stadion-Katakomben der Kragen. „Es ist zum Kotzen. Die erste Halbzeit ist nicht zu entschuldigen. Das war leblos, ohne Mut, ohne Begeisterung. Duisburg war uns in allen Belangen überlegen, die man als Fußballer braucht — von der Kreisklasse bis zur Bundesliga. Ich weiß nicht, wie man so ins Spiel gehen kann“, wetterte der Schlussmann total angefressen nach dem 0:1 gegen den MSV.

Der Frust des dienstältesten Hansa-Profis ist verständlich. Denn aus Hansas Heimmisere ist inzwischen ein ausgewachsener Heimkomplex geworden. Zum vierten Mal hintereinander verließen die abermals enttäuschenden Rostocker das eigene Stadion als Verlierer — begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert. Der letzte Hansa- Sieg in der DKB-Arena datiert von Mitte Dezember. In der Heimtabelle rangiert der FCH (19 Punkte) inzwischen nur noch auf Platz 17 (!). „Es war nicht schön anzusehen, diesmal war es besonders schlimm“, musste Cheftrainer Andreas Bergmann zerknirscht eingestehen.

Eine Stunde lang blieb seine Mannschaft vor der Saison-Minuskulisse von nur noch 7800 Zuschauern (bisher 8400 gegen Osnabrück) alles schuldig. Die Rostocker kamen überhaupt nicht in die Gänge, gerieten vielmehr durch einen Sonntagsschuss von Michael Gardawski an die Lattenunterkante früh in Rückstand (11.) — bereits das achte Gegentor in der ersten Viertelstunde. „Daran haben wir immer wieder zu knabbern. Wir erholen uns nicht davon. Das ist enttäuschend“, kann Bergmann inzwischen ein Lied davon singen.

Vor allem die Innenverteidigung stürzte bis zur Einwechslung von Ruprecht von einer Verlegenheit in die andere. Pekovic, der einen Kühne-Schuss auf der Linie klärte (15.), und Hahnel gegen Onuegbu (54.), der zudem an die Latte köpfte (53.), verhinderten eine frühe Vorentscheidung zugunsten des MSV.

Erst danach bemühten sich die Hanseaten um Wiedergutmachung. Das Ergebnis ändern konnten sie jedoch nicht mehr. Bergmann: „Wir hatten einige Möglichkeiten, aber die waren nicht so prickelnd.“ Die besten vergaben Jakobs (70., 88.), Savran (79.), dazu dreimal Ioannidis sowie Haas in der Nachspielzeit. „Es ist zurzeit eine richtig blöde Phase“, sagte Bergmann, der vor der Partie noch von „null Motivationsverlust“ bei seinen Spielern nach den geplatzten Aufstiegsträumen gesprochen hatte. Am Sonnabend musste er in dieser Hinsicht allerdings einige Defizite feststellen: „Der eine oder andere muss auch erkennen, dass er eine ganz andere Robustheit an den Tag legen muss, sich ganz anders wehren muss.“

Schon morgen haben die Rostocker die nächste Aufgabe vor der Brust — zum Glück auswärts, wo Hansa in dieser Saison deutlich erfolgreicher ist als daheim. In einem eigens gecharterten Flieger geht es mit 120 Fans von Laage aus zum Tabellenschlusslicht 1. FC Saarbrücken. Stürmer Halil Savran warnte allerdings vor einer Bruchlandung. „Für die Saarbrücker ist es Abstiegskampf pur, die kämpfen um den letzten Strohhalm. Wenn wir so wie in der ersten Halbzeit spielen, gehen wir da sang- und klanglos unter.“

Und danach droht der nächste Frust. Denn am Sonnabend gibt‘s schon wieder ein Heimspiel — dann kommen die Stuttgarter Kickers.

Statistik
Rostock: Hahnel - Mendy, Weidlich, Pelzer, Radjabali-Fardi - Haas, Pekovic (56. Ruprecht) - Jakobs, Blacha - Plat (60. Ioannidis), Savran (84. Starke).

Duisburg: Lenz - Kühne, Bollmann, Bajic, Eichner - Ledgerwood, Öztürk - Gardawski (63. Zoundi), De Wit (85. Aycicek) - Onuegbu, Wegkamp (90. Feisthammel).

Tor: 0:1 Gardawski (11.).

Schiedsrichter: Brand (Gerolzhofen). Zuschauer: 7800.

Gelbe Karten: Weidlich, Ruprecht, Starke/Bajic.



Kai Rehberg

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