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FC Hansa Schwarzer Mittwoch: Hansa unter Schock
Sportbuzzer FC Hansa Schwarzer Mittwoch: Hansa unter Schock
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02:27 04.04.2014
Beobachteten gestern vormittag das Hansa-Training: Klubchef Michael Dahlmann (l.) und Manager Uwe Vester.

Das obligatorische Auslaufen wurde für die Hansa-Profis gestern um kurz nach zehn zum Spießrutenlauf. Als die Spieler im Stadion und auf dem Trainingsplatz unter den Augen von vier Sicherheitskräften ihre Runden drehten, schlug ihnen noch einmal die ganze Wut von rund zwei Dutzend Fans entgegen. „Versager, verpisst euch!“, schrien die Anhänger: „So ‘ne Frechheit! Das Geld vom DFB-Pokal sollte man euch vom Gehalt abziehen!“

Der Frust über den bösen Pokal- K.o. gegen die Amateure des 1. FC Neubrandenburg mit anschließender Traininerentlassung und Fan-Revolte saß tief — und hatte Spuren hinterlassen. Während sich Schlosser vor dem Stadion an die Reparatur des von den Krawallmachern aufgebrochenen Absperrgitters machten, wurde die Skandalnacht an allen Fronten aufgearbeitet. Die Polizei meldete vier leicht verletzte Beamte durch Stein- und Flaschenwürfe. Außerdem: mehrere beschädigte Fahrzeuge, herausgebrochene Gehwegplatten und abgebrochene Verkehrsschilder.

Klubchef Michael Dahlmann entschuldigte sich für den Gewaltausbruch von 60 Chaoten, die aus einer Gruppe von 250 Leuten heraus randalierten. „Das war einer der schwärzesten Tage, die der FC Hansa je erlebt hat“, konstatierte der Klubchef gestern nach einer schlaflosen Nacht. Auch das sportlichen Armutszeugnis der Mannschaft mit der anschließenden Entlassung des Trainerteams Andreas Bergmann/Andreas Reinke wirkte bei den Verantwortlichen noch sichtbar nach. „Wir hatten uns das Saisonziel gestellt, so schnell wie möglich 50 Punkte zu erreichen und in der kommenden Saison im DFB-Pokal zu spielen. Das sieht ja eher schlecht aus“, stellte Dahlmann fest.

Für Sport-Vorstand Uwe Vester war die Trennung von dem erst seit Juni 2013 amtierenden Trainerduo „komplett alternativlos“. „Wir wollten Kontinuität. Aber wenn es so große Dellen gibt und man dann nicht mal das Mindestziel schafft, gegen einen Fünftligisten zu gewinnen, muss man einfach die Reißleine ziehen“, sagte Vester. Knapp ein Jahr nach Marc Fascher musste er nun bereits seinen zweiten Cheftrainer in die Wüste schicken.

Vester selbst hat nicht an einen Rücktritt gedacht. Er räumte allerdings ein, dass ihm mit der Personalie Bergmann nicht die erhoffte längerfristige Lösung geglückt sei. „Ich habe definitiv Fehler gemacht, aber das gehört zum Geschäft“, sagte Vester. „Es hat mit der Person nicht funktioniert. Also muss man handeln.“

Die Entscheidung zum Rauswurf von Bergmann, der bereits im Oktober 2013 auf der Kippe gestanden hatte, sei in der Negativ-Serie der vergangenen Monate gereift. Vester: „Man kann nicht langfristig planen und kurzfristig verlieren.“ Intern fanden auch Bergmanns häufige Fahrten in seine Hamburger Heimat wenig Wohlgefallen.

Die Suche des Nachfolgers betreibe er nun „mit Hochdruck“, so Vester. Der neue Mann soll Drittliga- und möglichst Zweitliga-Erfahrung haben, junge Spieler auf ein höheres Leistungsniveau bringen und die gleiche Grundidee von einem attraktiven Offensivfußball vertreten. Alles Kriterien, die besonders auf Peter Vollmann passen würden, der mit Hansa 2011 in die 2. Liga aufgestiegen ist. Vester hielt sich zu Namen völlig bedeckt, erklärte lediglich: „Wir wollen keine Bergmann-Kopie.“

Vorerst betreut U 23-Trainer Robert Roelofsen die Profis. Weil er keine Fußballlehrer-Lizenz hat, darf der Holländer laut DFB-Reglement allerdings nur 15 Tage aushelfen. „Wer nicht mitzieht, hat es schwer bei mir“, machte der 44- Jährige gestern klar. Sportchef Vester will in den letzten sechs Saisonspielen über einen Umweg doch noch den Sprung in den DFB-Pokal schaffen. Dazu müssten die Rostocker Vierter werden. „Wir haben noch diese Chance, daran werden wir jetzt alles setzen. Ich glaube, dass die Mannschaft den Charakter hat, um sich da rauszuziehen.“

14 Trainer in zwölf Jahren
Armin Veh: 3. 1. 2002 - 5. 10. 2003
Juri Schlünz: 6. 10. 2003 - 14. 11. 2004
Jörg Berger: 17. 11. 2004 - 12. 8. 2005
Frank Pagelsdorf: 15. 8. 2005 - 10. 11. 2008
Juri Schlünz: 11. 11. 2008 - 21. 11. 2008
Dieter Eilts: 22. 11. 2008 - 6. 3. 2009
Andreas Zachhuber: 8. 3. 2009 - 22. 2. 2010
Thomas Finck: 22. 2. - 16. 3. 2010
Marco Kostmann: 16. 3. - 29. 5. 2010
Peter Vollmann: 29. 5. 2010 - 6. 12. 2011
Wolfgang Wolf: 7. 12. 2011 - 3. 9. 2012
Marc Fascher: 5. 9. 2012 - 30. 5. 2013
Andreas Bergmann: 31. 5. 2013 - 2. 4. 2014
Robert Roelofsen: seit 3. 4. 2014



Kai Rehberg

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