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Eigendorfs Tod auch nach 30 Jahren ein Rätsel

Berlin Eigendorfs Tod auch nach 30 Jahren ein Rätsel

In der DDR wurde er als „Vaterlandsverräter“ gebrandmarkt. 1979 flüchtete Lutz Eigendorf vom BFC Dynamo in den Westen und blamierte Stasi-Minister Erich Mielke bis auf die Knochen.

Berlin. Vor 30 Jahren starb der Profi unter mysteriösen Umständen, die Stasi war beteiligt.

Ganz genau wird wohl niemand mehr aufklären können, was in jener Nacht auf regennasser Straße zwischen den Braunschweiger Ortsteilen Querum und Bienrode geschah. Gegen 23.00 Uhr setzte Fußball-Profi Lutz Eigendorf mit 2,3 Promille Alkohol im Blut in einer Kurve seinen Alfa Romeo an einen Baum. Am 7. März 1983 starb der sechsmalige DDR-Nationalspieler an schweren Kopf- und Brust-Verletzungen im Krankenhaus.

Genau 30 Jahre später gilt der mysteriöse Tod noch immer als einer der spektakulären Fälle, die nie gänzlich geklärt werden konnten. Tatsache aber ist, dass das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) massiv seine Finger im Spiel hatte.

Eigendorf hatte im März 1979 ein Freundschaftsspiel des Stasi-Clubs BFC Dynamo in Kaiserslautern zur Flucht genutzt und sich bei einem Stadtbummel in Gießen vom Team abgesetzt. In der Stasi-Zentrale in Berlin löste die Nachricht Panik aus. Mehr als 50 hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter beschäftigten sich ab sofort mit der „Republikflucht des Vaterlandsverräters“ Eigendorf.

Für Stasi-Boss Erich Mielke, war die Flucht des prominenten Dynamo-Spielers, der in der DDR alle Vergünstigungen genoss, eine desaströse Schmach. Sie war mindestens genauso peinlich für Mielke wie sein späterer Auftritt vor der DDR-Volkskammer mit den zynischen Worten „Ich liebe Euch doch alle“ in der Wendezeit.

Dass die Stasi am „Unfall“ Eigendorfs maßgeblichen Anteil hatte, kam erstmals in der ARD-Dokumentation „Tod dem Verräter“ 2000 ans Tageslicht. Jahre später bestätigte ein Inoffizieller Stasi-Mitarbeiter (IM) vor dem Düsseldorfer Landgericht, er habe den Mordauftrag vom MfS angenommen, aber nicht ausgeführt.

In MfS-Unterlagen hatte es Hinweise auf eine Vergiftung Eigendorfs gegeben. Zudem geht aus den Akten hervor, dass der mit dem Fall Eigendorf beschäftigte Stasi-Offizier am Todestag Eigendorfs mit einer Sonderprämie von 1000 DDR-Mark ausgezeichnet worden war.

Auch wiesen Indizien darauf hin, dass Eigendorf der Alkohol gewaltsam eingeflößt und der damals in Braunschweig spielende Profi bei seiner nächtlichen Fahrt durch ein entgegen kommendes Fahrzeug bewusst geblendet worden sei. Zeugen hatten ausgesagt, dass Eigendorf niemals so viel Bier getrunken habe, dass ein so hoher Promille-Wert möglich gewesen sei. Justiziable Beweise wurden aber nie gefunden. Als nachteilig erwies sich, dass eine kriminaltechnische Untersuchung des Wagens versäumt wurde und auch eine Obduktion Eigendorfs ausblieb. Erst nach der Wende hatte die Staatsanwaltschaft Berlin den Fall neu aufgerollt.

Die Machenschaften der Stasi und die Brisanz des Falles bei Mielkes „Lieblings-Spielzeug“ BFC Dynamo verdeutlicht die Tatsache, dass 17 IM Eigendorfs Eltern in Brandenburg sowie die in Ost-Berlin zurückgelassene Frau observierten. Vier IM überwachten den Profi in Kaiserslautern und später Braunschweig auf Schritt und Tritt. Dies dokumentierte unlängst eine Ausstellung im Bildungszentrum der Stasi-Unterlagen-Behörde in Berlin mit bisher unbekannten Dokumenten.

Andere BFC-Spieler hielt der Tod von Eigendorf nicht davon ab, gleichfalls vor dem Mauerfall im Westen zu bleiben. Stürmer Falko Götz und Abwehrspieler Dirk Schlegel nutzten vier Jahre später eine Europacup-Reise nach Belgrad zur Flucht. Der spätere Hertha-Trainer Götz vermied es, politische Gründe für seine Flucht anzugeben. Dennoch konnte er später in seiner Opfer-Akte nachlesen, wie präzise seine Wohnung in Leverkusen von der Stasi observiert worden war.

dpa

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