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Fussball regional Ärztin hängt ihre Fußballschuhe an den Nagel
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16:14 11.10.2018
Julia Zymelka Quelle: Olaf Haugwitz
Wismar

Die Frauen-Teams, die gegen Julia Franke gespielt haben, erinnern sich nur ungern an die Torjägerin des FC Anker Wismar. Meistens hat die inzwischen 34-Jährige mindestens immer einen Ball ins gegnerische Gehäuse versenkt. „Manchmal waren es auch mehr“, schmunzelt Julia Zymelka. Gezählt hat sie die Treffer nicht. „Meine erfolgreichste Saison bei Anker war gleich die erste, in der ich 22 Tore schoss“, kann sie sich noch erinnern. Doch mit dem Toreschießen ist es nun vorbei. Sie hat ihre Fußballschuhe an den berühmten Nagel gehängt. „Mittlerweile bin ich verheiratet und im Beruf gefestigt. Da mein Mann und ich Nachwuchs erwarten, musste ich schweren Herzens vom aktiven Fußballspielen zurücktreten“, erklärt die ehemalige Stürmerin, die seit ihrer Heirat den Namen ihres Mannes Zymelka angenommen hat. Und weiter: „Ich werde aber die Frauenmannschaft des FC Anker Wismar unterstützen und arbeite an der Seite von Jörg Zelva als Co-Trainerin.“ Trotzdem fällt es ihr schwer, nur an der Seitenlinie zu stehen, gibt Julia Zymelka ehrlich zu. „Ich möchte möglichst viel lernen und auch meine Erfahrungen weitergeben, um irgendwann einmal sogar selbst eine Mannschaft zu leiten“, sagt sie.

Julia Zymelka ist in Groß Woltersdorf bei Wismar aufgewachsen. „Mit den Jungs und Mädels kickten wir damals immer auf dem Dorfacker“, erzählt die 34-Jährige. Doch Fußball war zunächst nicht ihre Wunschsportart. In der Schule wurde damals in der zweiten Klasse ihr Talent für die Leichtathletik entdeckt. Über den LASV Wismar wechselte sie als 14-Jährige zum Sportgymnasium nach Schwerin. Ihre Spezialdisziplin war das Speerwerfen. Allerdings so richtig „warm“ und glücklich wurde sie in Schwerin bei den Speerwerfern nicht. „Im Training haben wir zum Warmmachen immer Fußball gespielt. Das hat mir sehr gefallen“, erinnert sich Julia Zymelka. So richtig zum Fußball ist sie aber erst mit 17 Jahren gekommen. „2001 habe ich ein Auslandsjahr in Australien gemacht. Um auch dort weiterhin fit zu bleiben, suchte ich mir eine Frauen-Fußball-Mannschaft – die Western Toros Adelaide“, erzählt sie weiter. Nach dem Auslandsjahr kam die damals 18-Jährige wieder zurück nach Wismar. Machte dort am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium ihr Abitur und heuerte 2002 beim FSV Schwerin an. Das Team spielte in der Regionalliga Nordost. „Das war die höchste Klasse, in der ich gespielt habe. Wir belegten damals den dritten Platz“, sagt Julia Zymelka voller stolz. Obwohl sie mit ihrem Team im DFB-Pokal 2003 gegen den FCR Duisburg mit 0:10 eine Klatsche bekam, schwärmt sie immer noch von dieser Partie. „Dafür habe ich gegen Silke Rottenberg gespielt“, berichtet sie voller stolz. Rottenberg war Torfrau, spielte zwischen 1993 und 2008 in der Bundesliga, war Nationalspielerin und wurde 1998 zu Deutschlands Fußballerin des Jahres gewählt.

Nachdem der FC Anker eine Großfeld-Mannschaft stellte, wechselte Julia Zymelka nach Wismar, wo sie alle Höhen und Tiefen des Frauenfußballs miterlebt hat. Neben dem Fußball studierte sie an der Uni Rostock Medizin. „Seit August 2011 arbeite ich am Sana-Klinikum in Wismar. Im März diesen Jahres habe ich die Facharzt-Prüfung für innere Medizin bestanden. Als Stationsärztin findet man mich auf der A2, wenn ich nicht gerade auf dem Fußballplatz bin“, schmunzelt die ehemalige U-21-Auswahlspielerin von Mecklenburg-Vorpommern.

Peter Preuß