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Lokalsport Nach WM-Aus: Auch Fanbetreuer musste früh nach Hause
Sportbuzzer Lokalsport Nach WM-Aus: Auch Fanbetreuer musste früh nach Hause
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15:01 12.07.2018
In Moskau hatte die deutsche Fan-Botschaft ihren Stand vor einem Touristeninformations-Center. Hier bekamen Fans Hilfe, wenn sie zum Beispiel ihren Pass verloren oder Probleme mit der Unterkunft hatten. Quelle: Ingo Thiel
Rostock

Das hat sich Martin Brochier ganz anders vorgestellt: Statt nach viereinhalb Wochen musste der Rostocker Sozialarbeiter schon nach zweieinhalb Wochen von der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland abreisen. Er gehörte zum 13-köpfigen Fanbetreuungsteam des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS). Weil die deutsche Nationalmannschaft jedoch unerwartet früh ausschied, war auch für Brochier nach der Vorrunde Schluss. „Das war schon eine sportliche und persönliche Enttäuschung“, sagt der 39-Jährige, der in seiner täglichen Arbeit beim Fanprojekt Rostock Hansa-Anhänger begleitet.

Sozialarbeiter Martin Brochier blickt mit gemischten Gefühlen auf seine Zeit bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland zurück.

Dass bei dem WM-Turnier einiges anders läuft als sonst, kündigte sich schon beim ersten Spiel gegen Mexiko an. „Es waren spürbar weniger deutsche Fans in Moskau, als bei solchen Ereignissen üblich“, sagt Brochier. Nur rund 5000 Anhänger seien in der russischen Metropole gewesen – dabei passen 81 000 Zuschauer ins Luschniki-Stadion. Generell seien die Lateinamerikaner bei der WM in der Überzahl gewesen. „Allen voran die Argentinier haben das Stadtbild geprägt. Da hattest Du das Gefühl, hier findet eine WM statt.“

Hohe Ticket-Preise

Doch warum waren nur so wenige deutsche Fans da? „Dass darf sich nun der DFB fragen“, sagt Brochier. Er selbst sieht mehrere Gründe: So sei die Berichterstattung im Vorfeld eher negativ geprägt gewesen und habe Angst vor Hooligans geschürt – letztlich sei aber alles friedlich geblieben. Gleichzeitig schreckten Sprachbarrieren und hohe Ticket-Preise ab. „In der günstigsten Kategorie kostete eine Eintrittskarte 105 Euro.“ Zusammen mit Unterkunft und Flug seien schnell 1000 Euro zusammengekommen. Auch werde Russland nicht gerade als Urlaubsland wahrgenommen. „Das war bei der EM vor zwei Jahren in Frankreich anders“, sagt Brochier.

Die Fanbetreuer suchten in den Spielorten Moskau, Sotschi und Kasan das Gespräch mit den Anhängern. Sie waren mit einer mobilen Fan-Botschaft in den Stadtzentren präsent und verteilten das Fan-Magazin „Helmut“. Ziel der Betreuer war es, eine positive, bunte und friedliche Stimmung zu fördern. Auch in den Stadien waren sie Ansprechpartner und halfen den Fans bei Problemen. Zweimal ging zum Beispiel ein Reisepass verloren.

Der Fan als Kunde

„In den Gesprächen mit den Fans kam häufig die Frage, wo die Mannschaft untergebracht ist und wo sie trainiert“, sagt Brochier. Doch bei allen Trainingseinheiten war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. „Die Mannschaft war komplett abgeschottet.“ Das habe viele enttäuscht. Ein Fan habe gesagt: „Ich komme mir nur noch wie ein Kunde vor, der nicht mehr kritisch nachfragen darf und keinen Kontakt zu den Spielern bekommt.“

Die Entfremdung zwischen Fans und Nationalelf habe sich schon in den Vorbereitungsspielen angedeutet, so Brochier. „Die Fans werden ein Stück weit entmündigt. Ihnen wird vieles mundgerecht vorgegeben: Flug, Unterkunft und Tickets können unkompliziert im Paket gekauft werden.“ Voraussetzung für den Erwerb von Karten ist zudem die Mitgliedschaft im Fanclub der Nationalmannschaft – Jahresbeitrag: 30 Euro. „Viele empfinden das als Zwangsmitgliedschaft“, sagt Brochier.

Probleme am Flughafen

Für Schwierigkeiten sorgte vereinzelt die sogenannte Fan-Identifikationsnummer (Fan-ID). Sie war erforderlich, um überhaupt ins Land einreisen zu dürfen und dann mit der Eintrittskarte ins Stadion zu kommen. Bei einem deutschen Anhänger leuchtete der Scanner am Stadion-Eingang jedoch rot. „Warum, weiß niemand“, sagt Brochier. Sofort sei dem Fan die ID entzogen worden – wodurch er kein Visum mehr hatte. „Wir konnten dann immerhin organisieren, dass er auf eigene Kosten nach Hause fliegen durfte.“

Ein Fan aus Dresden bekam schon bei der Einreise Probleme. Am Flughafen in Moskau ist er aus bisher unbekannten Gründen 27 Stunden lang festgehalten worden. „Mit ihm ist nur Russisch gesprochen worden. Auch durfte er niemanden anrufen“, sagt Brochier. Schließlich schickten ihn die Russen zurück nach Hause. „Hier läuft noch die Aufarbeitung, was die Hintergründe dafür sind“, so der Fan-Betreuer.

Euphorische Russen

Die Stimmung in Russland sei spätestens nach dem Viertelfinal-Einzug der eigenen Mannschaft euphorisch gewesen. Dabei ist dort Eishockey Volkssport Nummer eins. „Ein Bekannter hat mir Videos von einem großartigen Hupkonzert auf den Straßen Moskaus nach dem Achtelfinal-Sieg geschickt“, sagt Brochier.

Bei den jungen Russen habe große Ungläubigkeit geherrscht. „Bei der WM sind Dinge möglich, die sonst nicht erlaubt sind.“ Dazu zählen zum Beispiel Rauchen und Alkohol-Trinken auf der Straße. Auch Flaggen und Symbole seien sonst verboten. „Nun waren sogar Regenbogenfahnen zusehen“, sagt Brochier. Und in den Metro-Stationen durfte fotografiert werden. „Als ich vor zehn Jahren hier zu Besuch war, musste ich dafür noch eine Geldstrafe zahlen.“ Die jungen Russen hoffen nun, dass diese Offenheit auch nach der WM anhält, so Brochier.

Auch Hansa-Fans bei der WM dabei

Kritisch sahen die Fanbetreuer, dass die Fifa Helferinnen mit „Free-Hugs“-Schilder (dt: „kostenlose Umarmungen“) auf die Straße schickte. „Es war schon bizarr, wenn sich diese jungen Frauen von 50-Jährigen Männernumarmen lassen mussten“, sagt Brochier. Sein Team haben der Fifa gemeldet, dass das so nicht gehe. „Das ist dann zeitnah eingestellt worden.“

Ein paar Hansa-Fans hat Brochier auch getroffen. Und trotz der Enttäuschung über das frühe Aus, zieht er ein positives Fazit. „Meine Reiseneugier auf Russland ist auf jeden Fall gewachsen und ich werde das Land wieder besuchen“, betont der Rostocker. Kasan sei zum Beispiel eine wunderschöne Stadt. „Das war mir vorher nicht so bewusst.“

Wornowski André

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