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Ausreißer Voigt fährt in den Radsport-Ruhestand

Denver Ausreißer Voigt fährt in den Radsport-Ruhestand

Der Dassower ist nach 17 Profi-Jahren vom Rad gestiegen und freut sich nun auf Urlaub.

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Letzter Ausreißversuch: Jens Voigt (l.) beendete bei der USA Pro Challenge seine Radsport-Karriere. Fotos (3): Chris Graythen/Getty Images

Denver. Jens Voigt verneigte sich ein letztes Mal vor dem Publikum, dann verschwand er nach 17 Profijahren von der Radsport-Bühne. Bei einem Cocktail in einem mexikanischen Restaurant in Denver/Colorado ließ der 42-Jährige anschließend seinen letzten Tag als Radprofi ausklingen. Wehmut kam bei dem Dassower nicht auf. „Ich hatte schlimme Stürze und große Triumphe. Meine Karriere ist voller spezieller Momente. Nun gibt es keine Leiden, keinen Stress und keine Sturzgefahren mehr. Ich freue mich auf einen langen Urlaub“, sagte Voigt, nachdem er zum Abschluss der USA Pro Challenge noch einmal eine seiner berühmten Attacken gestartet hatte.

Dass es wie so oft in seiner Karriere nicht zum Sieg reichte, war allenfalls ein Schönheitsfehler. Voigt stand beim Etappensieg des Amerikaners Alex Howes und bei dem Gesamterfolg von Tejay van Garderen (USA) trotzdem im Rampenlicht. Mit einer Krone auf dem Kopf hatte er schon vor dem Start viele Hände schütteln müssen, die Kollegen schenkten ihm nach dem Rennen den „Teufelslappen“

— das rote Signal, das den letzten Kilometer einer Etappe anzeigt — mit den Unterschriften aller Fahrer.

Voigt, der „ewige Ausreißer“ — zum Abschluss präsentierte er sich so, wie er sich über viele Jahre einen Namen gemacht hatte. Als unermüdlicher Kämpfer hatte der Wahl-Berliner immer wieder Fluchtgruppen gebildet. Meistens wurde er eingeholt, was ihn noch beliebter machte, da er sich nie hatte entmutigen lassen und es immer wieder versuchte. Manchmal kam er aber auch durch. 65 Profi-Erfolge zählen die Statistiker. Bei der Tour de France gewann er zwei Etappen und trug zweimal das Gelbe Trikot. Die französischen Fans feierten Voigt noch vor einigen Wochen beim Abschied wie einen ihrer Fahrer. Er gehörte ja auch quasi zum Inventar. Zum 17. Mal hatte er im Sommer teilgenommen, womit er den Rekord von George Hincapie (USA) und Stuart O'Grady (Australien) einstellte.

17 Jahre und viele Anekdoten. Einmal fuhr Voigt 20 Kilometer auf einem Kinderfahrrad, nachdem er seine Rennmaschine bei einem Sturz zerstört hatte und der Materialwagen bereits vorausgefahren war. Es gab auch bittere Momente. 2009 stürzte er bei einer Abfahrt mit Tempo 70 schwer. Zwölf Wochen später saß er wieder im Sattel. „Man darf hinfallen, muss aber auch wieder aufstehen“, so Voigt.

Der Altmeister fuhr aber auch jahrelang während der dunklen EPO-Ära vorne mit. Voigt wurde nie positiv getestet oder des Dopings überführt. Ob er tatsächlich eine weiße Weste hat, weiß nur er selbst.

Im Zuge des Untersuchungsberichts der Anti-Doping-Kommission des französischen Senats musste er 2013 unangenehme Fragen beantworten. Hinterher stellte sich heraus, dass bei ihm keine Nachanalysen durchgeführt werden konnten, weil nicht mehr genügend Urin vorhanden war.

Wie es mit dem sechsfachen Familienvater weitergeht, ist noch nicht genau geklärt. Dem Team Trek soll Voigt in einer noch nicht definierten Position erhalten bleiben.

Nun gibt es keine Leiden, keinen Stress und keine Sturzgefahren mehr.“Jens Voigt

 



Stefan Tabeling

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