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Sportmix Biedermanns goldene Genugtuung
Sportbuzzer Sportmix Biedermanns goldene Genugtuung
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01:45 25.08.2014

Viele Besucher fanden die Atmosphäre im Berliner Velodrom steril, das für 500 000 Euro künstlich installierte Schwimmbecken zu weit weg von den Tribünen. Doch ab und an wurde die EM-Arena der Schwimmer in den vergangenen sieben Tagen doch zum Hexenkessel und beflügelte die Aktiven des Gastgebers. In diesen Momenten sprach DSV-Sportdirektor Lutz Buschkow von Gänsehaut-Atmosphäre — so bei den mitreißenden Männerstaffeln. Am Sonnabend im 4 x 200-Meter-Freistilrennen lautete das Motto: Kommt ein Biedermann geflogen. Gestern gab es dagegen lange Gesichter: Das im Berliner Bären-Kostüm einmarschierte Lagen-Quartett mit Schlussschwimmer Biedermann verpasste als Vierter Bronze um 0,81 Sekunden.

Dem Ex-Weltmeister aus Halle war es vor allem zu verdanken, dass die 4 x 200-Meter-Staffel den zwölften deutschen Titel seit 1926 errang. Die gut 2000 Zuschauer im Velodrom und Millionen an den TV-Schirmen sahen den stärksten Biedermann seit 2009. Der Matchwinner polierte sein angekratztes Image auf und wurde zum Liebling der Massen. Er zündete auf der letzten Bahn den Turbo und führte das schwach gestartete Kraulquartett zum umjubelten Triumph. Die DSV-Staffel war zwar 2,4 Sekunden langsamer als vor zwei Jahren beim vierten Olympiarang von London, doch das reichte anno 2014 zu EM-Gold.

Danach präsentierte sich Biedermann als Teamplayer: „Die Jungs haben toll vorgelegt, es hat Spaß gemacht, mit ihnen zu schwimmen.“ Er sei nicht mehr das Gesicht des deutschen Schwimmsports, sagte der 28-Jährige überraschend. „Das ist jetzt Marco Koch. Ich fühle mich in den Staffeln wohl.“ Die Trainer und Funktionäre waren mit den sechs Becken-Medaillen der Männer zufrieden und versprachen, sich nicht darauf auszuruhen. Dass die Frauen leer ausgingen, veranlasste Bundestrainer Henning Lambertz zu der Feststellung: „Wir haben verlernt, hart zu trainieren. Die Männer können das mit ihrer Athletik besser kompensieren.“

Zum sportlichen Gelingen der fünf Millionen Euro teuren Veranstaltung trugen maßgeblich die DSV-Wasserspringer bei. Allen voran Patrick Hausding, der mit Dreifach-Gold und einmal Silber ebenso einen Rekord aufstellte wie mit seinen 23 EM-Plaketten seit 2008. „Es ist schön, in den Geschichtsbüchern zu stehen. Dass mir zu Hause eine so erfolgreiche EM gelungen ist, freut mich ganz besonders.

Jeder, der mit Wasserspringen in den letzten Jahren etwas zu tun hatte, war in der Halle und hat sich mit mir gefreut“, sagte der 25-Jährige, Als der Sportdirektor gefragt wurde, ob ein Hausding bei den Schwimmern fehlt, verhedderte sich Buschkow ein wenig: „Den gibt es doch — Steffen Deibler.“ Da lag er dann doch daneben. Deibler brachte seine Leistung auf der Langbahn einmal mehr nicht.



Frank Schober

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