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Boxen Starke Auftritte: MV-Duo holt Gold beim Männer-Debüt
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00:00 11.12.2017
Lübeck

Peter Kadiru kletterte mit einem breiten Grinsen aus dem Ring. Ein Schulterklopfen links, ein Selfie mit Fans rechts. Als die ersten Journalisten-Fragen kamen, machte der 20-jährige Zweimeterriese kurz Pause. „Ich muss erst einmal meine Lieben begrüßen.“ Freundin und Cousin – sie alle schloss er tropfnass, aber überglücklich in die Arme. Der Hamburger, der in Schwerin bei Michael Timm trainiert, hatte das Finale der Deutschen Box-Meisterschaften in Lübeck gekrönt und im letzten Kampf (+91 kg) vor 700 Zuschauern den Berliner Alexander Müller vom Berge, souverän ausgeboxt. Nach Gold bei der U-22-EM und bei den Olympischen Jugend-Spielen holte er jetzt bei seiner Elite- Premiere auf Anhieb den Titel.

„Ich wollte Gold, jetzt hab ich es“, war Kadiru zufrieden. Auch Michael Timm: „Das war exzellent. Peter hat gezeigt, dass er nicht nur im Nachwuchs erfolgreich ist. Das war sehr sehenswert. Tolles, sehr feines Boxen.“ Auch mit Mittelgewichtler Artur Beck-Ohanyan, seinem zweiten Schützling im Finale, war Timm zufrieden: „Artur hat ein Klasse-Turnier geboxt, nichts anbrennen lassen.“

Beck-Ohanyan holte sich nach DM-Gold in der U 18, U 19 und U 21 jetzt bei seinem Männer-Debüt den ersten Titel. Im Finale bis 75 kg bezwang er Zemilan Dadaev (Berlin) klar nach Punkten (5:0). „Die erste Elite-Meisterschaft ist schon etwas Besonderes. Doch ich wollte unbedingt Meister werden, habe das Finale sicher nach Hause gebracht“, erklärte der 19-jährige Sportsoldat, der zudem als bester Kämpfer der Titelkämpfe geehrt wurde. 2018 freut er sich auf den Chemie-Pokal in Halle und die Bundesliga-Kämpfe für Schwerin.

Kadiru und Beck-Ohanyan, sie sind nicht nur Deutsche Meister, sie sind auch deutsche Olympia- Hoffnungen für Tokio 2020. Profi Jürgen Brähmer war eigens aus Schwerin geeilt, um sich die Finals anzusehen. „Ich habe besonders auf unsere zwei Schweriner Jungs geschaut. Beide beziehen wir ab und an in unser Training ein. Gerade von Artur erwarte ich in Zukunft eine Menge. Er war klar der bessere Mann und ist ein ganz starker Junge.“ Bundestrainer Timm sieht ihn als Kandidaten für Olympia 2020: „Er wird sich mit Silvio Schierle einen ausstechen.“

Auch Kadiru, den Sohn ghanaischer Eltern, erwartet er in Tokio im Ring. Martin Volke, Referent Leistungssport im Verband und so etwas wie der Teammanager der Nationalmannschaft, sowieso: „Peter ist das größte Talent im Superschwergewicht auf der Welt. Wie er sich im Ring bewegt – das ist der Wahnsinn. Das ist das größte Juwel, das unser Verband hat. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Superschweren erst Ende 30 ihren Leistungshöhepunkt erreichen.“ Um Kadiru nicht zu „verbrennen“, ließ Timm ihn deshalb auch im Spätsommer bei der WM in Hamburg noch nicht in den Ring.

Und wie war Timm mit den Meisterschaften insgesamt zufrieden? „Nach der nicht so berauschenden Vorrunde haben die Finals für alles entschädigt. Obwohl bis auf Hamza Touba im Fliegengewicht das WM-Team nicht am Start war, habe ich einige Kandidaten für Olympia gesehen.“ Wie den Berliner Hamsat Schadalow, Sieger im Bantamgewicht, und „bester Techniker“. Und auch seine Schützlinge begeisterten ihn: „Beide haben meine Erwartungen erfüllt."

Jens Kürbis

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