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Boxen Zwischen Manege und Seilquadrat
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00:01 24.10.2017
Hamburg

Angelo Frank steht auf dem Rücken eines galoppierenden Pferdes. Sein Blick ist hochkonzentriert. Er federt in den Knien und setzt zum Sprung an. Mit einem Rückwärts-Salto landet er in der Manege. Die Anspannung ist vorbei. Der 28-Jährige lächelt ins Publikum. Die rund 200 Zuschauer applaudieren.

Angelo Frank ist Voltigierkünstler im „Circus Europa“, der derzeit in Hamburg-Harburg gastiert. Doch das ist nur die eine Seite im Leben des gebürtigen Hansestädters, der gekonnt zwischen Manege und Seilquadrat wandelt. Denn er ist auch Profiboxer. Zwölf seiner 13 Kämpfe hat der Weltergewichtler (bis 66,678 Kilo) gewonnen, acht davon vorzeitig.

Am Freitag steigt der Hamburger in Schwerin in den Ring. Er boxt im Vorprogramm des Lokalmatadoren Jürgen Brähmer. Der 39 Jahre alte Ex-Weltmeister hat Großes vor: Er kämpft gegen den Amerikaner Rob Brant um den Einzug ins Halbfinale der Ali-Trophy, wo sich die weltbesten Faustkämpfer gegenüberstehen.

Verständlich, dass Angelo Frank hochmotiviert ist. „Ich versuche, meinen besten Kampf abzuliefern“, verspricht er mit Blick auf das Duell gegen den noch ungeschlagenen Georgier Jemal Shalamberidze (22).

Anders als im heimischen Zirkuszelt weiß der Athlet nicht, was ihn im Ring erwartet. „Der Druck beim Boxen ist viel größer“, sagt der junge Mann. Angelo ist ein waschechtes Zirkuskind. Schon als anderthalbjähriger Steppke vollführt er einen Handstand auf dem Stoßzahn eines Elefanten.

Vater Sandro und Mutter Natascha, die aus einer anderen Zirkusfamilie stammt, führen die Firma in fünfter Generation. Von den 28 Angestellten gehören 15 zur Familie. Angelos Frau Nathalie moderiert die Show, sein Bruder Sandro (26) ist Artist, seine Schwester Célina (18) turnt am Trapez und Sohn Louis (6) tritt als Clown auf. Jordan (3), der Jüngste, sitzt während der knapp zweistündigen Veranstaltung im Publikum.

Angelos vierköpfige Familie lebt in einem Wohnmobil. Die Innenausstattung im modernen, rund 35 Quadratmeter großen Heim, ist gemütlich eingerichtet. Auf der hellen Ledercouch liegen die vier Gürtel, die der deutsche Meister und Interconti-Champion stolz präsentiert. Zwei der Prachtstücke hat er bei Kampfabenden im eigenen Zirkuszelt gewonnen. Die Pokale und Medaillen bewahrt er in einem Hängeschrank über der Spüle auf.

Auf Initiative seines Onkels Wolfgang Lauenburger bestreitet Angelo als 14-Jähriger seinen ersten Kampf – und wird auf Anhieb Saarlandmeister. Es geht stetig bergauf. Er boxt als Amateur in der Oberliga, in der zweiten Liga und in der Bundesliga – und wird jeweils Meister. 2012 schaltet er bei den deutschen Meisterschaften Titelverteidiger Artem Harutyunyan (Olympia-Dritter von 2016) aus.

Im Rahmen der internationalen Box-Liga WSB kämpft er für die deutsche Auswahl in Algerien.

2015 beendet er seine Amateurkarriere und heuert beim Berliner Wiking-Boxstall an. Wochentags trainiert er in der Hauptstadt beim Greifswalder Coach Hartmut Schröder. An den Wochenenden tritt er im Zirkus auf. Seine Familie steht hinter ihm. „Natürlich fehlt er uns“, sagt Vater Sandro. „Wir müssen seine Arbeit machen, aber das machen wir gern.“ Er sei „unheimlich stolz“, wie weit es sein Filius schon gebracht hat.

Manege oder Boxring? Angelo Frank, der zwölf seiner 13 Profikämpfe gewonnen hat, mag sich nicht entscheiden. Beide Geschäfte seien hart, aber unheimlich schön. Der Modellathlet liebt das Zirkusleben, das ständige Reisen ebenso wie die Arbeit mit Tieren – allen voran Max, sein Lieblingspferd, auf dem er schon als Kind geritten ist. „Wir stehen morgens um halb sieben auf. Bevor einer von uns einen Kaffee trinkt oder etwas isst, werden die Tiere versorgt“, berichtet der Mann, der auch als Sportler noch viel vor hat.

Sein nächstes Ziel ist die Europameisterschaft. Danach soll es Richtung WM gehen. Frank träumt von einem Kampf in Amerika, an besten in Las Vegas. „Alle, die einen großen Namen tragen, haben dort geboxt – Muhammad Ali, Mike Tyson, Óscar de la Hoya, Roy Jones junior ... Das sind alles meine Vorbilder“, erzählt Angelo Frank.

Die Ausbildung im Zirkus komme seinem Schützling im Sport zugute, sagt Chef-Wikinger Winfried Spiering. „Er hat eine viel bessere Athletik als Durchschnittsboxer“, meint der gebürtige Greifswalder.

Den Beweis liefert Angelo Frank in der Manege. Im Stile eines Spitzenturners verabschiedet er sich mit Handstand-Überschlag und Salto vom Publikum. Sonnabend beginnt die nächste Show. Im Rampenlicht steht er bereits einen Tag zuvor – als Boxer in Schwerin.

Stefan Ehlers

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