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Sportmix Brähmer: Champions League oder Karriereende?
Sportbuzzer Sportmix Brähmer: Champions League oder Karriereende?
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00:00 13.06.2017
Schwerin

Jürgen Brähmer schaut auf die Uhr. Es ist 11.14 Uhr. Das Training hätte vor 14 Minuten beginnen sollen. Doch sein Schützling Tyron Zeuge lässt auf sich warten. Ungeduldig läuft Brähmer die Stufen der Boxhalle herunter in Richtung Eingangstür. Er hasst Unpünktlichkeit. „Da kriege ich schlechte Laune.“

Endlich kommt Zeuge, 25, durch die Tür. Er begrüßt seinen Coach, erklärt kurz die Verspätung (Unfall auf der A 19) und verschwindet in der Umkleidekabine. „Gib Gas!“, fordert der 38 Jahre alte Brähmer.

Fünf Minuten später eilt Zeuge die Treppen hinauf. Beim Gehen macht er sich die Jacke zu. Den silberfarbenen Koffer, den er bei seiner Ankunft in der rechten Hand trug, hat er in der Kabine gelassen.

Darin befindet sich der WM-Gürtel.

Tyron Zeuge ist der einzige deutsche Box-Weltmeister. Am Sonnabend verteidigt er seinen WBA-Titel im Supermittelgewicht gegen den Briten Paul Smith. Ein Erfolg von Zeuge in Wetzlar ist sowohl für Sauerland als auch für das deutsche Boxen immens wichtig. „Es geht um Alles!“, meint Jan Kucht, Sprecher des in Hamburg ansässigen Boxstalls.

Zeuge gibt sich entspannt: „Ich mache mir keinen Druck. Ich boxe für mich. Der Titel bleibt bei mir!“ Auch Jürgen Brähmer, der den Berliner seit 17 Monaten in Schwerin betreut und zum Champion machte, spielt die Bedeutung des Duells herunter. „Der Druck, den ich ihm mache, ist größer. Bei mir kann er körperlich spürbar werden“, scherzt der Ex-Weltmeister.

Brähmer und Zeuge absolvierten in Vorbereitung des Smith- Kampfes sogar gemeinsames Sparring. Und wer hat gewonnen? „Ich natürlich!“, behauptet Zeuge und lacht. Ernsthaft fügt er hinzu: „Wir hauen uns ja nicht die Köpfe ein.“

Blutig ging es in seinem Gefecht Ende März in Potsdam gegen Isaac Ekpo zu. Zeuge erlitt durch einen Kopfstoß des Nigerianers einen tiefen Cut am Auge. Das Duell wurde abgebrochen. Zeuge behielt seinen Titel. „Der Kampf war nicht schön, aber lehrreich“, meint Brähmer. „Ob Ekpo oder Smith – die muss Tyron deutlich schlagen. Einen Plan B gibt es nicht“, sagt der gebürtige Stralsunder, der eine Rückkehr als Aktiver plant. Er habe vergangene Woche Gespräche geführt und warte nun auf Rückantwort, berichtet Brähmer, der seinen Titel vor gut acht Monaten verletzungsbedingt an den Waliser Nathan Cleverly verloren hatte. „Wenn es etwas wird, wird es etwas Großes.“

Plant Brähmer den Einstieg in die Champions League? Ab September kämpfen die besten Boxer in der millionenschweren World Boxing Super Series in zwei Gewichtsklassen (Supermittel und Cruiser) um die Muhammad- Ali-Trophy. Jeweils acht Boxer kämpfen im K.o.-Format um den Sieg. Rund 50 Millionen US-Dollar (47 Millionen Euro) Preisgeld versprechen die Organisatoren. Teilnehmen können alle Weltmeister der großen Verbände WBA, WBC, WBO und IBF sowie die Top-15 der jeweiligen Ranglisten.

Brähmer ist begeistert. „Das ist eine Superidee.“ Eine Teilnahme ließ er dennoch offen. Das müsse er auch mit seiner Lebensgefährtin Tatjana besprechen, machte der zweifache Familienvater deutlich.

„Es muss passen“, sagt Brähmer. Und falls nicht? „Dann nicht.“

Im Klartext: Dann wäre für den Schweriner, der ein eigenes Gym baut und neben Zeuge mit Araik Marutjan und Denis Radovan zwei weitere Top-Talente coacht, Schluss.

Stefan Ehlers

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