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„Das Schlachtschiff hat ein paar Einschusslöcher“

Bremen/Rostock „Das Schlachtschiff hat ein paar Einschusslöcher“

Uwe Reinders wird 60. Mit viel Witz erinnert sich der Trainer an das unvergessene Double mit Hansa Rostock und sein Einwurf-Tor.

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Uwe Reinders.

Quelle: Rainer Schulz

Bremen. Selbst sein fortgeschrittenes Alter und die gesundheitlichen Probleme nimmt Uwe Reinders mit Humor. „Ich sach ma so: Das Schlachtschiff hat ein paar Einschusslöcher“, sagt er: „Heute Morgen wollte ich mich wie ein 25-Jähriger aus dem Bett rollen, aber irgendjemand muss mich festgehalten haben . . .“ 60 Jahre alt wird der frühere Bremer Bundesligaspieler und Meistertrainer von Hansa Rostock am Montag, ganz spurlos ging die intensive Zeit nicht an ihm vorbei. „Ich habe Probleme mit dem Herzen, nehme Tabletten“, sagt Reinders: „Mir geht es nicht ganz so gut.“

Der traurige Niedergang seines Ex-Klubs Hansa sei auch nicht gerade herzschonend, gibt der gebürtige Essener zu: „Ich sitze jeden Samstag um 14 Uhr vor dem Fernseher und drücke Rostock die Daumen. Die Gefahr, dass Hansa absteigt und von der Bildfläche verschwindet, ist sehr groß.“

Reinders war einer der ersten westdeutschen Trainer, die nach der Wende in der DDR gearbeitet haben. Es war, als würde er in eine andere Welt tauchen. Bei seinem Dienstantritt am 1. Juli 1990 standen seine Spieler in Reih und Glied, um ihn mit einem kräftigen „Sport frei!“ zu begrüßen. „Ich habe die Jungs gefragt, ob sie vielleicht noch auf einen General warten würden“, sagte Reinders. Um Vertrauen zu schaffen, gab er jedem Spieler seine Telefonnummer. Zu seinem Erstaunen bekam er nie einen Anruf. Denn keiner seiner Profis besaß

damals ein Telefon. „Wenn die mich benachrichtigen wollten, mussten sie trommeln“, schmunzelte Reinders.

Mit seiner lockeren Art traf er bei den Spielern den richtigen Ton. Er schuf einen verschworenen Haufen mit Kapitän Juri Schlünz an der Spitze. Als krasser Außenseiter feierte Hansa in der letzten Oberliga-Saison mit dem Sensations-Double aus Meistertitel und Pokalsieg den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Hansa überraschte auch in der Bundesliga. Nach sieben Spieltagen und unter anderem einem 2:1 bei den Bayern stand Rostock an der Tabellenspitze. Doch dann wurde Hansa durchgereicht, und Reinders musste gehen. Die schönen Erinnerungen aber sind geblieben.

„Wenn jemand mal gegen Bayern gewinnen will, soll man mich anrufen oder besser gleich als Trainer einstellen“, sagt Reinders. „Ich weiß ja, wie es geht.“ Auch mit gefährlichen Einwürfen kennt er sich aus. Das legendäre Einwurf-Tor im August 1982 gegen Bayern-Torwart Jean-Marie Pfaff wird den Ex-Werder-Profi für immer begleiten.

„Für Pfaff war das peinlich“, erinnert sich Reinders: „Da macht ein Weltklasse-Keeper sein erstes Spiel für Bayern — und dann verliert er wegen so einer Krücke.“

Seine Kodderschnauze hat er sich bewahrt. Ob ihn sein Mundwerk eine größere Karriere gekostet habe, darüber will der viermalige Nationalspieler nicht nachdenken. Seine Gäste bei der F amilienfeier mit Grünkohl und Pinkel dürften am Montag jedenfalls gut unterhalten werden. Jörg Soldwisch

 



OZ

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