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Sportmix Der Eisenmann wird weich
Sportbuzzer Sportmix Der Eisenmann wird weich
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03:54 31.08.2013
Kugelstoß-Altmeister Ralf Bartels mit dem zweimaligen Weltmeister David Storl (v.l.). Quelle: Imago
Rostock

Der Tag des Abschieds aus den großen Sportarenen ist gekommen. Am Sonntag stößt Ralf Bartels beim Istaf im Berliner Olympiastadion zum letzten Mal die Kugel vor großer Kulisse. Nach fast 15 Jahren in der Weltspitze legt der Neubrandenburger das Eisen nach der Saison endgültig aus der Hand.

„Ich werde nicht in Tränen ausbrechen, aber die Emotionen werden schon da sein“, ist der 35-Jährige sicher. „Wahrscheinlich kommen sie aber erst sehr viel später, nach der Saison. Dann wird man schon etwas vermissen.“

Ausgerechnet im letzten Jahr seiner Karriere lief nicht alles so, wie sich der gebürtige Stavenhagener seinen Abschied insgeheim vorgestellt hatte. Die WM in Moskau verpasste er, weil er die Qualifikationsnorm nicht packte. Der Europameister von 2006, dessen Hausrekord bei 21,37 Meter steht, kam in diesem Jahr nur noch selten über die 20-Meter-Marke. „Da bin ich ehrlich zu mir selbst:

Mit meinen Saisonergebnissen wäre ich bei der WM wahrscheinlich gar nicht durch die Quali gekommen“, räumt der achtmalige deutsche Meister ein. „Und Tourismus wollte ich auch in meinem letzten Jahr nicht betreiben.“ Irgendeine innere Blockade verhinderte, dass er seine Trainingsleistungen in seinem Abschiedsjahr nicht im Wettkampf umsetzen konnte. „Ich hatte 20,50 Meter drauf“, versichert Bartels, „aber ich konnte es leider nie zeigen“.

Gerade unter diesen Umständen freut es ihn, dass er am Sonntag noch einmal in einem Klassefeld unter anderem mit Doppel-Weltmeister David Storl (Chemnitz) stoßen darf. „Ohne Weite passiert es schnell, dass man da nichts zu suchen hat. Insofern bin ich froh, dass ich dort starten darf.“ Nach deutlich reduziertem Training will er etwa 19,50 Meter weit stoßen. „Ich mache die letzten Wettkämpfe zwar noch mit dem nötigen Ernst, aber vor allem zum Genießen und um Spaß zu haben“, sagt Ralf Bartels, der in seiner Karriere acht internationale Medaillen gewonnen hat. Nur olympisches Edelmetall fehlt in seiner beachtlichen Sammlung. 2004 wurde er Achter, 2008 in Peking verletzte er sich vor dem Start, im vorigen Jahr in London verpasste er gehandicapt von einer Knieverletzung das Finale.

„Es war eine gute Karriere, in der ich viel erlebt habe“, sagt der Mecklenburger, der ab Oktober an der Trainerakademie in Köln die A-Lizenz erwirbt. Anschließend kann sich der Sportsoldat eine Karriere als Coach bei der Bundeswehr vorstellen, später vielleicht sogar als Kugelstoß-Bundestrainer.

Vorher wird er bei kleinen Meetings noch einmal die Kugel wuchten. Auch in MV sagt er sportlich Tschüs: Zusammen mit David Storl und der WM-Zweiten Christina Schwanitz geht er am 8. September beim launigen „Strandkugelstoßen“ in Binz an den Start.

Kai Rehberg

OZ

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