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Der deutsche „Herr der Ringe“

Thomas Bach ist am Ziel: Der Olympiasieger von 1976 ist als neunter IOC-Präsident auf dem Gipfel Der deutsche „Herr der Ringe“

Thomas Bach feiert im Wahlfinale einen souveränen Zweitrundensieg und wird zum Nachfolger des scheidenden Belgiers Jacques Rogge gewählt.

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Der neue IOC-Präsident Thomas Bach (59) bei seiner Antrittsrede.

Quelle: Getty Images

Buenos Aires. „Uff!!!“ Die Erleichterung war förmlich spürbar, als Thomas Bach gestern nach seiner Wahl zum neunten Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees vor die Mikrofone trat. Dann bedankte sich der 59-jährige Jurist, der im zweiten Wahlgang mit 49 von 93 abgegebenen Stimmen zum Nachfolger des aus dem Amt scheidenden Belgiers Jacques Rogge gewählt wurde, in sieben Sprachen bei den IOC-Mitgliedern. „Ich will aus tiefem Herzen meinen Freunden danken. Das ist ein überwältigendes Zeichen des Vertrauens. Ich weiß um die große Verantwortung eines IOC-Präsidenten. Ich werde mein Allerbestes tun“, sagte der Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim, der als erster Deutscher auf dem Gipfel der Macht angekommen ist. Die Gratulationen aus der Heimat folgten prompt. „Glück, Geschick und Sportsgeist“ wünschte Bundespräsident Joachim Gauck dem neuen IOC-Präsidenten.

22 Jahre nach seiner Aufnahme ins IOC als ambitionierter Advokat hat Bach den Olymp erklommen. Willi Daume war 1980 bei seiner Bewerbung gescheitert. Der neue IOC-Präsident wurde für acht Jahre gewählt mit einer Option auf weitere vier Jahre. In einer ersten Stellungnahme rief er den Mitgliedern zu: „Ihr müsst wissen, meine Tür, meine Ohren und mein Herz sind immer offen.“

„Der neue Präsident wird die beste Zeit seines Lebens haben“, hatte Rogge bereits vor der Eröffnung der 125. IOC-Vollversammlung prophezeit. Der 71-Jährige muss es wissen — er war zwölf Jahre im Amt. Bach will sich ganz auf seine neue Herausforderung konzentrieren. Bereits auf der nächsten Präsidiumssitzung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am 16. und 17. September in Frankfurt will er von seinem Posten als DOSB-Chef zurücktreten.

„Es ist schade, weil wir einen großartigen DOSB-Präsidenten verloren haben, aber großartig, dass wir einen IOC-Präsidenten aus Deutschland gewonnen haben. Wir werden jetzt völlig unaufgeregt seine Nachfolge im DOSB klären“, kündigte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper an.

Statutengemäß wird Hans-Peter Krämer, DOSB-Vize für Finanzen, das Amt interimsmäßig bis zur nächsten Mitgliederversammlung am 7. Dezember in Wiesbaden übernehmen, auf der dann die neue DOSB-Spitze gewählt werden soll.

Für eine mögliche Kandidatur Münchens um die Olympischen Winterspiele 2022 ist seine internationale Beförderung eher eine gute Nachricht. Bis 14. November müssen erste Bewerbungsunterlagen beim IOC eingereicht werden.

Der deutsche Spitzenfunktionär setzte sich im zweiten Wahlgang souverän mit 49 Stimmen vor Richard Carrion aus Puerto Rico (29), Ser Miang Ng aus Singapur (6), dem Schweizer Denis Oswald (5) und Sergej Bubka aus der Ukraine (4) durch. Wu Ching-Kuo aus Taiwan war bereits in der ersten Wahlrunde auf der Strecke geblieben. Die Verlierer verließen geknickt den Saal. „Natürlich bin ich enttäuscht. Aber das muss man akzeptieren. Man muss Thomas Bach jetzt Zeit und Raum geben, sein Team aufzustellen“, sagte Carrion.

Bach hat vor seinem Aufstieg zehn Jahre unter Rogge als IOCVize gewirkt, in 14 Kommissionen mitgearbeitet und immerhin 15 Jahre in der Exekutive den Kurs der Welt-Organisation mitbestimmt. Der Olympiasieger von 1976 mit der Florett-Mannschaft lernte dadurch viele Facetten des Premiumprodukts Olympia kennen, die ihn jetzt zu einer „logischen Wahl“, so IOC-Ehrenmitglied Walther Tröger, machten.

Auf den neuen starken Mann kommen zahlreiche Herausforderungen zu. Die Winterspiele in knapp fünf Monaten in Sotschi sind durch drohende Terroranschläge, Menschenrechtsverletzungen und das heftig kritisierte Anti-Homosexuellen-Gesetz in Russland schwer belastet. Bauverzögerungen in Rio de Janeiro sorgen das IOC vor dem Ringe-Spektakel 2016 an der Copacabana. Es gibt viel zu tun.

Bach fühlt sich bereit.

Ihr müsst wissen, meine Tür, meine Ohren und mein Herz sind immer offen.“IOC-Präsident

Thomas Bach

REAKTIONEN
Bundeskanzlerin Angela Merkel: Ihre Wahl in dieses sportpolitisch bedeutendste Amt zeigt eindrucksvoll, welches Ansehen und Vertrauen Sie innerhalb der olympischen Familie genießen.

Lorenz Caffier, Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern: Die Wahl des DOSB-Präsidenten in diese herausragende Position sehe ich als große Anerkennung der langjährigen, herausragenden Verdienste für den internationalen Sport und als Würdigung der persönlichen Integrität von Thomas Bach. Zugleich ist diese Wahl auch eine weitere Bestätigung für den großartigen Ruf, den sich die Bundesrepublik Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten im internationalen Sport erworben hat.

Wolfgang Remer, Präsident des Landessportbundes: Das ist schön für den deutschen Sport, dass Thomas Bach als IOC-Präsident gewählt wurde. Andererseits stellt sich die Frage, wie es im DOSB weitergehen soll. Er hinterlässt eine Lücke, die nicht so einfach zu schließen ist.

Joseph Blatter, Fifa-Präsident: Er hat meine und die volle Unterstützung des Fußballs. Ich freue mich, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Clemens Prokop, Präsident Deutscher Leichtathletik-Verband: Er steht vor vielen Herausforderungen — Kampf um Glaubwürdigkeit des Sportes und gegen Doping, Reform der Spiele, weg vom Gigantismus.

 

Sven Busch

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