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Deutsche Handballer vor dem Einzug ins WM-Achtelfinale

Doha Deutsche Handballer vor dem Einzug ins WM-Achtelfinale

Zweiter Sieg im zweiten Spiel: 27:26 gegen Russland. Deutliche Steigerung nach der Pause.

Doha. Noch zehn Sekunden. Der letzte russische Angriff. Und die Deutschen sind in Unterzahl. Pawel Atman spielt einen Pass auf Rechtsaußen, doch der landet im Nirwana. Mit einem Jubelschrei springt die komplette deutsche Bank auf, rast aufs Feld. Ein Freudentanz. Deutschlands Handballer stehen nach dem zweiten WM-Sieg, dem 27:26 (9:13) über Russland, so gut wie im Achtelfinale. Und das nach einem Spiel, in dem sie zwei Gesichter zeigten. „Das war eine komische Partie“, befand Bundestrainer Dagur Sigurdsson, „wir hatten nach der Pause mehr Biss, haben attackiert. Das war‘s.“ Und er lächelte erleichtert.

Zur Pause war er noch mit grimmigem Blick in die Arena-Katakomben gestiefelt. Der Isländer hatte die bis dato schlechtesten 30 Minuten in seiner kurzen Amtszeit erlebt. Nach dem tollen Spiel gegen Polen waren seine Jungs nicht wiederzuerkennen. Es war nicht das Ergebnis, das 9:13, sondern das Wie. Im Angriff beweglich wie eine Standuhr, dazu einfallslos, ohne Rhythmus. Nur zwei Tore aus dem Rückraum bis zur Pause — viel zu wenig.

„Wir sind nicht in die Tiefe gegangen, haben zu viel quer gespielt“, analysierte Patrick Groetzki später. Die phlegmatischen Angriffe der Deutschen prallten so an der russischen 3-2-1-Gummiwand immer wieder ab. Auch das Überzahlspiel — ein Auf und Ab. Mal funktionierte es, mal nicht. „Uns hat da die letzte Konsequenz gefehlt“, gab Martin Strobel zu.

Die Deutschen rannten dadurch lange hinterher. Beim 6:6 (16. Minute) durch Uwe Gensheimer waren sie das letzte Mal auf Augenhöhe, beim 8:12 (29.) lagen sie klar zurück. „Wir waren völlig verunsichert, da haben zehn bis zwanzig Prozent gefehlt“, sagte Käpitän Uwe Gensheimer. Ins triste Bild passte die Kulisse: Gerade mal 500 Fans schauten zu.

Zur Pause konnte nur ein „Hallo wach“ helfen. Oder ein Zaubertrank. Den gab es offenbar. Denn die Deutschen waren plötzlich da. Zweimal Wiencek, zweimal Groetzki und Drux — ein fünfminütiger Donnerhall zum 14:14. Groetzki: „Das war das Signal. Hey, Leute! So geht‘s.“ Der Nachschlag: Stefan Kneer sorgte mit einem Tempogegenstoß zum 18:17 (41.) für die erste Führung. Und die 150 deutschen Fans skandierten lautstark: „Jetzt geht‘s los.“ Doch es blieb ein zähes Ringen, aber mit einer nun um Klassen besseren Offensive. Schnell im Umkehrspiel mit Groetzki, erfolgreich in Unterzahl mit Kraus, cool und abgezockt mit dem als besten Spieler ausgezeichneten Gensheimer. Sehenswert und wichtig: sein Dreher um Russen-Keeper Oleg Grams zum 26:24 (55.). Als Carsten Lichtlein — ab der 43.

Minute zwischen den Pfosten — zweimal glänzend parierte, schien das deutsche Team auf Kurs, doch die Russen hatten doch noch die Chance zum Ausgleich. Doch dann passte Atman auf Außen.

 



Jens Kürbis

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