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Die Abwehrdebatte bleibt auch ohne Gegentore erhalten

München Die Abwehrdebatte bleibt auch ohne Gegentore erhalten

DFB-Kicker weiter auf der Suche nach der idealen Formation. Ein Zu-null—Spiel macht noch keinen Sommer. Morgen Abend WM-Quali auf den Färöern.

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Per Mertesacker (r.) stoppt den österreichischen Angreifer Martin Harnik; im Hintergrund Sami Khedira.

Quelle: Imago

München. Es sind merkwürdige Zeiten. Mitte August, nach einem 3:3 gegen Paraguay, schien sich die Fußball-Nation darauf vorzubereiten, dass es Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft ohne mindestens ein Gegentor nicht mehr geben wird. Es sei denn, Bundestrainer Joachim Löw steckt Jürgen Kohler und Karlheinz Förster, die alten Haudegen aus dem Zeitalter der Vorstopper, in eine Verjüngungsmaschine.

Anfang September und nach dem 3:0 im WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich tun einige so, als habe Löw das geheime Kein-Gegentor-Mittel entdeckt. Die „Bild am Sonntag“ fragte mit Blick auf das neue Innenverteidigerpaar Jérome Boateng und Per Mertesacker bereits: „Ist das schon unsere WM-Abwehr?“

Die Erleichterung, erstmals seit dem 22. März und dem 3:0 in Kasachstan kein Gegentor kassiert zu haben, führt zu einem Optimismus, der so wenig angebracht ist wie die Weltuntergangsstimmung nach 20 Gegentoren in zwölf Spielen seit der EM 2012.

Löw sprach von erledigten Hausaufgaben. „Wir waren ein paar Tage länger zusammen als im August, wir haben an verschiedenen Dingen gearbeitet auf dem Platz und haben über manche Dinge gesprochen“, sagte der Bundestrainer. Ein bisschen arbeiten, ein bisschen reden, schon ist Deutschland hinten wieder dicht? Ist es wirklich so einfach?

Löw hat bei Vorbereitungen auf große Turniere bewiesen, dass er eine Mannschaft stabilisieren kann, wenn er Zeit bekommt und die Profis nicht nach wenigen Tagen zurück zu ihren Klubs schicken muss.

Auf dem Lehrplan vor dem Österreich-Spiel und der morgigen Begegnung auf den Färöern stand das, was Löw „offensives Verteidigen“ nennt. Er will, dass der Gegner bereits in dessen Hälfte angegriffen wird — gegen die Österreicher teilweise erfolgreich zu sehen. Aggressivität und Intensität erfordert diese Spielweise, beides hat Löw beim 3:0 imponiert. Aber klappt das auch gegen stärkere Mannschaften? Und birgt das frühe Stören nicht das alte Risiko, von besseren Stürmern ausgekontert zu werden? Das bleibt weiterhin ungeklärt, Österreich war — überraschend — zu schwach, um ein ernsthafter Maßstab zu sein, die Färöer-Kicker werden es noch weniger sein. Und deshalb ist es ein wenig voreilig, das Duo Mertesacker/Boateng zum Schrecken aller Stürmer auszurufen. Man ahnte bereits gegen Österreich, dass ihnen dribbelstarke Angreifer auch in Zukunft Probleme bereiten werden, von Schwierigkeiten beim Spielaufbau ganz zu schweigen. Ob Löw richtig liegt mit seinen Vorbehalten gegen den Dortmunder Mats Hummels, muss sich erst noch herausstellen.

Löw betonte, dass er ein „großer Fan von Mats Hummels“ sei, was bemerkenswert ist, denn das Verhältnis der beiden gilt als verkrampft. Hummels wurde in der Vergangenheit vom Bundestrainer immer mal wieder kritisiert, gefühlt mehr als andere Spieler.

In München hatte Löw eine leichte Argumentation mit dem berechtigten Hinweis, dass der Dortmunder „noch nicht die Sicherheit vom letzten Jahr“ hat. Was aber, wenn Hummels — und wer zweifelt daran? — bald wieder in überragender Form spielt? Kann es sich Löw dann leisten, seinen besten Aufbauspieler in der Abwehr-Viererkette draußen zu lassen? Die Abwehrdebatte wird Deutschland also erhalten bleiben. Auch ohne Gegentore.

TV: morgen, 20.45 Uhr, ARD

Wir haben an Dingen auf dem Platz gearbeitet und über Dinge gesprochen.“Bundestrainer

Joachim Löw (53)

 

Heiko Rehberg

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