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Sportmix „Du lebst in unseren Herzen weiter“
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00:07 12.01.2015
Ein 1,70 Meter hohes Porträt des verstorbenen Boxtrainers Fritz Sdunek steht bei der Trauerfeier auf dem Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf neben dem Sarg in einem Boxring. Fotos (5): Marcus Brandt/dpa

Die letzten Töne des Frank-Sinatra-Klassikers „My Way“ sind gerade erst verstummt, als Vitali Klitschko ins Seilquadrat klettert. Er geht zum Rednerpult — und schweigt — sekundenlang. Der Hüne kämpft mit Tränen. Es ist Zeit, um Abschied zu nehmen. Abschied von seinem Trainer Fritz Sdunek. Klitschko schaut auf den schlichten, hellen Sarg, der vor ihm steht. Er blickt in Hunderte traurige Gesichter. Dann wendet er sich an die Familie des Verstorbenen. Mit den Worten „Wir verlieren einen Teil von uns selbst. Wir fühlen uns einsam“, beginnt der frühere Schwergewichts-Weltmeister seine bewegende Trauerrede. Klitschkos Worte gehen unter die Haut. Gänsehaut pur.

Rund 500 Gäste haben sich am Sonnabend in der Fritz-Schumacher-Halle auf dem Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf getroffen, um des legendären Boxtrainers Sdunek zu gedenken. Neben Klitschko, der den gebürtigen Lüssower liebevoll „Papa Fritz“ nannte, tragen sich auch Henry Maske, Dariusz Michalczewski, Sebastian Zbik, Arthur Abraham, Károly Balzsay, Artur Grigorian, Olympiasieger Andreas Zülow, Richard Nowakowski, Dieter Berg, die Trainer Ulli Wegner, Manfred Wolke, Otto Ramin, Karsten Röwer und Michael Timm sowie die Promoter Kalle Sauerland und Ulf Steinforth in die Kondolenzbücher ein.

Zu Musik von Unheilig („Geboren um zu leben“) und Tina Turner („Simply the best“) gedenken sie noch einmal der gemeinsamen Momente mit dem Weltmeistermacher.

„Heute vor genau einem Jahr waren wir anlässlich meines fünfzigsten Geburtstages zusammen. Das war für mich eine große Ehre. Dass ich ein Jahr später bei seiner Trauerfeier dabei bin, war nicht zu erwarten“, sagt „Gentleman“ Henry Maske.

Welch hohen Stellenwert Sdunek in der Box-Szene genießt, macht der große Andrang deutlich. Die Zeremonie muss auf Bildschirme in Nebenräumen übertragen werden.

Sduneks Sarg steht in einem Boxring, flankiert von einem Blumenmeer. Daneben ein 1,70 Meter hohes Bildnis des gebürtigen Lüssowers in typischer Pose . Mit Sdunek verliert die Boxwelt einen erfolgreichen Trainer. Die Familie ihr Oberhaupt.

„Meine Liebe, mein Leben, mein Schmerz. Wir seh‘n uns, mein Schatz“, heißt es im letzten Gruß von Sduneks Ehefrau Carola (64), die er 1974 kennen- und lieben lernte. „Papa, ich liebe dich. Du bist mein ganzes Herz“, schrieb Tochter Kati (39), die Sdunek mit ihren Kindern Delia und Can zum stolzen Opa machte. Und Sohn Mario Reich (46) versichert: „Im Herzen bleibst du bei mir.“

Eine ganz besondere Widmung hatte auch der frühere Schwergewichts-Champion Juan Carlos Gomez für seinen Ex-Schwiegervater parat. „Dich zu kennen und zu lieben, war eins“, schrieb der gebürtige Kubaner auf Boxhandschuhe.

„Fritz, du bist nicht gestorben, du bleibst bei uns, in unseren Gedanken an dich“, sagt Vitali Klitschko. Der 43 Jahre alte Ukrainer, der heute als Bürgermeister seiner Heimatstadt Kiew in der Politik kämpft, hatte 1996 gemeinsam mit seinem Bruder Wladimir (38) beim Hamburger Universum-Stall seine Profikarriere gestartet — mit Sdunek als Cheftrainer. Anders als sein Bruder, der 2004 zu Emanuel Steward wechselte, hatte Vitali alle seine 47 Profikämpfe mit Sdunek in der Ringecke bestritten. „Fritz war ein großer Trainer. Er hatte die Begabung, ein Freund zu sein für alle Menschen.“

Sdunek war immer für seine Sportler da. Dabei hatte der Erfolgscoach in den zurückliegenden Jahren zunehmend mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Er besiegte den Hautkrebs und kehrte nach einer Hüftoperation an den Ring zurück. Doch seinen letzten Kampf konnte er nicht gewinnen. Fritz Sdunek starb am 22. Dezember an den Folgen eines Herzinfarkts. Die Urnenbeisetzung findet zu einem späteren Zeitpunkt im Kreise der Familie statt. Ein Paar Boxhandschuhe, auf denen rund 15 Schützlinge und Trainer ihre Namen hinterlassen hatten, sollen ihm bei der Feuerbestattung mitgegeben werden.

„Du bleibst in unseren Herzen für alle Ewigkeit. Danke!“, sagt Vitali Klitschko zum Abschied. Dann klettert er aus dem Boxring. Mit seiner Ehefrau Natalia tritt er wenig später noch einmal an den Sarg und legt zwei rote Rosen ab. Es ist ein letzter Gruß.



Stefan Ehlers

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