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07:43 09.05.2018
Für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft geht es gegen Südkorea um die Minimalchance aufs Viertelfinale. Quelle: Petr David Josek/ap
Herning

Olympia-Silber war einmalig. Zehn Wochen nach dem dramatischen Finale von Pyeongchang ist das deutsche Eishockey zurück in der Realität und muss bei der Weltmeisterschaft in Dänemark sogar den Absturz in die Zweitklassigkeit fürchten.

Gegen den klaren Außenseiter Südkorea benötigt die Auswahl von Bundestrainer Marco Sturm am Mittwoch (16.15 Uhr) Punkte, um die Abstiegsgefahr zu vermeiden. Nur mit einem Sieg wird auch die theoretische Chance auf das dritte WM-Viertelfinale in Serie gewahrt. „Wir wussten, dass die WM eine große Herausforderung wird“, sagte der 39-jährige Sturm.

Der Umbruch im Nationalteam ist schwieriger als gedacht, das hat aber auch nachvollziehbare Gründe. Insgesamt 17 Ausfälle durch Rücktritte, Absagen und Verletzungen musste Sturm verdauen. Er muss die zurückgetretenen Leistungsträger Christian Ehrhoff (35), Marcel Goc (34) und Patrick Reimer (35) ersetzen. Ihr Fehlen hätte ein ansonsten komplettes Sensationsteam von Pyeongchang womöglich auffangen können, nicht aber das WM-Team mit nur zehn Silbergewinnern. Derart zahlreiche Ausfällen hatte selbst Sturm nicht einkalkuliert.

Dass die Meisterentscheidung in der Deutschen Eishockey Liga für München erst im siebten Finale gegen Berlin fiel, machte die Zusammenstellung des Kaders und die Vorbereitung noch komplizierter. „Es ist in letzter Zeit vieles zusammengekommen. Es war auch nicht alles so geplant, wie wir aufgestellt sind“, sagte Sturm. Verbandschef Franz Reindl nannte auch „Erschöpfungszustände“ als Grund für die Absagen. „Die, die da sind, wollen unbedingt spielen. Das ist doch besser, als angeschlagene Spieler zu überreden, mitzufahren.“

Früh hatte Sturm nach dem größten Erfolg der deutschen Eishockey-Geschichte begonnen, vor zu hohen Erwartungen zu warnen, und auch an die Vergangenheit erinnert. 1976 nach Olympia-Bronze war Deutschland fast in die B-Gruppe abgestiegen.

Das Wunder von Pyeongchang war mit gleich elf Spielern über 30 Jahren gelungen. In Dänemark versucht nun ein Team mit 13 Spielern, die 25 Jahre oder jünger sind, an die Erfolge anzuknüpfen. Acht WM-Debütanten hat Sturm eingesetzt, er plant auch für die Zukunft. Das Leistungsgefälle ist groß, manch ein Spieler stößt an Grenzen. „Es funktioniert noch nicht so wie bei den letzten Turnieren“, sagte Silbergewinner Yannic Seidenberg. Olympia-Teamkollege Moritz Müller meinte zu den Problemen: „Wir sind in einem Lernprozess.“

Deutlich sprach Sturm die hohe Fehlerquote, die schwache Passqualität und die Schwächen in Unter- und Überzahl an. „Es ist natürlich für den Marco auch nicht leicht, durch die vielen Absagen die Chemie in den Reihen zu finden“, erläuterte Olympia-Teilnehmer Patrick Hager. Hätte Deutschland gegen WM-Gastgeber Dänemark und Norwegen im Penaltyschießen das glücklichere Ende für sich gehabt und vier statt zwei Punkte, würde das aber wohl kaum im Fokus stehen.

Grundsätzlich beklagt Sturm den mangelnden Nachwuchs. „Wir haben in der Breite nicht die Qualität wie manch andere Nationen“, sagte der deutsche NHL-Rekordprofi. „Es schaut momentan einfach ziemlich mager aus. Es ist einfach nicht gut genug.“ Aus Mangel an Alternativen hat der Coach diesmal auch Spieler wie Krefelds Daniel Pietta dabei, den er in den vergangenen Jahren stets aussortierte.

Auf den erfahrenen Torhüter Dennis Endras, WM-Held von 2010, verzichtete er dagegen diesmal freiwillig. Sturm hatte gehofft, in Philipp Grubauer einen möglichen Sieggaranten in den eigenen Reihen zu haben. Der NHL-Goalie kommt nach dem Einzug mit Washington ins Playoff-Halbfinale der NHL jetzt aber auch nicht mehr für eine Nachnominierung infrage. „Das ist eine Position, auf der wir momentan gut besetzt sind. Auch wenn Grubi nicht dabei sein sollte. Wir haben mit Danny einen überragenden Torwart“, hatte Sturm vor der WM erklärt. Doch Münchens Olympia-Held Danny aus den Birken sagte ihm verletzt ab.

Nach unsicheren Auftritten von Timo Pielmeier ruhen die Hoffnungen auf dem 27 Jahre alten Niklas Treutle, der beim 0:3 gegen die USA sein WM-Debüt gab und herausragte. Der Nürnberger Torhüter soll auch gegen den Weltranglisten-18. Südkorea ein Rückhalt sein: „Das ist ein Spiel, das wir gewinnen müssen. Ich bin davon überzeugt, dass die Mannschaft auch im nächsten Spiel positiv reagiert“, sagte Sturm.

dpa

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