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Sportmix Eisige Leidenschaft Shorttrack
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00:18 15.01.2016
Shorttrack ist ihre Leiden- schaft: Arian Nachbar und Karin Schmidt. Quelle: Dietmar Lilienthal
Rostock

Ein Jahrzehnt nach dem Ende seiner aktiven Karriere hat Arian Nachbar immer noch ein Alleinstellungsmerkmal unter den deutschen Shorttrackern: Als erster und bis heute einziger Deutscher krönte sich der Rostocker 2005 in Turin zum Einzel-Europameister. „Das war das große Highlight“, sagt der 39-Jährige, der zudem drei Mal — 1998 in Nagano, 2002 in Salt Lake City und 2006 in Turin — an Olympischen Winterspielen teilnahm. Heute kümmert sich der gelernte Kfz-Mechaniker und frühere Sportsoldat als Landestrainer um den Shorttrack-Nachwuchs.

Die Zeiten, als Rostock Deutschlands Shorttrack-Hochburg war und regelmäßig Athleten wie Nachbar, Aika Klein, André Hartwig oder Ulrike Lehmann bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften starteten, sind vorbei. „Nach der Wende haben wir 60 Prozent der Nationalmannschaft gestellt. Davon haben wir lange gezehrt", erklärt Erfolgstrainerin Karin Schmidt, die die eisige Leidenschaft Shorttrack mit Nachbar teilt. Doch weil der Deutsche Olympische Sportbund Dresden und nicht Rostock zum Bundesleistungszentrum machte, müssen die Top-Athleten an der Elbe trainieren. So wie vor Jahren schon Aika Klein, die ihre Karriere 2011 beendet hat und heute mit Ex-Nationalmannschaftskollege Sebastian Praus in der sächsischen Landeshauptstadt lebt.

„Dresden hat eine Top-Halle und sehr gute Bedingungen. Wir haben auch gute Bedingungen, aber uns fehlt eine zweite Eisfläche, um flexibler arbeiten zu können“, sagt Nachbar, der die Talente mit den beiden anderen hauptamtlichen Trainerinnen Karin Schmidt und Ivonne Bolt in der sanierungsbedürftigen Eishalle in der Rostocker Schillingallee trainiert. Personal, Eiszeiten und vor allem auch das Geld sind knapp — „wie bei allen Sportarten, die an Fördertöpfen hängen“, erklärt Nachbar. Allein die vor zwei Jahren angeschafften großen Matten, die die Sportler bei Stürzen vor Verletzungen schützen sollen, kosteten 55000 Euro.

Trotz des schmalen Budgets, überschaubaren Personals und zu wenig Eiszeiten brummt die Nachwuchsabteilung der Rostocker „Shorties“: Rund 80 Kinder und Jugendliche üben beim ESV Turbine auf dem 111 Meter langen Eisoval. „Wir haben in Rostock keine Anna Seidel“, sagt Karin Schmidt mit Blick auf die 17-jährige Dresdnerin, die derzeit Deutschlands beste Shorttrackerin ist. „Aber wir haben Talente, aus denen mit viel Training etwas werden kann.“ So wie Adrian Lüdke und Moritz Kreuseler aus der Trainingsgruppe von Karin Schmidt. Die beiden 16-Jährigen sind Kandidaten für die Ende des Monats stattfindenden Junioren-Weltmeisterschaften in Sofia. „Die Kriterien haben beide erfüllt, aber die offizielle Nominierung steht noch aus“, erklärt Schmidt. Allerdings waren die beiden Talente zuletzt durch einen gebrochenen Daumen (Lüdke) beziehungsweise einen Infekt gehandicapt.

Seit fast vier Jahrzehnten arbeitet Karin Schmidt als Trainerin. Sie hat viele Talente gefördert, wie Arian Nachbar — oder Torsten Kröger, der seit 2007 in Dresden trainiert. Er ist derzeit die Nummer eins beim ESV Turbine. Der 28-jährige Sportsoldat, dessen jüngerer Bruder Hannes seine Shorttrack-Karriere mittlerweile beendet hat, bereitet sich auf die EM in Moskau (19.-24. Januar) vor.

Ob der Rostocker in Russland starten darf, wird am Wochenende bekanntgegeben. Sein Ticket bereits sicher hat Arian Nachbar. Der einstige Europameister ist in Moskau als Assistenztrainer dabei.

Es ist
heutzutage kompliziert, Leistungssportler auszubilden.“Karin Schmidt,
Trainerin seit 1978



Sönke Fröbe