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Sportmix Greipel schwer gestürzt — Tour in Gefahr
Sportbuzzer Sportmix Greipel schwer gestürzt — Tour in Gefahr
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00:00 01.04.2014
André Greipel trägt sich in die Startlister ein. Nach schwerem Sturz und Bänderriss in der Schulter droht eine monatelange Rennpause. Quelle: Imago

Brüssel/Rostock — Den Jubel John Degenkolbs nach seinem Triumph in Wevelgem noch im Ohr, musste André Greipel (31) die vernichtende Diagnose im Krankenhaus zur Kenntnis nehmen: Doppelter Bänderriss in der Schulter — monatelange Wettkampfpause, die Teilnahme an der Tour de France akut gefährdet. Er wurde in der Nacht zum Montag operiert, eine eingesetzte Spezialplatte fixiert den Halteapparat zwischen Schulter und Schlüsselbein. Ein Sturz acht Kilometer vor dem Ziel hatte den deutschen Straßenmeister bei der 76. Austragung des belgischen Klassikers Gent-Wevelgem am Sonntag aus allen Siegträumen gerissen.

„Die Beine waren da, die Mannschaft war da, die Chance war da — und dann lag das Fahrrad da: keine Möglichkeit, den freien Flug zu verhindern“, schilderte Greipel die Unfall-Situation via Twitter, als er über das Rad des vor ihm zu Fall gekommenen US-Profis Tyler Farrar gestürzt war. Zum Schluss seiner Mitteilung vergaß er nicht, Degenkolb für seinen taktischen Coup zu gratulieren.

Zumindest das Frühjahr ist für Greipel gelaufen, wie sein Team mitteilte. Nach seinem Sturz hatte er sich in seinem Mannschafts-Fahrzeug noch von Teamchef Herman Frison ins Ziel bringen lassen. Dort war er trauriger Zeuge des Trubels um Degenkolb, bevor es für ihn Richtung Krankenhaus ging.

„Wie lange er ausfällt, weiß er im Moment selber nicht — das ist alles großer Mist, aber es geht ihm ganz gut“, berichtete Greipels Teamkollege und beste Kumpel Marcel Sieberg. Greipel hatte am Morgen schon wieder zuversichtlich geklungen. „Ich habe im Krankenhaus nette Gesellschaft zum Frühstück“, twitterte er.

Der früherer Trainer des Rostockers, Peter Sager, wurde während seines Türkei-Urlaubs von der Schreckensnachricht überrascht. „Ich habe versucht, André zu erreichen, aber es hat nicht geklappt“, meinte er.“Es ist totaler Mist, dass er sich verletzt hat“, sagte Sager. Der Spruch, dass man kein richtiger „Renner“ sei, wenn man sich noch nicht das Schlüsselbein gebrochen habe, konnte ihn nicht aufmuntern. Viele Teams hatten am Sonntag in Belgien Sturzopfer zu beklagen. Beim deutschen Zweitligisten NetApp brach sich der Österreicher Daniel Schorn das Schlüsselbein und zwei Rippen. Der Brite Ian Stannard ist mit Rückenverletzungen noch im Krankenhaus. Dessen Teamkollege Christian Knees kritisierte das Verhalten einiger Draufgänger. „Manchmal scheint es, als würden einige jedes Risiko in Kauf nehmen, nur um vorne dabei zu sein“, meinte der Bonner.

Der 25 Jahre alte Thüringer John Degenkolb hatte von Greipels Sturz nichts mitbekommen. An der Spitze einer etwa 40 Fahrer starken Gruppe hatte er sich zusammen mit dem bulligen Topsprinter über die letzten giftigen Anstiege gequält. Und diesmal lief es für Degenkolb im Finale „100 Prozent besser“ als vor einer Woche bei Mailand-San Remo, als ihn eine Reifenpanne gestoppt hatte. „Das war einer der enttäuschendsten Momente meiner Karriere, aber jetzt habe ich das vergessen“, sagte Degenkolb nach der 233 Kilometer-Schufterei mit Happy End. „Ich fühle mich großartig“, schrieb der Sieger auf seiner Homepage.

Die Beine waren da, die Mannschaft war da, die Chance war da — und dann lag das Fahrrad da.“

Der Rostocker Radprofi André Greipel über seinen Sturz beim Klassiker Gent — Wevelgem in Belgien



Andreas Zellmer und Christian Lüsch

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