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Sportmix HSV-Krise spitzt sich zu
Sportbuzzer Sportmix HSV-Krise spitzt sich zu
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00:00 26.08.2013
HSV-Verteidiger Heiko Westermann ist entsetzt. Der Ball schlägt zum 1:0-Siegtreffer für Hertha im Tor der Hamburger ein. Quelle: Fishing 4
Berlin

Thorsten Fink hatte sich in Abwehrstellung begeben. Mit verschränkten Armen stand der Trainer des Hamburger SV umringt von einem Dutzend Journalisten an der Wand in den Katakomben des Berliner Olympiastadions und versuchte nach einer erneuten Niederlage die kritischen Fragen zu parieren. Nach dem 0:1 bei Aufsteiger Hertha BSC hat der mit internationalen Ambitionen angetretene HSV aus drei Partien ein kümmerliches Pünktchen vorzuweisen.

Von einer Krise wollte Fink dennoch nichts wissen. „Meine Mannschaft hat kämpferisch ein sehr gutes Spiel gezeigt und ein Remis verdient gehabt. Wir schauen positiv nach vorn“, meinte der HSV- Coach. Dass es für ihn nach fast zwei Jahren eng werden könnte, verneinte Präsident Carl Edgar Jarchow: „Wir sind der Meinung, dass Thorsten Fink das hinkriegt.“ Auch Sportdirektor Oliver Kreuzer war bemüht, das Positive des Abends in den Vordergrund zu stellen. „Das Team hat Charakter und funktioniert“, sagte der Ex-Profi, der hofft, „dass wir uns in aller Ruhe auf das Braunschweig-Spiel vorbereiten können“.

Die Realität sieht beim Traditionsklub, der am Samstag seine 50-jährige Bundesliga-Zugehörigkeit feierte, aber anders aus. Suspendierte Spieler und Ordner, die mit einem Aufsichtsratsmitglied aneinandergeraten. Nicht zu vergessen die harsche Kritik des Investors Klaus-Michael Kühne an der Vereinsführung und vor allem Coach Fink. Das alles ist nicht spurlos an den Spielern vorbeigegangen.

Das räumte sogar Fink ein, wenn er auch den Schein erwecken wollte, dass dem nicht so sei. „Was von außen reingetragen wird, ist für mich nicht wichtig“, sagte der 45-Jährige, widersprach sich aber sogleich selbst: „Natürlich hat das nicht zu einem besseren Spiel beigetragen.“ Kreuzer äußerte sich schon deutlicher: „Die Kommentare von Herrn Kühne bringen dem Verein gar nichts.“

Spieler und Verantwortliche klammern sich an die in Berlin gezeigten Fortschritte gegenüber dem 1:5-Debakel gegen Hoffenheim vor einer Woche. „Wir haben eine andere Hamburger Mannschaft gesehen.

Die hat gefightet und wollte unbedingt gewinnen“, fand Torwart René Adler. Der Nationalspieler ist sich sicher: Wenn das Team gegen Braunschweig gewinnt, kommt es wieder aus „dieser schwierigen Situation“ heraus.

Auch Heiko Westermann war der Meinung, „dass wir nicht mit hängenden Köpfen nach Hause fahren müssen“. Nicht nur er erwähnte die vielen guten Chancen, die der HSV nicht genutzt habe. Dabei vergaßen die Akteure, dass sie erst nach dem 0:1 durch Herthas Adrian Ramos in der 74. Minute ihre Offensivscheu ablegten. Einzig HSV-Kapitän Rafael van der Vaart sprach von einem „Fehlstart“.

Ganz anders die Berliner: Die Hertha legte mit zwei Siegen und einem Remis den besten Start in ihrer Bundesliga-Geschichte hin. „Wir haben 65 000 Zuschauer im Stadion, 50 Jahre Bundesliga und sieben Punkte. Das ist für einen Aufsteiger überragend“, kommentierte Manager Michael Preetz.

Kartenfestival
Am 50. Geburtstag der Bundesliga ging es in den Stadien richtig rund. Gleich sieben Spieler mussten in den sieben Partien des 3. Spieltags am Freitag und Samstag mit Gelb-Roten oder Roten Karten vorzeitig in die Kabine. Damit wurde der Negativrekord der Liga eingestellt. Sieben Platzverweise an einem Spieltag gab es in 50 Jahren zuvor erst sechsmal. An diesem Wochenende mussten Höwedes, Fuchs (beide Schalke), Huszti (Hannover), Salihovic (Hoffenheim), Coquelin, Mehmedi (beide Freiburg), Luiz Gustavo (Wolfsburg) vorzeitig vom Platz.

Matthias Bossaller