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Handball Empor am Tiefpunkt
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00:00 12.06.2017
Rostock

Raus ohne Applaus: Die Handballer des HC Empor Rostock haben sich mit einer 27:32 (11:16)-Niederlage beim Bundesliga-Aufsteiger TSG Ludwigshafen-Friesenheim aus der 2. Bundesliga verabschiedet. Die OZ nennt die Gründe für den zweiten Absturz in die Drittklassigkeit nach 2003 und zeigt die Folgen auf.

Miese Bilanz

Es war die schlechteste Saison in Empors glorreicher Vereinsgeschichte. Vier Heimsiege (gegen Hamm-Westfalen, Leutershausen, Saarlouis und Aufsteiger TuS N-Lübbecke), zwei Remis (in Neuhausen und gegen Ferndorf) sowie 32 Niederlagen sind ein deutlicher Beleg für die Unterlegenheit der seit 20 Runden sieglosen Rostocker, die mit dem 14:36 in Nordhorn die höchste Pleite in der Empor-Historie kassierten und am Ende lediglich zehn Punkte auf dem Konto hatten. Sang- und klangloser stieg seit der Einführung der eingleisigen zweiten Liga nur der GSV Eintracht Baunatal (7:69) ab.

Mannschaft keine Einheit

Es passte vieles nicht. Kapitän Norman Flödl und Florian Zemlin marschierten als Vorbilder voran. Doch sie vermochten es nicht, alle mitzuziehen. Einigen Spielern fehlte die Bereitschaft, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Trainer Hans-Georg Jaunich wollte in der Winterpause ein neues Deckungs- system (3-2-1) einstudieren, doch die Mannschaft hatte darauf keine Lust. Der Verein gab Geld für die Winter-Neuzugänge Kevin Lind und Daniel Zourek aus. Beide wollten der Mannschaft helfen, doch einige Spieler sahen in den Neuen Konkurrenten. Offensichtlich waren zudem Spannungen innerhalb des Teams (Vyron Papadopoulos und Julius Heil). Hinzu kam Verletzungspech. Mit Matej Konsel und Julius Porath fielen zwei Stammkräfte monatelang aus. Philipp Jaeger konnte nach Schulterproblemen sein Potenzial nicht mehr abrufen.

Trainer zu moderat

Hans-Georg Jaunich (65) hat die Mannschaft Mitte November nach der Beurlaubung von Robert Teichert übernommen. Das Ruder herumreißen vermochte der Olympiasieger von 1980 nicht. Grund: Sein moderater Führungsstil wurde von einigen Spielern ausgenutzt. Mangels personeller Alternativen konnte Jaunich nicht wirklich durchgreifen. Stattdessen ließ er sich auf Kompromisse ein. Das ging nach hinten los. Unter Jaunichs Regie holte Empor aus 26 Spielen lediglich sechs Punkte. Teichert kam auf vier Zähler in zwölf Partien.

Keinerlei Kontinuität

Seit dem Bundesliga-Abstieg 1993 verkörpert Empor bestenfalls Mittelmaß. Von erstklassigen Zielen wurde geträumt, doch bestenfalls kleine Ziele (Zweitliga-Aufstieg und Quali für die eingleisige zweite Liga) erreicht. Auf dem holprigen Weg stolperten reihenweise Geschäftsführer und Trainer. Insofern blieb sich der Verein einmal mehr treu. Statt in finanziell schwierigen Zeiten an einem Strang zu ziehen, reagierte die Führungsriege mit Aktionismus. Die geräuschvolle Trennung von Trainer Teichert sowie die anschließende Beurlaubung von Geschäftsführer Sven Thormann verunsicherten die Mannschaft.

Unsägliches Krisenmanagement

Klubchef Jens Gienapp (48) ist seit zehn Jahren im Amt und gehört damit zu den wenigen Konstanten im Verein. Der Vorstandsvorsitzende liegt mit personellen Entscheidungen nicht immer richtig, geht in schwierigen Zeiten aber zumindest nicht auf Tauchstation. Der Aufsichtsrat mit Oberbürgermeister Roland Methling an der Spitze ist gut besetzt – doch in Krisenzeiten kamen vom Kontrollgremium zu wenige Impulse. Dass nach der Trennung von Teichert ernsthaft über die Rückkehr von Rastislav Trtik (Gerichtsstreit) und von Holger Schneider, der im November 2011 aufgrund sportlichen Misserfolgs beurlaubt wurde und der im Streit mit Klubchef Jens Gienapp ging, nachgedacht wurde, sind Ausdruck eines unsäglichen Krisenmanagements.

Für neuen Schwung sorgte Geschäftsführer Stephan Stübe (48), der nach der Beurlaubung von Thormann inthronisiert wurde. Er steigerte die Mitgliederzahl von 264 auf 340, kümmerte sich um die Lizenz, organisierte ein Handball-Camp, verpflichtete Trainer Till Wiechers. Der und die erfolgreiche Nachwuchsarbeit sind Mutmacher für den Neuanfang.

Stefan Ehlers

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