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Sportmix Handballer fliegen mit breiter Brust in die Wüste
Sportbuzzer Sportmix Handballer fliegen mit breiter Brust in die Wüste
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00:25 12.01.2015
Der Friesenheimer Erik Schmidt hat sich am Kreis gegen die tschechische Abwehr durchgesetzt und trifft. Quelle: Imago/Camera 4

Mannheim — Deutschlands Handballer liefen bereits aufs Parkett der Mannheimer SAP-Arena, da erklärte Bernhard Bauer in den Katakomben in kleiner Runde, was er von dem Team bei der am Donnerstag beginnenden WM in Katar erwartet: „Das Achtelfinale, also Vorrundenplatz vier als Minimum, ist Pflicht.“ Von mehr wollte der Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB) nichts hören: „Wir sollten innerlich bescheiden sein. Mir ist es wichtig, dass wir zeigen, dass wir es sportlich verdient haben, dabei zu sein. Und dass die Kluft zur Weltspitze kleiner geworden ist.“

Die Titelkämpfe in Katar sind das erste große Event auf dem Weg zur deutschen „Vision 2020“ — Olympia-Gold in Tokio. Nach dem großen Umbruch — neue Verbandsspitze, neuer Bundestrainer Dagur Sigurdsson, verjüngtes Team — ist Bauer sicher, dass die Mannschaft „einen neuen Geist bekommen hat. Und der kommt aus dem Kopf von Sigurdsson.“

Das zeigte das DHB-Team auch im letzten WM-Test am Sonnabend gegen Tschechien. Die Gastgeber legten vor 9155 Zuschauern beim 27:22 (11:10) auch ohne Kapitän Uwe Gensheimer (Pferdekuss) über weite Strecken WM-Reife an den Tag. Die Partie war ein Spiegelbild der Vorbereitung. Das deutsche Team im WM-Check: Tor: Die Überraschung — der Gummersbacher Carsten Lichtlein, die „ewige“ Nummer drei, und Silvio Heinevetter agieren auf Augenhöhe. Sigurdsson: „Ich habe keine Nummer eins, das ist ein Fußball-Ding, ich brauche beide.“ Die Abwehr: In mehreren Varianten stabil, bissig — Ausgangspunkt für Tempogegenstöße. „Hinten sicher stehen und schnell raus, das ist unsere Stärke“, ist sich Gensheimer sicher. Der Angriff: Das Hauptmanko in den Testspielen: die Chancenverwertung und die Fehler beim Passspiel. Weltklasse dagegen: die Flügelzange Groetzki/Gensheimer.

Die Achillesferse: der Rückraum. Da hat nur Kiels Steffen Weinhold internationale Klasse. Aber: Der junge Berliner Paul Drux war in den Testspielen die Überraschung im linken Rückraum. Erst 19, aber frech, unbekümmert, körperlich präsent. „Überragend“ fand ihn Sigurdsson in den Tests. Die Fragezeichen: Rückkehrer Michael Kraus. Er kam nur sporadisch zum Einsatz, suchte noch nach Bindung. Gegen Tschechien überzeugte Martin Strobel als Regisseur, auch als taktische Überraschung auf Linksaußen. Doch kann er das auch zur WM? Sigurdsson legte sich fest: „Die 18 Spieler, die in Mannheim dabei waren, fahren nach Katar.“ Der Isländer war mit der Vorbereitung zufrieden — Deutschlands Handballer fliegen mit breiter Brust in die Wüste.

Deutschland — Tschechien 27:22

Deutschland: Heinevetter, Lichtlein — Kneer 1, Gensheimer, Sellin 5/1, Groetzki 6/2, Wiencek 1, Weinhold 1, Strobel 2, Schmidt, Kraus 1, M. Müller 1, Schöngarth 2, Musche 1, Böhm 3, Drux 3.

Tschechien: Mrkva, Galia, Stochl — Hrstka 4, Becvar 1, Jurka, Jicha 1, Sobol 1, Horak 6, Babak 2, Linhart 1, Petrovsky, Skvaril, Vinkelhofer, Zdrahala 3/1, Sindelar 3, Kasal, Szymanski.

Es gibt einen neuen Geist — und der kommt aus dem Kopf von Sigurdsson.“DHB-Präsident Bernhard Bauer



Jens Kürbis

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