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Sportmix „Ich brauche keine Millionen auf dem Bankkonto“
Sportbuzzer Sportmix „Ich brauche keine Millionen auf dem Bankkonto“
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00:05 09.05.2017

Sie sind seit vielen Jahren auf den Parcours international erfolgreich – wie am Wochenende beim Championatssieg in Mannheim –, betreiben eine eigene Reitanlage und veranstalten dort einmal im Jahr die DKB-Pferdewochen. Sind Sie mehr Sportler oder mehr Unternehmer?

Holger Wulschner: Das hält sich ungefähr die Waage. Ich wäre gerne mehr Sportler, aber das eine bedingt das andere. Man muss zwangsläufig Unternehmer sein, wenn man diesen Laden führt. Man muss gut rechnen un d planen können – obwohl ich eher ein Bauchmensch bin, der viel aus dem Gefühl heraus macht. Damit bin ich immer gut gefahren.

Sie waren in den neunziger Jahren der erste Springreiter aus den neuen Bundesländern, der in die nationale Spitze geritten ist. Haben sich all Ihre Hoffnungen und Wünsche erfüllt, die Sie damals als junger Reiter hatten?

Naja, anfangs war ich schon ein Exot in der Szene. Es war für mich, der in der DDR groß geworden ist, eine große Umstellung. Ich wurde nach der Wende – wie viele andere auch – ins kalte Wasser geworfen. Aber ich habe mir überall ein bisschen Hilfe geholt – angefangen beim damaligen Bundestrainer Herbert Meyer bis zu Reiterkollegen wie Ulrich Kirchhhoff, René Tebbel oder Paul Schockemöhle.

Ich bin mit dem, was ich bisher erreicht habe, zufrieden. Einmal ein Championat mit der deutschen Mannschaft zu reiten, ist schon immer ein Traum gewesen und bleibt nach wie vor ein Ziel für mich.

Vor den Sommerspielen 1996 in Atlanta waren Sie einmal dicht dran an einer Olympia-Teilnahme.

Ja, ich hatte gute Resultate, war bei den Deutschen Meisterschaften weit vorne und hatte ein paar Große Preise gewonnen. Ich war im engeren Kreis, es ging damals um fünf Mann. Schließlich sind dann Ulrich Kirchhoff, Ludger Beerbaum, Franke Sloothaak und Lars Nieberg gefahren – und wurden ja auch Olympiasieger.

Ein positiver Dopingtest spielte damals auch eine Rolle?

Mein Pferd Missouri war positiv auf Nandrolon getestet worden; ein Mittel, das in unserem Sport überhaupt nicht leistungsfördernd ist. Ich wurde am Ende zwar freigesprochen, aber trotzdem gesperrt und durfte in Atlanta nicht starten.

Trauern Sie dieser verpassten Chance heute noch hinterher?

Überhaupt nicht, das ist Geschichte. Die Reiter-Pferd-Paare, die dort waren, waren top. Alleine zu diesem Kreis zu zählen, war schon gut. Und vielleicht klappt es ja irgendwann noch mal mit Olympia.

Braucht man als Reiter außer guten Pferden auch eine Lobby bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, um bei den großen Events dabei zu sein?

Früher war es so, dass Topleute wie Ludger Beerbaum oder Franke Sloothaak gesetzt waren, auch wenn sie gerade mal nicht so gute Ergebnise hatten. Weil der Bundestrainer wusste, was er an ihnen hatte. Mittlerweile hat sich der Sport komplett geändert. Die guten Reiter-Pferd-Paare sind auch in Deutschland gesucht. Für den Bundestrainer ist es schwer geworden, für ein Championat vier, fünf gute Paare zusammenzubekommen.

Woran liegt das?

Viele gute Pferde sind ins Ausland verkauft wurden. International ist so viel Geld unterwegs, dass es schwer ist, ein gutes Pferd in Deutschland zu halten.

Apropos Geld: Kann man als Springreiter reich werden?

Das kommt darauf an, wie man Reichtum definiert. Aber ich will gar nicht reich sein. Ich möchte jeden Morgen aufstehen und sagen können: Ich kann leben, mir geht es gut. Ich brauche keinen Luxus und keine Millionen auf dem Bankkonto. Ich möchte das, was mein Betrieb kostet – das sind zwischen 15000 und 20000 Euro – am Monatsende bezahlen können. Luxus ist für uns, selber mal ein Pferd kaufen oder behalten zu können.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Cavity – ihn hätten wir teuer verkaufen können.

Erzählen Sie mal.

Nachdem er in Dubai Zweiter im Großen Preis geworden war, haben Scheichs uns ein Angebot für ihn gemacht. Ich habe das dann meiner Frau Astrid überlassen und zu ihr gesagt: ,Ich gehe jetzt die Siegerehrung reiten und du verkaufst ihn!’ Aber ihr liefen dann die Tränen und sie hat es nicht übers Herz gebracht. Von dem Tag an war es beschlossen, dass Cavity unverkäuflich ist. Er ist jetzt 14 Jahre alt und wird bei uns sein Gnadenbrot bekommen.

Sie sind 53 Jahre alt. Wie lange wollen und können Sie noch auf diesem hohen Niveau reiten?

Ich habe keine gesundheitlichen Probleme, mir geht es sehr gut. Solange es mir Spaß macht und die Pferde gut sind, mache ich weiter.

Haben Sie Vorbilder?

Einige. Marcus Ehning ist zum Beispiel ein genialer Reiter. Auch Marco Kutscher schätze ich sehr. Bei ihm stimmt das Gesamtpaket: Er ist menschlich auf einem ganz hohen Level und reiterlich ein Top-Mann, der super mit den Pferden arbeitet. Ein Vorbild für jeden Reiter.

Apropos Vorbild: Auch Ihr Sohn Benjamin feiert als Springreiter Erfolge. Haben Sie ihn in diese Richtung gelenkt?

Gar nicht! Wir haben ihn damals ein bisschen unterstützt, als er Pony geritten ist. Aber die Kinder sollten das machen, woran sie Spaß haben. Mein großer Sohn hat einen ganz anderen Weg eingeschlagen, er hat mit Reiten gar nichts zu tun. Benjamin hat die Pferdeleidenschaft einfach im Blut.

Können Sie sich ein Leben ohne Pferde vorstellen?

Überhaupt nicht. Ich könnte zwar schon mal drei, vier Tage kein Pferd sehen – das würde gehen. Aber Pferde sind unser Leben. Wenn du einmal von diesem Virus befallen bist, kommst du nicht mehr davon los! Interview: Sönke Fröbe

OZ

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