Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° Sprühregen

Navigation:
„Ich weiß, wie Pokal-Spiele laufen können“

„Ich weiß, wie Pokal-Spiele laufen können“

Neubrandenburgs Trainer Jürgen Bogs über das heutige Duell mit Hansa und seine Zeit als Meistermacher des BFC Dynamo.

Voriger Artikel
1:1 in Manchester: Bayern auf Halbfinal-Kurs
Nächster Artikel
Kabinett will Public-Viewing-Gesetz beschließen

Seit Oktober 2012 ist er als Cheftrainer des 1. FC Neubrandenburg tätig: Jürgen Bogs (67), hier vor einem der vier Stadttore.

Quelle: Fotos: Imago

OSTSEE-ZEITUNG: Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Hansa Rostock?

Jürgen Bogs: Eigentlich nur positive.

OZ: Moment, der BFC hat zu Oberliga-Zeiten die letzten drei Spiele im Ostseestadion verloren ...

Bogs: Trotzdem! Davor haben wir kaum verloren. Wir sind in Rostock immer gut gefordert worden. Hansa gehörte zu den Top-Mannschaften in der Oberliga — vor allem auch dank einer hervorragenden Nachwuchsarbeit. Das waren schon gute Duelle. Ich habe im Sommer 2012 in der Saisonvorbereitung mit Zehdenick gegen Hansa gespielt. Wir sind in Führung gegangen, haben aber am Ende 1:9 verloren.

OZ: Wann waren Sie zuletzt im Rostocker Stadion?

Bogs: Das muss 2001 gewesen sein — mit dem BFC gegen Hansa Rostock II. Das Ostseestadion war damals noch im Umbau. Wir mussten uns in einem Container umziehen. Alles andere war fertig.

OZ: Wie haben Sie Ihre Mannschaft auf das heutige Landespokal-Halbfinale vorbereitet?

Bogs: Ganz normal, wie immer. Wir sind ja reine Amateure, trainieren erst ab 18 Uhr. Für die Mannschaft ist es ein Highlight. Fast alle Spieler stammen ja aus der Region.

OZ: Also haben Sie den Gegner nicht auf Video studiert?

Bogs: Nein, das brauche ich auch nicht. Wir sind ein unterklassiger Gegner, der die Möglichkeit hat, sich gut zu präsentieren. Die Spieler können sich für höhere Aufgaben anbieten. Unter diesem Aspekt läuft das.

OZ: Rechnen Sie sich eine reelle Chance aus?

Bogs: Ich weiß zur Genüge, wie Pokal-Begegnungen laufen können. Manchmal wird man als unterklassiger Verein unterschätzt, wächst kämpferisch über sich hinaus. Ich will Ihnen aber nicht die ganzen Floskeln erzählen. Eigentlich haben wir keine Chance. Wir wollen sehen, dass wir in der Oberliga bleiben. Hansa spielt in der 3. Liga. Die Rostocker haben eine relativ gute Auswärtsbilanz, sind zu Hause etwas schlechter. Sie sind Favorit, wollen ins Finale und müssen das Spiel machen.

OZ: Sie sind vor anderthalb Jahren vom Achtligisten Zehdenick zum Oberligisten nach Neubrandenburg gewechselt. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Bogs: Allein von der Qualität der Spieler ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ich gebe ja auch noch Fußball-Unterricht an der Sportschule. Die Arbeit mit den jungen Leuten macht Spaß.

Drei A-Junioren trainieren schon bei mir mit.

OZ: Sie sind 67, Frührentner, haben gesundheitliche Probleme. Warum tun Sie sich den Trainerjob und die damit verbundene Pendelei noch an?

Bogs: Als meine Frau 2009 verstorben ist, habe ich gleich wieder angefangen, in Schwedt zu arbeiten. Im Sommer habe ich genug im Haus und Garten zu tun. Aber im Herbst, wenn es um 16 Uhr dunkel wird und man alleine zu Hause sitzt, das ertrage ich nicht. Ich bin kein Fernsehfreak. Bei mir wird die Kiste erst nach 18 Uhr angemacht. Und nur am Computer herumspielen ist auch nicht mein Ding. Deswegen habe ich mir den Job gesucht.

OZ: Ehemalige BFC-Stars wie Thomas Doll oder Andreas Thom haben im Westen Karriere gemacht. Ihnen war der Sprung in den Profifußball nicht vergönnt. Was lief da schief?

Bogs: Bernd Stange hatte sich damals einen Berater gesucht. Ich habe gedacht, dass ich das nicht nötig habe und dass ich es alleine managen kann. Das war ein Irrtum. Ich war gleich nach der Wende bei Kickers Emden tätig. Auch in Bremen war ich mal im Gespräch. Klar, man hätte noch mal das große Geld verdienen können, aber ich kann damit leben, dass ich kein Bundesliga-Trainer war. Ich bin zufrieden. Ich komme mit meiner Rente zurecht und muss den Job nicht des Geldes wegen machen. Das Haus ist abbezahlt. Ich besitze ein Auto und habe zwei alte Motorräder — eine Jawa, Baujahr 56, und eine MZ BK, Jahrgang 58. Ich bin Motorradfreak, fahre gern mal ins Grüne.

OZ: Der BFC war zu Vorwendezeiten als Stasi-Klub verschrien, der von den Schiedsrichtern bevorteilt wird. Wie sehen Sie das heute?

Bogs: Es gab sicherlich Schiedsrichter-Entscheidungen, die — vorsichtig ausgedrückt — nicht den Tatsachen entsprachen. Aber 26 Meisterschaftsspiele kann man nicht verschieben. Das geht nicht.

Da wären die Leute auf die Barrikaden gegangen. Schauen Sie sich heute mal die Bundesliga an. Was da für Entscheidungen fallen, da schüttelt man nur mit dem Kopf.

OZ: Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Spielern?

Bogs: Thomas Doll hatte ich zum Jahresende bei einem Oldie-Turnier in Potsdam getroffen. Wir hatten danach über WhatsApp Kontakt und uns Weihnachtsgrüße geschickt. Von daher weiß ich, dass er als Trainer bei Ferencvaros Budapest arbeit. Andi Thom trainiert die B-Junioren von Hertha. Wenn man sich trifft, sagt man Hallo.

• Mehr zum Thema unter oz-sportbuzzer.de

Zehn Meistertitel in Folge — eine einmalige Bilanz
Jürgen Bogs wurde am 19. Januar 1947 in Biesendahlshof (Uckermark) geboren und wohnt in einem Einfami-
lienhaus in Alt-Marzahn. Er ist Witwer. Seine Frau Barbara erlag 2009 einem Krebsleiden. Fünf Jahre lang hatte er sie gepflegt und sich in dieser Zeit komplett aus dem Fußball zurückgezogen. Bogs, seit 2008 Frührentner, ist Vater zweier erwachsener Kinder — Nico (40) und Dana (37) — und hat neun jüngere Geschwister.



Der frühere Abwehrspieler der BSG Aufbau Schwedt übernahm nach Ende seiner Spielerlaufbahn die Nachwuchsabteilung des Berliner FC Dynamo. Bogs führte die BFC-Junioren 1974 und 1976 zur DDR-Vizemeisterschaft und übernahm am 1. Juli 1977 die Oberliga- Mannschaft.

10 Mal in Serie wurde er zwischen 1979 und 1988 mit dem BFC Dynamo DDR-Meister. 1988 und 1989 gewann er den FDGB-Pokal. Alles in allem stand er 614 Mal an der Seitenlinie, darunter bei 40 Europacupspielen. Seine Bilanz: 385 Siege, 109 Remis, 119 Niederlagen. Bogs war zudem von September 1990 bis Oktober 1993 und von Januar 2000 bis November 2001 als Chefcoach für den BFC verantwortlich. Weitere Stationen waren unter anderem der 1. FC Schwedt, Kickers Emden und die TSG Neustrelitz. Seit Oktober 2012 ist der diplomierte Sportlehrer beim Oberligisten 1. FC Neubrandenburg 04 tätig.
1996 war er als Trainerkandidat bei Werder Bremen im Gespräch. Doch der Klub entschied sich für „Dixie“ Dörner.

 



Interview von Stefan Ehlers

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Sportmix
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Physik,Kernphysik,Wendelstein,Plasmaphysik,Atome Teaser der den User auf die Themenseite führen soll image/svg+xml Image Teaser Wendelstein 7-X 2015-09-23 de Sonderseite Golfen in MV Immer mehr Menschen schwingen im Nordosten den Golfschläger. 16 000 Mitglieder hat der Landesverband inzwischen – zehn Mal mehr als Anfang des Jahrtausends. Lesen Sie auf unserer Sonderseite Geschichten über die Golfszene, Spieler aus dem Land und Prominente, die gern in MV golfen.
Die besten Wettquoten der Ostsee gibt es im Bundesliga-Quotenvergleich von SmartBets.