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Sportmix Krüger wieder im Angriffsmodus
Sportbuzzer Sportmix Krüger wieder im Angriffsmodus
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10:50 11.01.2016
Kraftraubend: Stephan Krüger, hier mit Trainer Meinhard Rahn, schindet sich auf dem Ruder-Ergometer. Rechts: Paul Heinrich. Quelle: Stefan Ehlers

Nieselregen prasselt auf die zugefrorene Eisdecke. Auf dem Bootssteg liegt eine Schneeschicht. Das Schilf, in dem die Vögel Schutz vor der Kälte suchen, wiegt sich leicht im Wind. Still ruht die Warnow. Rudern ist in Kessin derzeit nicht möglich. Stephan Krüger macht sich stattdessen im Kraftraum zu schaffen. Der 27-Jährige vom ORC Rostock stemmt tonnenweise Eisen. Dann ist Pause. Stephan und sein Trainingspartner Paul Heinrich frühstücken. Es gibt Brötchen und Kaffee. Danach geht die Schinderei weiter — 15 Kilometer auf dem Ruder-Ergometer. Tags zuvor saßen die beiden mehr als drei Stunden auf der Maschine und spulten rund 50 Kilometer ab. Die Schwielen an Krügers Händen sind ein deutlicher Beleg für die Strapazen. Halb so wild, meint der gebürtige Rostocker. „Das geht noch schlimmer.“

Krüger, der zu den größten Olympia-Hoffnungen aus Mecklenburg-Vorpommern gehört, fällt spontan die WM im Vorjahr ein, als er nach drei harten Rennen (Vorlauf, Viertel- und Halbfinale) im Endlauf an seine Grenzen stieß. „Da war auf den letzten hundert Metern Schicht im Schacht. Daran habe ich keine Erinnerung, weil ich mich da völlig aus dem Leben geschossen habe“, erzählt der Weltmeister von 2009.

Auch wenn es bei der WM nicht zu einer Medaille gereicht hat — 2015 war seine stärkste Saison. Krüger beendete bei den Deutschen Kleinboot-Meisterschaften die Siegesserie von Serienmeister Marcel Hacker (38, Magdeburg), der zuvor neunmal triumphiert hatte. Seitdem sitzt er mit dem 1,96-Meter-Hünen in einem Boot. Die beiden wurden Europameister, Weltcup-Gesamtzweite, WM-Vierte und sicherten damit den Quotenplatz für Olympia.

Gemeinsam nehmen sie das Abenteuer Rio in Angriff, müssen sich aber erst national durchsetzen. Trainer Meinhard Rahn hat daran „keinen Zweifel“. Für Krüger wären es die dritten Olympischen Spiele, für Hacker bereits die fünften. Doch dabei sein ist nicht alles. „Marcel und ich haben das Potenzial, mindestens Dritter zu werden“, weiß Krüger, der seit 2008 zum Kreis der Nationalmannschaft gehört und als Zweier-Spezialist gilt.

Noch größere Medaillenchancen werden dem Doppelvierer eingeräumt. Krüger und Hacker würden ihr Glück gern im Vierer versuchen, doch für Deutschlands beste Skuller führt offenbar kein Weg ins Olympiasieger- und Weltmeister-Boot. Im Trainingslager im Dezember in Porto wagte Krüger einen (letzten) Vorstoß. Er fragte Bundestrainer Marcus Schwarzrock: „Haben wir eine Chance, in den Vierer zu kommen?“. Nicht wirklich, signalisierte der Hamburger, der an der Stammbesetzung festhält und der keine wirkliche Alternative für die Zweierbesetzung hat. „Das war hart für mich, daran habe ich ganz schön geknabbert“, gibt Krüger zu. Der Schützling von Meinhard Rahn vermisst den Leistungsgedanken. Die Besten sollten in einem Boot sitzen, meint der Rotschopf und ist überzeugt: Er und Hacker könnten den Vierer noch schneller machen.

Doch lamentieren hilft nicht. Krüger hat längst wieder in den Angriffsmodus geschaltet. „Wenn ich mich damit weiter aufhalte, zieht mich das nur runter. Es bleibt mir nur die Chance, mich im Zweier zu versuchen. Das werde ich mit Marcel offensiv angehen.“

Serie

Traumziel
Rio 2016
Heute:

Ruder-Ass
Stephan Krüger
Termine
Die Etappen der Ruderer auf dem Weg zu den Olympischen Spielen:

 2.4.  Ergometer-Test in Leipzig
 3.4.  Langstrecke Einer in Leipzig
14. bis 17.4. Weltcup in Varese
 6. bis 8.5.  EM in Brandenburg
26. bis 29.5. Weltcup in Luzern
16. bis 19.6. Weltcup in Poznan
 5. bis 14.8. Olympische Spiele
            in Rio de Janeiro

 



Stefan Ehlers

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