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Sportmix Kulttrainer Wegner: Wir brauchen Stars
Sportbuzzer Sportmix Kulttrainer Wegner: Wir brauchen Stars
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00:00 04.09.2013

OSTSEE-ZEITUNG: Sie bereiten derzeit Marco Huck in Zinnowitz auf dessen WM-Kampf am 15. September gegen Firat Arslan vor. Wie beurteilen Sie die Aussichten Ihres Schützlings?

Ulli Wegner: Für ihn ist es ein Muss, zu siegen. ,Hucker‘ hat eine tolle Entwicklung genommen und er wird noch besser werden. Man darf ja nicht vergessen, wie er angefangen hat. Er war Weltmeister im Kickboxen. Da gibt es Tausende. Ihm fehlt eine Laufbahn als Amateurboxer — so wie sie Henry Maske oder Sven Ottke hatten. Von daher ist seine Entwicklung umso erstaunlicher.

OZ: Ist Huck Ihr derzeitiger Musterschüler?

Wegner: Natürlich hänge ich bei ihm mit dem Herzen dran. Das brauche ich den Sportlern aber nicht immer zu zeigen. Entweder sie fühlen es oder sie fühlen es nicht. Ich muss nicht geliebt werden. Im Leistungssport muss man in Bereiche gehen, die schmerzen. Da geht man nicht freiwillig rein. Da muss der Trainer ab und an helfen und den Sportler treiben, wenn‘s wehtut.

OZ: Sie mussten dieses Jahr schon schmerzliche Niederlagen hinnehmen. Gutknecht hat gegen Brähmer verloren, Abraham gegen Stieglitz. Stehen Sie beim Huck- Kampf besonders unter Druck?

Wegner: Ja, natürlich. Normalerweise stehe ich immer unter Druck. Das zerfrisst einen. Da muss man stabil sein und Erfahrungen haben. Ich brenne. Ich will immer etwas beweisen. Für mich sind Niederlagen eine Katastrophe. Mir tut es auch weh, wenn ein fachkundiges Publikum wie in Schwerin berechtigt pfeift. Dann bin ich unglücklich.

OZ: Sie meinen den Kampf von Arthur Abraham gegen die „Schwarze Mamba“ Willbeforce Shihepo aus Namibia. Trauen Sie es ihm zu, noch mal Weltmeister zu werden?

Wegner: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Vom Potenzial her hat er es drauf. Er hat einen Hammer, aber er muss etwas daraus machen. Er ist in Schwerin kein Risiko eingegangen, um die Entscheidung zu suchen. Arthur ist nach den Klitschkos der populärste Boxer. Das hat man auch in Schwerin gemerkt. Die Zuschauer haben ihn gefeiert. Aber er muss sich ändern — sonst ist Schluss!

OZ: Sie reden von Trennung?

Wegner: Ich bin geradeaus, das musste ich einfach machen. Nicht von meiner Seite, weil ich ihm helfen möchte. Aber ich musste dem Jungen doch die Frage stellen, ob ich ihn noch motivieren kann oder nicht. Bisher hat er mir immer hundertprozentig vertraut.

OZ: Sie sind 71 und könnten längst in Rente gehen. Was treibt Sie an?

Wegner: Ich arbeite für den Erfolg. Das ist für mich eine unheimliche Herausforderung. Ich mache es aus Hingabe und nicht, um mir zehn Euro dazuzuverdienen. Ich hab keine Millionen auf dem Konto, aber mir geht‘s gut. Ich hab ein kleines Häuschen und komme gut über die Runden.

OZ: Wie lange läuft Ihr Vertrag bei Sauerland?

Wegner: Ich habe einen Vertrag, der sich jedes Jahr neu verlängert. Die Jungs haben immer gefragt: Wie lange machen Sie noch? Deswegen habe ich mich mit meinem Anwalt zusammengesetzt und einen Drei-Jahres-Vertrag aufgesetzt. Dieser liegt seit einem halben Jahr bei den Geschäftsführern vor — bisher ohne Unterschrift.

OZ: Ihr Kollege Karsten Röwer wurde hinter Ihrem Rücken verpflichtet. Wie gehen Sie damit um?

Wegner: Nichts gegen Karsten, ich komme gut mit ihm klar. Er verkörpert eine neue Trainergeneration. Aber man hätte so viel Achtung vor mir haben müssen, um mit mir darüber zu sprechen. Das Management von Sauerland Event wird merken, dass es mich noch unheimlich braucht. Wenn man das anders sieht, muss ich damit leben.

 

OZ: Huck, Helenius, Abraham — sie alle haben unheimlich Dampf in den Fäusten. Wie schaffen Sie das Training mit ihnen körperlich?

Wegner: Bei Arthur habe ich kürzlich drei Tage meinen rechten Ellenbogen gemerkt, weil der so einen Hieb hat, aber ansonsten macht mir das erstaunlicherweise überhaupt nichts aus. Ich habe ja mit Georg Bramowski einen Assistenztrainer, der einige Einheiten übernimmt.

OZ: Sie sind unheimlich populär, wurden zehnmal in Folge zum Trainer des Jahres gewählt. Wie beurteilen Sie die Chancen, diese Serie auszubauen?

Wegner: Zunächst einmal: Es macht mich stolz, dass ich bei den Fans so beliebt bin. Wenn ,Hucker‘ gewinnt, habe ich sicher wieder gute Chancen. Momentan bietet sich ja auch keiner groß an.

OZ: Dirk Dzemski vielleicht, der Trainer von Robert Stieglitz?

Wegner: Das einzige, was ihn auszeichnet, ist seine große Fresse. Er nimmt sich ein bisschen wichtig. Das wird ihm eines Tages auf die Füße fallen. Ich erkenne den Sieg von Robert an, aber Dzemski hat sich keine Sympathien verdient. Man darf auch nicht vergessen: Stieglitz wurde unter Torsten Schmitz Weltmeister.

OZ: Sauerland ist die Nummer1 im Profiboxen, der Magdeburger Boxstall SES hat sich gemausert. Wie beurteilen Sie die Szene?

Wegner: Die Pleite von Universum ist sehr traurig. Ulf Steinforth macht als Promoter bei SES sehr gute Arbeit. Ich gehe davon aus, dass Felix Sturm noch mal kommt. Wir haben einige veranlagte Jungs im Hinterland. Aus denen wird etwas. Wir brauchen Stars, die die Fans begeistern — wie einst Maske, Ottke, Michalczewski oder Rocchigiani.

OZ: Am 5. Oktober steigt das Duell zwischen Wladimir Klitschko und Alexander Powetkin. Wie beurteilen Sie Powetkins Chancen?

Wegner: Wenn er gut trainiert ist, hat er eine Chance. Klitschko ist in der Halbdistanz ängstlich und unbeholfen. Powetkin ist vielseitig.

OZ: Gibt es bei den „Sauerländern“ jemanden, der die Klitschkos gefährden kann?

Wegner: Robert Helenius war auf einem guten Weg, wurde aber mehrfach durch Verletzungen zurückgeworfen. Ich hoffe, dass die Klitschkos noch ‘ne Weile boxen, so dass Helenius vielleicht die Chance kriegt. Das ist auch der Traum von Marco Huck. Aber im Moment sollten wir uns erst mal auf seine Titelverteidigung im Cruisergewicht konzentrieren. Denis Boytsov war lange verletzt. Da muss man sehen, wie er wieder in Form kommt. Aber das wäre auch eine Alternative.

OZ: Sie sind Stammgast im Zinnowitzer „Baltic“. Warum Usedom?

Wegner: Ich kenne den Hotelier Hans Dornbusch und seinen Sohn schon lange. Wir fühlen uns hier wohl, haben tolle Trainingsbedingungen und schöne Laufstrecken. Die Sportschule ist in der Nähe.

Auch das Klima ist hervorragend.

• Video unter

www.ostsee-zeitung.de

Interview von Stefan Ehlers