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Sportmix „Mein Leben gehört dem Radsport“
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00:00 05.12.2017
Rostock

Überall Erinnerungen. Fotos, signierte Trikots, Pokale. Auf einem steht: „Der beste Trainer der Welt.“ Peter Sagers Haus ist ein kleines Radsport-Museum, seine Garage eine bestens ausgestattete Werkstatt: Hier schraubt, feilt und tüftelt Rostocks Radsport-Papst an den Vehikeln, die für ihn die Welt bedeuten: Fahrräder. Ein schlichtes schwarzes mit stabilem Stahlrahmen lehnt an der Wand. „Mein erstes Rad. Das habe ich bekommen, als ich 16 war“, erklärt Sager. Fast 60 Jahre später ist der drahtige Rentner noch immer damit unterwegs – etwa 5000 Kilometer im Jahr. Heute wird der Mann, der Tour-Sieger Jan Ullrich, Topsprinter André Greipel und viele andere Talente entdeckte, förderte und formte, 75 Jahre alt.

„Der Radsport ist mein Leben gewesen und ist es eigentlich immer noch“, sagt Sager. 35 Jahre, von 1969 bis 2004, arbeitete er als Trainer bei der SG Dynamo, später PSV Rostock. 15 Jahre davon war er auch Landestrainer von Mecklenburg-Vorpommern. Sager ist längst in Rente, aber noch lange nicht im Ruhestand. Fünf Mal in der Woche kümmert er sich auch heute noch um die Talente des PSV.

Geld bekommt der legendäre Trainer dafür nicht, für ihn ist das Ehrensache und Leidenschaft zugleich: „Wenn du merkst, es entwickelt sich was bei den Jungs, ist das ein richtig gutes Gefühl.“ Einen hauptamtlichen Trainer hat die einstige Rostocker Kaderschmiede, aus der neben Ullrich und Greipel erfolgreiche Profis wie André Korff, Paul Voss, Paul Martens, Eric Baumann und Robert Wagner hervorgingen, schon lange nicht mehr.

Als Sager den erfolgreichsten deutschen Radrennfahrer entdeckte, spielte der Zufall eine nicht unwesentliche Rolle, bevor das systematische Rad- und Athletiktraining fruchten konnte. „Wir brauchten für einen Crosslauf in Rostock-Evershagen noch einen Starter in der Altersklasse neun“, erinnert sich Sager und fragte seine Jungs, ob sie noch jemanden wüssten. Einer meldete sich: „Ich habe noch einen Bruder, der ist neun.“ Es war Stefan Ullrich, der das sagte. Der Name seines kleinen Bruders: Jan. „Der hat dann gleich das Rennen der Zehnjährigen gewonnen“, erzählt Sager. Es war der Anfang einer äußerst erfolgreichen Zusammenarbeit.

Ein paar Tage später stattete Sager der Familie Ullrich einen Besuch ab, im Gepäck hatte er ein Rennrad. „Jan, ab jetzt bist du Mitglied der SG Dynamo Rostock West!“, teilte Sager dem kleinen Jan mit. Wie ein „abgezogenes Karnickel“, habe er damals ausgesehen, lacht der Trainer: „Nur Haut und Knochen.“ Dass aus diesem schmächtigen Jungen eineinhalb Jahrzente später der erste und bis heute einzige deutsche Sieger der Tour de France werden würde, konnte auch Sager damals nicht ahnen.

Ebenso wenig wie Jan Ullrich, der sich gut an diese Anfangszeit erinnert. „Ich war sofort Feuer und Flamme! Mein erstes Rennen habe ich dann auch gleich gewonnen“, sagt der gebürtige Rostocker, der mit Ehefrau Sara und den drei Kindern heute auf Mallorca lebt. Die Verbindung zu seinem Entdecker hat die Jahrzehnte überdauert: „Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis, telefonieren und sehen uns zwar nicht oft, aber regelmäßig.“

Die fünf Trainingsjahre bei Sager haben Ullrich geprägt. „Es war eine tolle Zeit“, erinnert sich der Olympiasieger von Sydney 2000 und zweimalige Zeitfahr-Weltmeister: „Als Trainer hat Peter viel verlangt, er war aber gleichzeitig sehr einfühlsam und ist auf jeden persönlich eingegangen. Er wusste Zuckerbrot und Peitsche immer richtig einzusetzen.“ Damit brachte Sager seine Jungs zu Höchstleistungen und ebnete vielen den Weg ins Profigeschäft. Anfang der 2000er Jahre standen Ullrich, Korff, Baumann und Greipel beim größten deutschen Rennstall unter Vertrag. „Ein Viertel des Teams Telekom kam von unserem kleinen Verein PSV Rostock – ich muss einiges richtig gemacht haben“, sagt Sager stolz. Ein weiteres Highlight seiner Trainerkarriere waren die deutschen Bahnradmeisterschaften der Junioren 1999 in Stuttgart, als seine Schützlinge sämtliche Titel im Ausdauerbereich abräumten.

Dass er für seine erfolgreiche Arbeit als Trainer nicht besonders gut bezahlt wurde, habe für ihn nicht wirklich eine Rolle gespielt, versichert Sager: „Mir war das egal. Ich war ein Verrückter, ich wollte mit den Jungs erfolgreich sein.“

Möglich war das nur, weil seine Frau Carola mitzog und ihren Mann unterstützte, wo sie konnte. „Sie hat mir den Rücken freigehalten und zu 90 Prozent die Kinder erzogen. Zu Hause war immer alles glatt“, sagt Sager, dessen Sohn Henning ein guter Radsportler und Trainingskumpel von Jan Ullrich war. Tochter Steffi ist mit Ex-Hansa-Torwart Kevin Müller (jetzt 1. FC Heidenheim) verheiratet.

Peter und Carola Sager sind seit mehr als 36 Jahren ein Ehepaar. Eigentlich wollten sie ihren „135. Geburtstag“ nach einem Mexiko-Urlaub im November gemeinsam feiern, doch weil in Rostock im gut gebuchten Dezember keine geeignete Lokalität mehr zu finden war, wurde daraus nichts. Die große Feier fand deshalb schon am vergangenen Sonnabend statt und wurde von Sager kurzerhand zum „60.

Geburtstag plus Sportlerball“ umdeklariert.

Viele Weggefährten und Ex- Schützlinge wie André Greipel kamen zum Gratulieren, Jan Ullrich sagte „schweren Herzens“ ab: Er wurde an diesem Tag 44 Jahre alt und feierte mit seiner Familie. „Nächstes Jahr holen wir das auf Mallorca alles nach“, nimmt Sager die Absage gelassen.

Denn irgendwie ist sein prominentester Schützling ohnehin immer präsent. In Gestalt eines Gelben Trikots zum Beispiel, das „Ulle“ ihm 1997 als Sieger der Tour de France auf den Champs-Élysées überreichte. Es hängt eingerahmt in Sagers kleinem Radsport-Museum.

Sönke Fröbe

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