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Sportmix Mit 42: Voigt macht Jagd auf Rekorde
Sportbuzzer Sportmix Mit 42: Voigt macht Jagd auf Rekorde
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02:27 22.03.2014
Er bereitet sich derzeit auf seine wohl letzte Saison als Radprofi vor: der Dassower Jens Voigt (42). Quelle: Getty Images

Die warme März-Sonne nutzte Jens Voigt zu langen Trainingstouren. Der Radprofi strampelte durch die Mark Brandenburg und Mecklenburg. Der 42-Jährige bereitet sich auf seine voraussichtlich letzte Saison vor.

20 Jahre ist es her, als Voigt die Friedensfahrt gewann und am Jahresende zum weltbesten Radamateur gewählt wurde. Nun ist er der Nestor unter den Fahrern der Protour-Teams. Nur der Amerikaner Chris Horner erblickte ebenfalls 1971 das Licht der Welt — fünf Monate nach Voigt.

„Eigentlich sind Alter und Teilnahmenhäufigkeit keine Sache, für die man Blumen bekommt“, sagt Voigt, gibt dann aber zu: „Es macht mich schon zufrieden, dass ich das so lange durchgestanden habe.“

Vielleicht ist das Durchhaltevermögen auch der Tatsache geschuldet, dass der Dassower während seiner gesamten Karriere nie mit Doping in Verbindung gebracht wurde. Ende der 90er Jahre und zu Beginn dieses Jahrtausends war das nicht ganz einfach. Voigt bleibt bei seiner Aussage: „Ich würde mich schämen, wenn ich vor meinen sechs Kindern als Doper da stünde.“

Bereits im vergangenen Herbst hatte sich der gebürtige Grevesmühlener entschieden: „Ich hänge noch ein Jahr dran. Ich brauche das Jahr, um dem Radsport Goodbye zu sagen.“ Von seinem Ehrgeiz hat der Wahl-Berliner, der seit 29 Jahren in der Hauptstadt lebt, nichts eingebüßt: „Ich will noch einmal bei der Tour de France starten. Es reizt mich, zum Amerikaner George Hincapie und dem Australier Stuart O‘Grady aufzuschließen.“ Beide können auf 17 Tour-Starts verweisen. Sollte Voigt von seinem Luxemburger Team Trek Factory nominiert werde, bestreitet er seine 17. Frankreich-Rundfahrt.

„Das eine Jahr verkrafte ich auch noch“, sagt Ehefrau Stefanie. Voigts bessere Hälfte hat einmal ausgerechnet, das ihr Mann allein bei der Tour de France ein Jahr unterwegs war.

Mit Tour-Rekordler O‘Grady keuchte Voigt einst beim französischen Team Credit Agricole gemeinsam über die Landstraßen. „Wir teilten einige Jahre in Südfrankreich eine Wohnung. Bei Stuart habe ich mein Englisch vertieft“, erinnert sich der Deutsche, der sich in Frankreich großer Beliebtheit erfreut. Zum einen, weil er mit seiner aggressiven Fahrweise und Ausreißversuchen immer für Spannung sorgt. Zweitens, weil er fließend Französisch spricht.

„Mit 80 oder 90 Sachen die Berge hinunterzurasen ist nicht mehr so mein Ding. Trotzdem reizt mich die Tour“, erklärt Voigt. Mit der Katalonien-Rundfahrt in der nächsten Woche beginnt schon die Vorbereitung auf die „Große Schleife“ im Juli. „Ich brauche vor der Tour schwere Rennen, um mit Spitzenform an den Start gehen zu können“, meint Voigt. Deswegen nimmt er nach siebenjähriger Pause auch wieder an der Bayern-Rundfahrt teil, die er bereits dreimal gewinnen konnte.

Familie Voigt ist mindestens zweimal im Jahr in Dassow zu Besuch. Ins Jens-Voigt-Museum nach Grevesmühlen ist der Radprofi im vorigen Jahr allerdings nicht gekommen. „Ich schicke aber regelmäßig neue Exponate nach Grevesmühlen. In diesem Jahr will ich unbedingt wieder einmal das Museum besuchen“, hat sich „Vogte“ vorgenommen.

Sein Zeitfonds ist stark eingeschränkt. Voigt trainiert täglich zwischen fünf und sieben Stunden, ist darüber hinaus unterwegs zu Rennen.

Die wenige Freizeit verbringt er mit der Famile. Marc, mit 18 der Älteste, bereitet sich auf das Abitur vor. Julian ist 14 und will in Vaters Spuren rollen. „Er ist im Charlottenburger Verein der Youngstars Radrennfahrer und erwartet natürlich vom Vater eine gewisse Betreuung“, sagt der zweimalige Sieger der Deutschlandtour, der seine Mädchen zum Tanzunterricht fährt. Oder Papa Voigt schnappt sich die fünf Großen und geht mit ihnen in eines der großen Kinos in Berlin. Nur Helen darf noch nicht mit. Sie ist er erst drei — und damit die Jüngste des Sextetts.

Rostocker Greipel startet bei Mailand — San Remo
André Greipel, Gerald Ciolek und John Degenkolb: Wenn am Sonntag mit der 105. Auflage des Frühjahrsklassikers Mailand — San Remo die Radsport-Saison so richtig eingeläutet wird, darf sich ein deutsches Trio Hoffnungen auf den Sieg machen. Der Rostocker André Greipel entschied sich erst relativ kurzfristig für eine Teilnahme, nachdem der Anstieg Pompeiana wegen Sicherheitsbedenken wieder aus dem Kurs genommen worden war.
4 Mal hatte „Mister San Remo“ Erik Zabel sein Lieblingsrennen gewonnen. Die größte Überraschung war aber wohl Ciolek im vergangenen Jahr gelungen, als er die haushohen Favoriten Peter Sagan und Fabian Cancellara düpierte.



Bernd König

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