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Sportmix Mit der Drehstoßtechnik neuen Schwung geholt
Sportbuzzer Sportmix Mit der Drehstoßtechnik neuen Schwung geholt
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00:00 09.02.2018
Rostock

Es begann mit einem Jux im Trainingslager. Im vergangenen Sommer probierten zwei Neubrandenburger Kugelstoß-Talente in Kienbaum mal aus, wer mit der Stoß-Technik des anderen weiter kommt: Angleiter Patrick Müller als Drehstoßer oder der drehende Christian Jagusch mit der Angleit-Methode.

Die Überraschung: Müller (21) kam dabei fast an seine Bestweiten heran. Auch der aufmerksame Beobachter David Storl staunte nicht schlecht. Eigentlich, meinte Deutschlands Vorzeige-Kugelstoßer, musst du sofort umsteigen. Ein Video, das der Physiotherapeut von den Versuchen drehte und dem Trainer Sven Lang vorspielte, gab dann den letzten Anstoß: Patrick Müller schulte vom Angleiter auf „Dreher“

um.

Ein technischer Fehler im linken Stemmbein ließ den gebürtigen Demminer jahrelang in seiner Leistung stagnieren. „Er konnte es nicht richtig strecken, dadurch hatte es keine Wirkung“, erklärt Lang:

„Für die Drehstoßer dagegen ist das uninteressant, die müssen die Beine ja ohnehin einknicken.“ Müllers Nachteil wurde dadurch für ihn sogar zum Vorteil. Von der neuen Stoßtechnik hatte der Sohn der zweimaligen Olympiateilnehmerin Ines Müller (Rostock) sofort Feuer gefangen. „Mir liegt das einfach, das macht mehr Spaß“, meint der Mecklenburger. „Es hat zwar am Anfang etwas gedauert, sich im Ring zurechtzufinden, aber mittlerweile ist das Körpergefühl da.“ Seine Jugendzeit als guter Diskuswerfer kam Patrick bei der Systemumstellung zugute, die mit dem Wechsel von Parallelstil auf V-Stil im Skispringen vergleichbar ist. „Im Moment versuchen relativ viele den Umstieg vom Angleiten zum Drehen. Einigen wird das nicht gelingen, die können sich einfach nicht um sich selbst drehen“, sagt sein Coach. „Ihm fällt das leichter, er hat ein Feeling dafür.“

Und die Weiten sprechen für sich. Im Januar gelang Patrick Müller, der zwei Jahre lang bei 19 Metern festhing, mit 20,14 m sein erster 20-Meter-Stoß. „In unseren Kreisen heißt es, erst dann ist man ein richtiger Kugelstoßer“, freut sich der frühere U-18-Weltmeister (2013). Innerhalb von vier Monaten hat er sich um 89 Zentimeter verbessert. Für Trainer Lang, zu dem er Ende 2016 nach Chemnitz gewechselt war, ist das eine Initialzündung. „Mit einem Schlag geht’s vorwärts. Er geht ganz anders motiviert in den Wettkampf. Auch die Leistungen im Kraftraum sind sprunghaft gestiegen.“

Der Coach, der David Storl zu zwei WM- und drei EM-Titeln führte, ehe sich ihre Wege nach den Enttäuschungen bei Olympia 2016 (7.) und der WM 2017 (10.) trennten, traut Müller noch viel mehr zu. Erst einmal müsse sich der Norddeutsche im jetzigen Bereich stabilisieren. Eine Gelegenheit ist das Traditionsmeeting am Sonntag in Sassnitz auf Rügen. „Ich bin gespannt, wie er sich in einem Weltklassefeld schlägt“, sagt Lang und empfiehlt: „Er muss einfach locker bleiben, darf jetzt nicht den Fehler machen und allen zeigen wollen, wie weit das Ding auf einmal fliegt.“

Ihr gemeinsames Ziel für 2018 ist die Heim-EM im August in Berlin. Die Quali-Norm liegt bei 20 Metern. „Da wäre ich natürlich sehr gern dabei“, meint Müller. Der Trainer schaut schon etwas weiter voraus. „Ich hoffe, dass mal eine 21 vor dem Komma stehen könnte. Das wäre in dieser kurzen Zeit und in seinem Alter richtig gut“, meint Sven Lang. „Aber ich gebe ehrlich zu: Daran hätte ich vor einem Jahr noch nicht gedacht.“

Kai Rehberg

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