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Sportmix Nach 44 Jahren: Karin Schmidt geht vom Eis
Sportbuzzer Sportmix Nach 44 Jahren: Karin Schmidt geht vom Eis
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00:05 21.01.2017
Rostock

Ganz freiwillig war ihr Wechsel vom Eisschnelllauf zum Shorttrack damals nicht, aber bereut hat Karin Schmidt ihn nie. „Es war die richtige Entscheidung. Die Eisschnellläufer sind relativ artige Sportler, aber die Shorttracker sind ein verrücktes Völkchen“, sagt die 65-Jährige, der von der Deutschen Eislauf-Gemeinschaft nach der Wende ein Wechsel zu den Eisflitzern nahegelegt wurde – weil es in Rostock nur eine Kurzbahn gibt.

Keiner brachte so viele Shorttracker zu Olympia wie die Trainerin aus Rostock

Ich bin ihr sehr dankbar. Sie hat mir den Weg geebnet.Aika Praus

(geb. Klein)

Ex-Shorttrackerin

„Wenn du als Trainerin überleben willst, dann befasse dich mit Shorttrack“, habe man ihr zu verstehen gegeben, erinnert sich die Rostockerin. Ihr Wechsel wurde zur Erfolgsgeschichte. Bis heute hat kein Shorttrack-Trainer in Deutschland so viele Athleten zu Olympischen Spielen geführt wie sie. Sportlern wie Arian Nachbar, Aika Klein, Ulrike Lehmann, André Hartwig, Katrin Weber, Ulrike Lehmann oder Anne Eckner ebnete Karin Schmidt den Weg zu internationalen Erfolgen.

Doch nach 44 Jahren ist nun Schluss: Ende Februar geht sie – und damit eine der großen Trainerpersönlichkeiten in MV – in den Ruhestand. Heute wird sie im Rahmen des Shorttrack-Star-Class-Wettkampfs in der Eishalle verabschiedet.

„Es war immer mein Traumjob, mit Kindern zu arbeiten. Ich würde es immer wieder machen“, sagt Karin Schmidt, die aus einer Eislauf- Familie stammt: Ihre Mutter und ihre Schwester arbeiteten ebenfalls als Trainerinnen. Auch als aktive Sportlerin war die gebürtige Rostockerin ein Talent. „Bei DDR-Meisterschaften waren Bronze und Silber mit dabei“, sagt sie. Aber internationale Starts wurden der Eisschnellläuferin verwehrt: „Weil ich zu viel Westverwandschaft hatte.“ Jahre später erging es ihrem Sohn genauso, auch er war kein „Reisekader“, erzählt Karin Schmidt: „Darunter hat er sehr gelitten.“

Internationale Erfolge feierte die Trainerin aus Leidenschaft vor allem nach der Wende. Bei den Olympischen Winterspielen von Nagano 1998 bis Vancouver 2010 waren stets Sportlerinnen und Sportler vom ESV Turbine am Start. Aika Praus (geb. Klein) war in Salt Lake City 2002, Turin 2006 und in Vancouver dabei. „Mit 12, 13 Jahren habe ich bei Karin Schmidt angefangen. Sie hat mir Zielstrebigkeit beigebracht, den Willen, besser zu sein als die anderen“, erinnert sich die 34-Jährige, die mit Ex-Shorttracker Sebastian Praus und ihren zwei Kindern heute in Dresden lebt. Aika Praus erinnert sich an eine durchaus strenge Trainerin, „die uns bei kaltem und schlechtem Wetter draußen trainieren ließ“. Gleichzeitig habe Karin Schmidt es aber immer gut verstanden, die Truppe zusammenzuhalten. „Der Teamgeist war sensationell“, sagt die Wahl-Dresdnerin: „Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie mir den Weg geebnet hat.“

Karin Schmidt konnte die Olympia-Erfolge ihrer Sportler meist nur im Fernsehen verfolgen. Nur 2006 in Turin war sie vor Ort. „Das hat ein Sponsor möglich gemacht“, erklärt sie. Es war ein unvergesslicher Höhepunkt ihrer langen Trainerkarriere. Ende Februar verlässt sie das Eis. Endgültig, wie sie sagt: „Damit ich gar nicht in Verlegenheit komme, die Kinder vielleicht doch noch bis zur Deutschen Meisterschaft zu betreuen, reise ich nach Ägypten.“ Ganz freiwillig.

Sönke Fröbe

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