Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Sportmix Noch zwei Siege bis zum Ziel
Sportbuzzer Sportmix Noch zwei Siege bis zum Ziel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
04:24 13.09.2013
Eine der Stützen im deutschen Team: Margareta Kozuch, die den Ball hier an der Kroatin Mia Jerkov vorbei ins Feld schmettert. Quelle: Imago
Berlin

Giovanni Guidetti übte schon einmal die Champagnerdusche: Nach dem Einzug ins Halbfinale der Heim-EM bespritzte der Volleyball-Bundestrainer seine Schützlinge vor Freude ausgiebig mit Wasser. Doch eine ausgelassene Margareta Kozuch zahlte es dem Italiener nach dem 3:0-Viertelfinalsieg in Halle/Westfalen gegen Kroatien postwendend zurück.

Lachend leerte die Spielführerin ihr Getränk in der Pressekonferenz über seinem Kopf aus. „Das musste sein, das war die Rache“, so Kozuch.

Vor dem heutigen Halbfinale gegen Belgien in der möglicherweise ausverkauften Berliner Max- Schmeling-Halle ist die Stimmung im Team prächtig, denn die Gastgeberinnen sind voll im Soll: Vier Siege in vier Spielen, das ersehnte Gold ist zum Greifen nah. „Diese Mädels zu stoppen, ist echt schwer“, meinte Guidetti. „Ich habe meine Mannschaft noch nie unter Druck schlecht spielen sehen. Wir sind nicht größer, haben nicht die bessere Technik oder mehr Kraft. Aber wir sind ein Team, und ich danke Gott, dass Volleyball ein Mannschaftssport ist“, fügte er hinzu.

Saskia Hippe geht noch einen Schritt weiter. „Nö“, sagte die Diagonalangreiferin und Neu-Schweriner auf die Frage, ob die Schützlinge von Guidetti noch zu stoppen seien. „Wir sind im Flow. Und in Berlin werden wir noch mal doppelt getragen.“

Aufhalten konnte sie auch kein Getriebeschaden am Zug, durch den die „Schmetterlinge“ gestern mit Verspätung in der Hauptstadt ankamen. Der Halbfinal-Gegner ist den DVV-Frauen gut bekannt. Fünfmal standen sich die beiden Teams in diesem Jahr schon gegenüber. „Die ersten beiden Spiele haben wir verloren, die letzten drei gewonnen“, sagt Guidetti und tritt die Euphoriebremse: „Bis auf die Partie in Israel war es immer knapp. Das wird für uns ein sehr schweres Spiel.“ Auf dem Papier allerdings ist der Weltranglisten-39. der leichteste Gegner in der Runde der letzten vier.

„Belgien spielt den gleichen Volleyball wie wir, sie machen wenig Fehler“, erklärt der Coach die Ausgangslage. Doch Mittelblockerin Christiane Fürst ist optimistisch: „Wir haben mehr Erfahrung und sind vielleicht qualitativ ein bisschen weiter vorne als Belgien, weil sie noch nie ein großes Finale gespielt haben.“

Seit knapp vier Monaten arbeitet die Mannschaft auf diesen Moment hin: „Wir reden seit dem 25. Mai nur über Berlin. Ich bin sehr froh, dass wir das erste Ziel erreicht haben“, sagt Guidetti. Dass DVV-Präsident Thomas Krohne vor dem Viertelfinale gegen den Weltranglisten-31. Kroatien seine Forderung nach Gold bekräftigte, stört den 40-Jährigen nicht: „Der Präsident redet seit drei Monaten über Gold. Das soll er ruhig weiter machen, schließlich gewinnen wir ja dann auch.“

TV: heute, 17.00 Uhr: Russland — Serbien; 20.00 Uhr: Deutschland — Belgien

(jeweils Sport1)

Der Bundestrainer und sein Tablet
Die deutschen Volleyballerinnen haben sich längst daran gewöhnt. Am Spielfeldrand tigert Giovanni Guidetti mit einem Tablet auf dem Klemmbrett hin und her. Der Bundestrainer kann auf dem tragbaren Computer mit wenigen Sekunden Verzögerung den letzten Ballwechsel aus TV-Perspektive sehen und nebenbei Statistiken lesen. „Da erkenne ich, wer gut drauf ist oder wer eine Pause braucht.“ Die Kamera bedient Stephan Kulhanek. Der Bayer sitzt an der Stirnseite der Halle und versorgt Guidetti per PC mit Bildern und Daten. Mit diesem System waren die Deutschen in Europa Vorreiter.

Kirsten Opitz