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Sportmix Problemfall Mindestlohn? Sportvereine sind gelassen
Sportbuzzer Sportmix Problemfall Mindestlohn? Sportvereine sind gelassen
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00:27 16.01.2015
Verbandsligist FC Anker Wismar hat 18 Vertragsspieler — wie Guillaume Salzard (l.). Quelle: Daniel Koch

Eine gewisse Verunsicherung ja, Panik nein: Der Einführung des Mindestlohns stehen die Sportvereine im Land überwiegend mit Gelassenheit gegenüber. „Wir haben von den Vereinen noch keine Signale bekommen, dass es Probleme gibt“, erklärt Wolfgang Remer, der Präsident des Landessportbundes (LSB). Auch beim Landesfußball-Verband (LFV) gebe es bisher nur „ein paar Anfragen“ von Klubs, bestätigt Pressesprecher Robert French die relative Ruhe an der Mindestlohn-Front.

„Zum Thema könnte das neue Gesetz für Vertragsfußballer werden, die mit Verträgen über 250 Euro ausgestattet sind“, sagt LFV- Chef Joachim Masuch. 174 Vertragsfußballer sind in MV derzeit registriert — mit Abstand die meisten bei Drittligist Hansa Rostock (59), gefolgt von Regionalligist TSG Neustrelitz (22) und Oberligist SV Waren (19).

„Wir werden die Forderungen des Gesetzgebers selbstverständlich erfüllen“, kündigt Hansa-Vorstandschef Michael Dahlmann mit Blick auf den zu Jahresbeginn eingeführten gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro an. Betroffen seien bei Hansa neben teilzeitbeschäftigten Ordnern und Verkaufshilfen auch Vertragsspieler der Oberliga-Mannschaft und des A-Junioren-Teams. Die Mehrbelastung durch das Mindestlohngesetz beziffert Dahlmann auf monatlich 3600 Euro. Ein Personalabbau aufgrund der erhöhten Kosten sei aber nicht geplant. „Wir müssen andere Wege finden, um diesen Mehraufwand aufzufangen“, erklärt Dahlmann und schließt derzeit auch aus, das Oberliga-Team vom Spielbetrieb abzumelden: „Diese Überlegung gibt es aktuell bei uns nicht.“

Auch die Nummer zwei im Landesfußball, Regionalliga-Meister Neustrelitz, hält die Auswirkungen laut Geschäftsführer Andreas Kavelmann für „überschaubar“. Zwar habe die TSG 22 Vertragsspieler auf der Lohnliste, aber nur „fünf oder sechs von ihnen“ seien von der Mindestlohnregelung betroffen. „Die anderen sind normale Arbeitnehmer, die bei uns angestellt sind und mehr als Mindestlohn erhalten“, sagt Kavelmann.

Wilfried Rohloff, Vorsitzender des Fußball-Oberligisten FC Schönberg 95, vertritt den Standpunkt, „dass das Mindestlohngesetz für Amateurfußballer nicht gilt“. Spieler würden zwar Geld vom Verein bekommen, allerdings gelte das nach Meinung Rohloffs als Aufwandsentschädigung. „Die Fußballer betreiben Hobbysport und leben nicht von dem Geld.“ Rohloffs Kollege Klaus Schilling vom Oberligisten FC Pommern Greifswald, der sechs Vertragsspieler hat, ist in Sachen Mindestlohn „ganz gelassen“ und überzeugt: „Das trifft auf uns überhaupt nicht zu.“ Laut DFB- Schatzmeister Reinhard Grindel fallen „auch Amateur- und Vertragsspieler nicht unter den Arbeitnehmerbegriff, wenn ihre ehrenamtliche Betätigung und nicht die finanzielle Gegenleistung für ihre Tätigkeit im Mittelpunkt steht“. Pauschal vergütete Übungsleiter-Tätigkeiten (bis 200 Euro im Monat) und Aufwandsentschädigungen für Ehrenamtler (bis 60 Euro) fallen ohnehin nicht unter das Mindestlohngesetz.

Doch Unsicherheiten bleiben, zumal der DFB den Vereinen keine verbindliche Rechtsauskunft erteilen könne, so Grindel. „Wenn wir Trainer, Betreuer und Spieler nach dem Mindestlohnsatz bezahlen müssten, wäre das für uns nicht finanzierbar“, betont Reinhard Kny, Vizepräsident von Verbandsligist FC Anker Wismar, der 18 Vertragsspieler beschäftigt.

Auch Norbert Henke, Manager des Handball-Drittligisten Stralsunder HV, ist besorgt: „Natürlich betrifft uns das. Wir müssen alles genau prüfen, was die geringfügige Beschäftigung betrifft. 80 Prozent unserer Spieler sind Berufstätige, die nebenbei Handball spielen. Damit haben sie ein zweites Anstellungsverhältnis.“ Die erste und zweite Liga seien nicht betroffen, „aber für die Mannschaften in den Ligen darunter wird‘s schon heftig“, sagt Henke.

Für LSB-Präsident Wolfgang Remer ist entscheidend, dass das Ehrenamt durch das neue Mindestlohngesetz nicht betroffen ist. Das, sagt der 69-Jährige, „wäre eine Katastrophe“.

Hansa: Akharraz abgereist
Der Däne Osama Akharraz hat im Probetraining bei Hansa Rostock einen überzeugenden Eindruck hinterlassen, doch eine Verpflichtung des Offensivmannes wird es — zumindest vorerst — nicht geben. Nach vier Tagen in Rostock ist der ehemalige U 21- Nationalspieler abgereist — weil Hansa ihm keine Sicherheit bieten kann. Hintergrund: Der Klub darf erst neue Spieler unter Vertrag nehmen, wenn er im Rahmen der DFB- Auflagen eine Million Euro nachweisen kann (die OZ berichtete). Stichtag ist der 21. Januar. Wenn danach beiderseits noch Interesse besteht, könnte noch was gehen.



Sönke Fröbe, Stefan Ehlers und Robert Niemeyer

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